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Stralsund Zwischen Arztkittel und Leiterwagen
Vorpommern Stralsund Zwischen Arztkittel und Leiterwagen
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00:05 02.05.2016
Selbst aktiv und Besitzer eines Feuerwehrautos: Dr. Rüdiger Titze ist nun Kreisfeuerwehrarzt. Quelle: Carolin Riemer
Barth

Ein Blick ins Sprechzimmer von Allgemeinmediziner Dr. Rüdiger Titze reicht aus, um zu wissen, warum er jüngst zum ersten Kreisfeuerwehrarzt des Landkreises Vorpommern-Rügen gewählt wurde. Auf Fensterbrettern reihen sich Feuerlöschrohre aus Deutschland und Frankreich auf. Sein Hintergrundbild auf dem Computer zeigt seine eigene Oldtimer-Feuerwehr — Baujahr 1961, ein Rundhauber mit sechs Zylindern. „Vollkommen funktionstüchtig“, sagt er.

Es ist wichtig, in beiden Bereichen Erfahrung zu haben: in der Medizin und in der Feuerwehr-Arbeit.“Dr. Rüdiger Titze, Mediziner und Kreisfeuerwehrarzt

Nicht zu vergessen, der Pieper in der Ecke des Sprechzimmers. Ein rotes Licht beweist, dass dieser aktiv ist und der Barther Doktor, der in Stralsund lebt, immer über die Einsätze der hiesigen Feuerwehr informiert und im Notfall zur Stelle ist. Seit 16 Jahren ist der Mediziner nämlich aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Barth.

Doch was macht ein Kreisfeuerwehrarzt? Wieso empfahl der Deutsche Feuerwehrverband vor zwei Monaten, diese Position zu vergeben, die Titze dann bei der Delegiertenversammlung vor einer Woche mit 121 von möglichen 124 Stimmen für sich entschied?

Die Liste seiner Aufgaben ist lang: Beratung, Seelsorge, Organisation, Ansprechpartner.„Die Feuerwehr ist schon lange nicht mehr nur für‘s Brände löschen zuständig“, sagt Titze. So organisiere er beispielsweise Erste-Hilfe-Lehrgänge für die Kameraden im gesamten Landkreis. Das habe er bislang nur für die Wehren im Altkreis erledigt. Nun reicht das Gebiet des 55-Jährigen von Rügen über Stralsund, Grimmen, Barth bis nach Ribnitz-Damgarten. Außerdem berät er die Feuerwehrleute über wichtige Impfungen, wie gegen Hepatitis B. Da die Retter oft bei Verkehrsunfällen eingesetzt werden, kommen sie auch mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten in Kontakt. „Da ist diese Impfung lebenswichtig“, weiß er. Rüdiger Titze wird aber auch als Berater gebraucht, wenn die Wehren sich neue Ausrüstungen anschaffen. Welche Atemschutzmasken und welche Abdeckfolien sind empfehlenswert? Wie zieht man sich am hygienischsten einen blutverschmierten Handschuh aus? Und wie formuliert man eine Unfallanzeige an die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse, falls ein Lebensretter sich während eines Einsatzes selbst verletzte? Rüdiger Titze kann auf all das eine Antwort liefern.

Das kann er natürlich besonders gut, weil er ein Mediziner mit langjähriger Feuerwehrmann-Erfahrung ist. Titze ist ausgebildeterTruppmann, Truppführer, Sprechfunker und darf seit 2011 selbst auf Kreisebene Feuerwehrleute ausbilden. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass nach manch einem belastenden Einsatz der Brandschützer unter Schlafstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen leidet. Und er weiß, wann es wichtig ist, einen Psychologen einzuschalten. „Als Kreisfeuerwehrarzt wollte der Verband deswegen einen milieuerfahrenen Arzt haben, dem spezielle Probleme aus eigener Erfahrung bekannt sind.“

Titzes Patienten der Barther Praxis brauchen sich aber nicht zu Sorgen, dass der Doktor nun weniger Zeit für sie hat. Ist das Wartezimmer voll, geht der Mediziner keinen brennenden Müllcontainer oder ähnliches löschen. Lediglich in absoluten Not- und Ausnahmefällen steige er während seiner Praxis-Öffnungszeiten in ein Feuerwehrauto. „Das ist aber zum Glück noch nie vorgekommen.“

Erstmals im Landkreis

Der deutsche Feuerwehrverband regte die Wahl eines Kreisfeuerwehrarztes an, der Kenntnisse von Arbeit, Belastungen und Einsatzgeschehen der Feuerwehr hat und diese in Verbindung mit medizinischem Fachwissen sachkundig beurteilen kann. Dr. Rüdiger Titze ist der erste Kreisfeuerwehrarzt. Seit November 2013 gibt es Landesfeuerwehrärtzin Patricia Bunke aus Wismar. Klaus Friedrich aus Bayern ist seit Januar 2016 Bundesfeuerwehrarzt.

Von Carolin Riemer

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