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Der Wald verändert sich

Poggendorf/Schuenhagen Der Wald verändert sich

Die Förster in Vorpommern machen auf die Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam

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Die Douglasie hat wenig Probleme mit höheren Temperaturen und Trockenheit und deshalb gute Chancen in der Zukunft. Auf dem Foto ist ein Zapfenpflücker im Einsatz, der den Samen gewinnen will.

Quelle: OZ

Poggendorf/Schuenhagen. Die Nachricht klingt so schlecht nicht: Dem Wald in Deutschland geht es recht gut. Und doch stehen Forstarbeitern große Herausforderungen bevor. Denn die Wälder sind in großem Maße dem Klimawandel unterworfen.

„In den vergangenen 60 Jahren ist die Durchschnittstemperatur um zwei Grad gestiegen. Das ist die Spanne, für die es während der Eiszeit etwa 4000 Jahre gebraucht hat“, macht Thomas Gottlob, Chef des Forstamtes Poggendorf, deutlich. Im Umkehrschluss bedeute das, dass die Vegetation viel weniger Zeit habe, sich umzustellen.

„Die Natur kann sich anpassen. Allerdings kommt sie bei dem momentanen rasanten klimatischen Veränderungen nicht mehr hinterher“, macht Gottlob deutlich. So trieben Lärchen 20, Fichten elf und Buchen heute acht Tage eher als noch vor 65 Jahren. Kommen dann noch einige kalte Tage wie etwa die Schafskälte, erfrören die Triebe, was immer stärkere Schädigungen der Bäume nach sich zieht. Ein weiteres Problem seien die zunehmenden Temperaturen bei längeren Trockenphasen im Sommer. „Beides bedeutet Stress für die Bäume. Sie verdursten regelrecht“, so der Forstamtschef.

Wie aus einer Statistik von HolzProKlima hervorgeht, setzt der Klimawandel vor allem die heimischen Laubbäume unter Stress. Laut Waldzustandsbericht 2014 waren bei der Kiefer 89 Prozent aller Bäume gesund oder nur schwach geschädigt. Anders sah es dagegen bei der Buche (65 Prozent) und der Eiche (58 Prozent) aus. „Der Wald wird sich definitiv verändern“, ist sich Gottlob sicher. Die Buchenwälder werden ihr Vorkommensareal weiter nach Norden ausdehnen, die Fichte wird in die Gebirgsregionen und nach Skandinavien abwandern.

Die Forstleute versuchen, den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken. „Wir denken in einem Umfang von etwa 150 Jahren und fragen uns, welche Baumart an welchem Standort optimal gedeihen kann“, so Gottlob. „Wir werden deshalb in Zukunft Standortanalysen durchführen, und hauptsächlich Baumarten pflanzen, die für das jeweilige Gebiet optimal sind. „So haben wir zum Beispiel herausgefunden, dass sich die Elsbeere in unserer Region sehr wohl fühlt“, sagt Thomas Gottlob.

Bei den Nadelbäumen gehöre die Douglasie zu den Gewinnern. Ursprünglich in Nordamerika beheimatet, habe sie mit zunehmender Trockenheit und höheren Temperaturen weniger Probleme.

Doch nicht nur die Veränderung von Temperatur und Niederschlagsmengen setzen dem Wald zu. Auch die Fauna wird sich verändern. So ist bereits die Auwaldzecke, eher im mediterranen Raum vorzufinden, bereits in Deutschland heimisch geworden. Ebenso trifft dies auf verschiedene Mückenarten wie die Tigermücke zu, die ursprünglich in den süd- und südostasiatischen Tropen und Subtropen beheimatet ist. Und es sei auch zu erwarten, dass Schadinsekten einwandern, die bislang noch keine geeigneten Lebensbedingungen und so eine neue Gefahr für den Wald darstellen.

Der Wald ist also Leidtragender des Klimawandels. Gleichzeitig ist er aber auch Hoffnungsträger im Kampf gegen die CO2-Emissionen. Schließlich nimmt jeder Baum bei seinem Wachstum Kohlendioxid auf und lagert es in Form von Kohlenstoff im Holz. „Geht es also so rasant weiter mit dem Klimawandel, dann wird sich der Wald in Mecklenburg-Vorpommern gravierend verändern“, so die Prognose Thomas Gottlobs. Deshalb sollte die Zwei-Grad-Grenze auch zur Leitplanke der Politik werden. Doch da werde leider nur in Wahlperioden gedacht, die Forst dagegen denkt in Jahrzehnten.

Von Claudia Noatnick

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