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„Dat löppt“ – großer Andrang an erster Milchtanke im Kreis

Klausdorf „Dat löppt“ – großer Andrang an erster Milchtanke im Kreis

Landwirt Henning Heß aus Klausdorf verkauft direkt aus dem Kuhstall: Am Wochenende laufen pro Tag 100 Liter aus dem Zapfhahn / Ein Zeichen, aber kein Weg aus der Preiskrise

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Marieluise (16, rechts) und Helen (18) Heß, die beiden Töchter des Klausdorfer Landwirtes, laden herzlich in die Milchtankstelle ein.

Quelle: Christian Rödel

Klausdorf. Neue Wege im Zeitalter niedriger Erzeugerpreise: Milch direkt und damit frisch vom Kuhbauern – bei Landwirt Henning Heß in Klausdorf ist das möglich. Der 58-Jährige hat nämlich die erste Milchtanke im Kreis Vorpommern-Rügen eröffnet. Und an der darf 365 Tage im Jahr von 8 bis 20 Uhr gezapft werden. Ein Euro kostet der Liter.

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Landwirt Henning Heß aus Klausdorf verkauft direkt aus dem Kuhstall: Am Wochenende laufen pro Tag 100 Liter aus dem Zapfhahn / Ein Zeichen, aber kein Weg aus der Preiskrise

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Ist das der Weg aus der Krise? „Nein“, sagt der Bauer, man könne damit höchstens ein Zeichen setzen. „Und ich bin total überrascht, dass unser Angebot so rege genutzt wird. Anfang der Woche sind es immer so rund 50 Liter, ab Freitag gehen dann täglich 100 Liter raus“, sagt der Landwirt und freut sich über die tolle Resonanz der Kunden. Die kommen aus Stralsund, Altenpleen, von Rügen oder aus Mohrdorf und Klausdorf. „Sie sagen, sie geben gern das Geld aus, weil sie sehen, wo die Milch herkommt, und dass wir dafür arbeiten. Manche fragen schon nach Joghurt und Käse. Und den Leuten ist auch klar, dass wir von 20 Cent, die wir jetzt pro Liter kriegen, nicht leben können.“

4,5 Millionen Liter Milch produziert der Klausdorfer Betrieb im Jahr. „Wenn ich jetzt 100 Liter verkaufe, sind das 36000 im Jahr. Das ist nicht mal ein Prozent unserer erzeugten Menge, also nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Mit anderen Worten: Die Milchtanke bringt mir nichts, um den derzeit miserablen Milchpreis auszugleichen.“

Henning Heß ist trotzdem froh, dass er etwas für die Klausdorfer und ihre Nachbarn tun kann. „Klausdorf ist ein tolles Dorf. Wir als Bauern sind hier anerkannt. Und damit das so bleibt, wollen wir den Leuten auch mal was zurückgeben.“ Außerdem könnten sie einfach mal das Produkt direkt vom Hof probieren, um vielleicht mehr Verständnis für die Landwirtschaft aufzubringen. „Ich find das nicht gut, dass dauernd gegen die Bauern Stimmung gemacht wird.“

Was in Österreich, in der Schweiz oder gar in Schleswig-Holstein schon längst genutzt wird, soll sich nun langfristig in Vorpommern etablieren. Und deshalb hat Familie Heß nahe dem Stall am Prohner Landweg die Milchtankstelle eingerichtet. In einem kleinen Raum steht da ein Milchautomat, in dem zwei Kannen mit je 50 Litern Milch „versteckt“ sind. „Die Selbstabholer können ihr mitgebrachtes Gefäß füllen. Wer nichts dabei hat, kann sich von uns für einen Euro eine verschließbare Flasche mitnehmen – und behalten, denn ich darf und will das Leergut nicht zurücknehmen“, sagt Henning Heß.

Was da aus dem Zapfhahn kommt, ist Rohmilch mit einem Fettgehalt von 4,2 Prozent. Empfohlen wird, dass man das Nahrungsmittel zu Hause vor dem Trinken auf 70 Grad erhitzt. Die Meisten verzichten wohl darauf.

Hat der Kunde sein Fläschchen gefüllt, läuft eine automatische Reinigung der Schläuche, damit auch alles hygienisch einwandfrei bleibt. „Nach dem Melken wird die Milch bei uns gefiltert und auf fünf Grad gekühlt. Trotzdem darf unser Produkt den Hof nicht verlassen. Die Leute müssen also schon zu uns kommen, wenn sie frische Milch wollen“, erklärt der Bauer.

450 Kühe hat Landwirt Heß, der 1993 aus Schleswig ins vorpommersche Klausdorf kam, im Stall zu stehen. Dazu kommen 450 Kälber. Die gesamte Anlage wird von acht Mitarbeitern bedient und in Schuss gehalten. „Sommer wie Winter, werktags oder am Feiertag sorgen sie für frische Milch. Dafür möchte ich meiner Crew auch mal Danke sagen“, findet der Chef des Betriebes. Und so war es selbstverständlich, dass Mitarbeiter, aber auch Frau, Töchter, Mutter und Schwester kürzlich beim Tag des offenen Hofes mit angepackt haben, um die 200 Gäste durch den Betrieb zu führen.

365 Tage im Jahr frische Milch direkt vom Bauern

50 Liter Milch fasst eine Kanne, insgesamt 100 Liter stehen im Automaten der Tankstelle zur Verfügung.

1 Euro kostet ein Liter Milch. Wer kein Gefäß dabei hat, kann einen Euro in die Kasse des Vertrauens legen und bekommt dafür eine wiederverschließbare Flasche. Landwirt Heß hat schon die nächste Fuhre geordert, so begehrt ist sein Angebot.

4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß hat das Nahrungsmittel, das direkt aus dem Kuhstall kommt. Es wird nach dem Melken gefiltert und auf fünf Grad abgekühlt.

Zu finden ist die Milchtankstelle des Landwirtschaftsbetriebes Heß in Klausdorf im Prohner Landweg (Parkplatz direkt am Stall). Viele machten schon davon Gebrauch. Geöffnet ist täglich von 8 bis 20 Uhr.

Ines Sommer

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