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Stralsund Abriss in Altenhagen ist unumgänglich
Vorpommern Stralsund Abriss in Altenhagen ist unumgänglich
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00:00 03.04.2014
Der Wohnblock in Altenhagen wurde 1968 errichtet. Einst wohnten hier 21 Mietparteien. In den Jahren 1997 und 1998 bekam der Block neue Fenster. Weitere Sanierungsmaßnahmen fanden aber nicht statt. Im Moment sind noch vier Wohnungen vermietet. Wegen des Leerstandes soll der Block noch in diesem Jahr abgerissen werden.
Velgast

Noch in diesem Jahr werden die Abrissbagger in Altenhagen, einem Ortsteil von Velgast, anrollen. Ein Wohnblock am Ortsrand soll hier dem Erdboden gleichgemacht werden. Grund:

Von den 21 Wohnungen sind nur noch vier belegt.

Eigentlich ist Altenhagen Idylle pur. Der Dreigeschosser, 1968 errichtet, steht in der Eichenallee. Die Bewohner haben freien Blick in die Natur.

Es gibt reichlich Platz drumherum, aber dennoch ein großes Problem. Denn kaum einer will hier noch wohnen.

Am 1. Juni, so Corinna Bochmann von der Stralsunder Wohnungsbaugesellschaft (SWG), die im Auftrag der Gemeinde die Velgaster Wohnungen verwaltet, werden nur noch zwei Mietparteien hier ihr Zuhause haben.

„Es tut einem in der Seele weh, diesen Block abzureißen“, sagt Bürgermeister Christian Griwahn. „Aber uns fehlt die Kraft, ihn künstlich zu beatmen.“ Niemand wolle die Bewohner vertreiben, sagt er.

„Wir müssen aber auch die Wirtschaftlichkeit sehen und die Vernunft walten lassen.“

Die Fördermittelanträge für den Abriss sind bereits gestellt, so Griwahn. Bochmann rechnete den Abgeordneten auf der Gemeindevertretersitzung Dienstagabend vor, dass die wenigen Mieteinnahmen in keinster Weise mehr die Kosten decken, die der Block jährlich verschlingt. Denn auch leere Wohnungen kosten Geld: Grundsteuer, Versicherung, Heizung, auch wenn die nur auf Sparflamme läuft.

Die Mietausfälle betragen jährlich rund 25 000 Euro. Sie müssen natürlich irgendwie kompensiert werden. Und da gibt es nicht viel Puffer.

Denn ähnlich wie die Richtenberger Wohnungsbaugesellschaft, muss auch Velgast nach wie vor Altschulden aus DDR-Zeiten bezahlen.

Der Block in Altenhagen wurde 1968 als Neubau errichtet, zu einer Zeit, als man nach Wohnungen überall Schlange stand. Selbst in den Jahren 1997 und 1998, als hier neue Fenster eingebaut wurden, hatte Velgast 40 bis 45 Mietinteressenten auf einer Warteliste. „Es war also überhaupt nicht abzusehen, dass die Entwicklung einmal dahin geht, wo sie jetzt ist“, sagt Griwahn. Denn von den insgesamt 244 Wohnungen, die der Gemeinde in zwölf Objekten gehören, stehen derzeit 33 leer.

„Das ist ein Prozentsatz von 13,52“, rechnete Corinna Bochmann den Gemeindevertretern vor, höher als bei der Richtenberger Wohnungsbaugesellschaft. Hier lag der Prozentsatz im Dezember 2013 bei 12,18.

Allein Altenhagen schlägt im Velgaster Gesamtminus mit sechs Prozent zu Buche. Man muss die Realität sehen, sagt der Bürgermeister. Keiner der Abgeordneten widersprach ihm, denn auch ihnen scheint offenbar klar zu sein, dass es keine Rettung mehr für den Altenhagener Block gibt, auch wenn Noch-Bewohner das anders sehen.

Da er nicht einmal wärmegedämmt ist, müssten enorme Summen hineingesteckt werden, um in ihm normale Standards umzusetzen.

Die Kosten würden dann auf die Miete umgelegt. Da aber die Nachfrage nach Wohnungen nicht da ist, lohnt dies nicht.

Trotzdem regte der Abgeordnete Hero Kromminga während der Gemeindevertretersitzung an, doch einmal darüber nachzudenken, Wohnungen in Velgast grundsätzlich schicker zu machen, um Leute anzulocken.

Bürgermeister Griwahn freute sich über den Optimismus des Landwirts, entgegnete aber sogleich, dass der Markt dafür nicht da sei.

Im Gegenteil, Mieten zu erhöhen, berge eine Gefahr, weil ein Großteil der Bewohner sie dann nicht mehr bezahlen kann. Schon heute sind bei der Richtenberger Wohnungsbaugesellschaft ein Drittel der Mieter Hartz IV-Bezieher. In Velgast dürfte die Zahl ähnlich sein.

Roland Blank vom Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen in Schwerin sagt, dass das Land, bis 2030 weitere gut 200 000 Einwohner verlieren wird. Nicht in den größeren Städten, wie Rostock oder Greifswald, die Zuzug haben, sondern im ländlichen Bereich.

Und das gerade in Vorpommern. Hier fehlt nicht nur Arbeit, sondern zunehmend auch Infrastruktur. Zwar ist Velgast, was ärztliche Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, Schule und Kita betrifft, noch sehr gut dran, Altenhagen, fünf Kilometer weiter, aber schon nicht mehr.

Mietrückstände belaufen sich auf 35 058 Euro
244Wohnungen besitzt die Gemeinde Velgast. Sie befinden sich in insgesamt zwölf Objekten. Eines davon ist der Wohnblock im Ortsteil Altenhagen. Das Gebäude liegt etwa fünf Kilometer vom Ortskern Velgast entfernt in westlicher Richtung an der Barthe.
33 Wohnungen stehen derzeit in Velgast leer. Das ist eine Leerstandsquote von 13,52 Prozent. Allein sechs Prozent gehen dabei aber schon zu Lasten des Wohnblockes Altenhagen, in dem von 21 Wohnungen nur noch vier vermietet sind. 2012 betrug der Leerstand 30 Wohnungen.
4 Mitarbeiter kümmern sich bei der Stralsunder Wohnungsbaugesellschaft (SWG) um die Verwaltung aller Velgaster Wohnungen. Dazu gehören auch ein Hausmeister und ein Techniker, die bei Havarien zur Stelle sind. Die SWG hat die Verwaltung vor etwa drei Jahren von der Barther Wohnungsgesellschaft übernommen.
35058 Euro Mietrückstände gab es im Jahr 2013. Das sind 3058 Euro mehr als noch ein Jahr zuvor.
Insgesamt beträgt die Zahl der Schuldner 22 Mietparteien. Bei sieben Schuldnern waren alle Bemühungen erfolglos, weshalb auf sie jetzt Gerichtsverfahren warten. Bei sieben weiteren wurden diese Gerichtsverfahren bereits eingeleitet. Hier kommt es in der Regel zum Vollstreckungsbescheid und gegebenenfalls auch zu Zwangsräumungen.
14 Mieter zahlen in Raten. Sie baten selber um eine Lösung ihres Schulden-Problems.



Reinhard Amler

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