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Zwei Projekte prägen Bahnhof: Moderne Zugreinigung und Erhalt der Denkmäler

Zwei Projekte prägen Bahnhof: Moderne Zugreinigung und Erhalt der Denkmäler

Stralsund. Die Deutsche Bahn plant ein Millionen-Projekt in Stralsund. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs – er wurde 1990 zurückgebaut – soll eine ...

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Das ist einer der drei Stralsunder Lokschuppen samt Drehscheibe, die über 100 Jahre alt sind und unter Denkmalschutz stehen. Das Modell der Freizeitgruppe der Stralsunder Lokführer ist in der Bahnhofspassage zu sehen.

Quelle: Fotos: Ines Sommer, Bahn Ag

Stralsund. Die Deutsche Bahn plant ein Millionen-Projekt in Stralsund. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs – er wurde 1990 zurückgebaut – soll eine so genannte Reisezug-Abstell- und Behandlungsanlage gebaut werden. Nach den ersten Ideen im Sommer laufen nun die konkreten Vorplanungen. Bleibt man im Zeitplan, könnten 2021 in der Hansestadt die ersten IC- und ICE-Züge gereinigt und für neue Touren startklar gemacht werden.

OZ-Bild

Stralsund. Die Deutsche Bahn plant ein Millionen-Projekt in Stralsund. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs – er wurde 1990 zurückgebaut – soll eine ...

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Allerdings hat das Unternehmen bisher nur die Mittel für die Planung bereitgestellt. „Dieses Verfahren dauert mindestens zwei Jahre. Wenn wir das durchhaben, laufen noch einmal Wirtschaftlichkeitsprüfungen – und erst dann gibt uns der Vorstand das Geld“, so Lydia Müller. Die Leiterin der Infrastruktur-Abteilung der DB Fernverkehr machte damit auch den vielen Eisenbahnern am Donnerstagabend bei der Bürgerbeteiligung im Rathaus klar, dass der Bau noch nicht in Papier und Tüten sei. Sie hoffe aber das Beste.

Durch die Zuschauerreihen ging ein Raunen, dass die Bahn AG schon für einige Anlagen Planungsmittel ausgegeben habe, ohne dass je gebaut wurde. Und aus diesem Grund hält sich Lydia Müller auch bedeckt, was die genaue Investitionssumme betrifft. „Es könnte ein kleinerer zweistelliger Millionenbetrag sein.“ In Rostock beispielsweise wurden 2009 rund 19 Millionen Euro verbaut. Fakt ist, dass Stralsund im Moment nicht die Möglichkeiten bietet, ICE-Züge hier abzustellen und für den nächsten Tag reisefertig zu machen. Das Zeitalter der Triebfahrzeuge, also der Züge, die nicht lokbespannt fahren, ist aber nicht mehr aufzuhalten.

„Deshalb brauchen wir diese neue Anlage dringend“, betonte die Infrastruktur-Chefin beim Rundgang über die künftige Baustelle. Dass man sich für Stralsund entschieden habe, sei ein Segen für die Region. „Damit wird der Bahnhof als Knotenpunkt im Fernverkehr gesichert.“ Mit anderen Worten: Stralsund bliebe als IC- und ICE-Bahnhof erhalten.

Geplant ist eine Anlage mit sieben Gleisen und einem Ausziehgleis – mit bis zu 360 Metern Länge. Damit ist man für den neuen IC 2, einem weißen Doppelstockzug, ebenso gewappnet wie für den verkürzten ICE 1, den ICE 4 und den ICE-T. Und die werden in Stralsund dann nicht nur gereinigt, sondern auch vorgeheizt und bekommen neues Wasser. Ebenso läuft die Entsorgung von Schmutzwasser.

„Warum bauen Sie nicht gleich eine Waschanlage mit?“, fragt ein ehemaliger Eisenbahner. „Das würde sicher den Kostenrahmen sprengen. Wir kämpfen schon seit 2009 um diese Anlage und sind froh, wenn wir die gebaut kriegen“, antwortet Lydia Müller.

Ein Anwohner will wissen, ob er während der Bauphase noch in den Schlaf kommt. „Die Arbeiten erfolgen nur tagsüber – und das übrigens bei laufendem Zugverkehr. Lediglich wenn die Querfelder der Oberleitung erneuert werden müssen, ist eine Vollsperrung des Bahnhofes nötig. Aber nur für 54 Stunden“, erklärt der Planer der Bahn-AG den 40 Interessenten, die zur Bürgeranhörung ins Rathaus gekommen sind, und ergänzt: „Für den Betrieb haben wir die Auflage, in Richtung Wohnbebauung eine 200 Meter lange und 3,80 hohe Lärmschutzwand zu bauen.“

Die vielen Eisenbahner in der Runde wollen außerdem wissen, was mit Tanklager, Güterboden und Portalkran wird. „Die Zuwegung bleibt erhalten“, geht der Planer nicht auf Details ein. Nachhaken aus den Zuschauerreihen: „Hier gibt es eine Gruppe, die sich für den Erhalt der Lokschuppen stark macht. Sogar ein Nutzungskonzept liegt vor – für den Fall, dass die Stadt die denkmalgeschützte Anlage endlich kaufen kann. Wir haben Angst, dass das Ganze mit der neuen Anlage abgeschnitten wird.“ Lydia Müller beruhigt: „Es wird eine neue Zufahrt zu den Lokschuppen geben.“ Und sie betont, dass das Gelände groß genug ist für beide Interessenlager – Bahn AG und alte Bahn-Fans.

Kampf um Lokschuppen geht weiter

Stralsund. 2000 Stralsunder arbeiteten bis zur Wende bei der Deutschen Reichsbahn. Kein Wunder also, dass ihnen der Bahnhof ihrer Heimatstadt besonders am Herzen liegt.

Und da geht es um Tanklager, Güterscheune, Portalkran – aber eben auch um die drei Lokschuppen, die einmal drei Drehscheiben hatten. Eine hat die Bahn schon verkauft. „Das Ganze ist eine denkmalgeschützte Einheit“, sagt Marianne Störmer. Die 67-Jährige ist Sprecherin der frisch gegründeten Interessengruppe „Freunde des Bahnbetriebswerkes“. Die acht Leute, die bisher Mitglied sind, wollen das Ensemble retten und teilweise zum Museum machen. Dazu braucht man nicht nur die jetzt von der Bahn zugesicherte neue Zuwegung, sondern auch einen Gleisanschluss.

1863 wurde die erste Betriebswerkstatt auf dem Bahngelände in Betrieb genommen. Der erste Lokschuppen mit 13-Meter-Drehscheibe und Dienstgebäude feierte 1883 Einweihung. 1895 und 1919 folgten Lokschuppen 2 und 3 mit 16- und 21-Meter-Drehscheiben.

„Unser Nutzungskonzept liegt vor. Und wir wissen auch von der Stadt, dass sie das Gelände von der Deutschen Bahn kaufen will. Doch es wird immer noch verhandelt“, sagt Marianne Störmer. Aber seit Jahren gebe es kein Ergebnis.

Bestätigt wurde dies in der Bürgerschaft. Die Stadt halte am Kaufinteresse fest, weil sie das Areal entwickeln möchte, hieß es in der Juli-Sitzung. Die Nutzungsüberlegungen, die von Rechenzentrum über Sport- und Freizeitanlage bis hin zur Diskothek reichten, seien zwar mit dem neuen Bahnprojekt der Zugabfertigung nicht aussichtslos, aber die Realisierungschancen hätten sich verschlechtert.

Einzelne Abgeordnete hatten angezweifelt, dass die Deutschen Bahn ein echtes Interesse an der Erhaltung der Lokschuppen habe. Ines Sommer

Eisenbahner hin- und hergerissen

Stralsund. Viele Fragen haben die Eisenbahner am Donnerstagabend im Löwenschen Saal an die Chefetage der DB Fernverkehr. „Uns interessiert schon, was aus dem Güterboden oder aus dem Portalkran wird, deshalb hätten wir gern einen Ansprechpartner vor Ort“, sagt Marianne Störmer von der Interessengemeinschaft „Freunde des Bahnbetriebswerkes“ und betont, dass man nicht gegen die Investition sei. Sie kommt nach der Veranstaltung in kleiner Runde noch mit den Verantwortlichen ins Gespräch.

Ein ehemaliger Instandhaltungsmechaniker will wissen, wie es mit der Sicherheit des Geländes aussehe. „Jetzt spielen viele Kinder da, das ist gefährlich.“ Die neue Anlage werde eingezäunt, verspricht der Planer.

Henrik Maiwald, Betriebsrat bei DB Services, hinterfragt die Arbeitsbedingungen bei der neuen Zugabfertigung. „Die Einstiegshilfen sind fester Bestandteil der Anlage“, heißt es aus dem Podium. Jörg Müller, letzter Chef des Bahnbetriebswerks in Stralsund, gesteht gegenüber OZ, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen. „Einerseits freut man sich, dass die Bahn endlich mal wieder hier investiert.

Tolle Anlage – schade, dass die Waschstraße fehlt. Andererseits blutet einem als altem Eisenbahner das Herz, wenn man weiß, welche bahntechnischen Anlagen Stralsund mal hatte.“

In Richtung Podium fragt Jörg Müller, wann die Strecke nach Pasewalk für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut wird. „Wir sind da früher schon 120 gefahren, heute geht’s nur mit 100 km/h...“ Die schnellen ICE werden wohl eher aus Richtung Hamburg zu erwarten sein, sagt Infrastruktur-Chefin Lydia Müller von der Deutschen Bahn. „Mit der neuen Anlage können wir da natürlich ein wenig Druck machen. Aber in Richtung Berlin etwas zu verändern, ist auch eine Frage des Reisestroms.“ Mit anderen Worten: Nur wenn die Züge ausgelastet und am besten übervoll sind, baut man Druck auf.

iso

Ines Sommer

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