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Eine Reise in die Vergangenheit

Leyerhof Eine Reise in die Vergangenheit

DDR-Museum „Gesines Welt“ in Leyerhof besteht seit zehn Jahren

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Vollgepfropft bis unters Dach ist „Gesines Welt“ in Leyerhof. Bei Monika Behnicke (r.) kommen beim Betrachten viele Erinnerungen hoch und schon bald fachsimpelt sie mit Bernd Rottke über alte Küchenmaschinen. Fotos (3): Claudia Noatnick

Leyerhof. Wer war gleich noch mal auf dem 20-Mark-Schein abgebildet? Wie lauteten die zehn Pioniergesetze? Wie viel kostete ein Päckchen Ata? Und wer waren die Abrafaxe?

OZ-Bild

DDR-Museum „Gesines Welt“ in Leyerhof besteht seit zehn Jahren

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Den ,Blauen Würger‘ hätte ich gern noch. Aber es wird wohl verdammt schwer, den Klaren überhaupt noch zu bekommen.“Bernd Rottke, Inhaber

Diese und viele andere Fragen lassen sich im DDR-Museum „Gesines Welt“ in Leyerhof beantworten.

Wie viele Exponate in den drei Räumen in der Baracke neben dem Leyerhofer Kulturhaus zu finden sind, weiß Inhaber Bernd Rottke selbst nicht ganz genau. „Aber über 10000 sind es garantiert“, schätzt er. Die Ausstellungsstücke reichen dabei von A wie Ata über M wie Mückin bis hin zu Z wie Ziphona.

Vor zehn Jahren eröffnete Rottke sein Museum. „Ein bisschen verrückt muss man schon sein, um so etwas zu machen“, meint der Grimmener. Das DDR-Museum zu eröffnen, sei im wahrsten Sinne des Wortes eine „Schnapsidee“ gewesen. „Auf einer Geburtstagsfeier haben wir einmal rumgesponnen und ich hab gesagt, ich eröffne jetzt ein Museum“, erzählt er. Ein paar Dinge aus DDR-Zeiten hatte er noch zu Hause herumliegen. „Man hat halt immer mal was aufgehoben“, sagt er und zuckt mit den Achseln.

Aus ein paar Dingen wurden ein paar Dinge mehr, als ihm Bekannte und Freunde ebenfalls ihre noch existierenden Sachen aus DDR-Zeiten brachten. Unter anderem auch Gesine. Gesine ist etwa 50 Zentimeter groß, hat blonde Haare und runde Kulleraugen. „Es war die Puppe der Freundin meiner Tochter“, sagt Bernd Rottke. Sie wünschte sich, dass Gesine ein neues Zuhause bekäme. „Und deshalb heißt unser DDR-Museum eben „Gesines Welt“, erklärt Rottke.

Die meisten Besucher, die das kleine Museum in Leyerhof besuchen, schwelgen in Erinnerungen. „Mückin“, ruft etwa Monika Behnick aus und erinnert sich, dass das Mückentötolin mörderisch gestunken habe und die Plagegeister eher anzog, als vertrieb. Und während die Grimmenerin die vielen alten Fläschchen und Packungen und Dosen von Ata, Spee und Co. betrachtet, fällt ihr ein, dass sie doch auch noch ein Päckchen „Allesrein“ bei sich stehen hat. Das Scheuerpulver, so verspricht sie, bringt sie das nächste Mal mit, damit Bernd Rottke wieder ein Ausstellungsstück mehr hat.

Die Elmenhorster Familie Vahl fährt gleich mit dem Auto vor, den Kofferraum voller alter Zeitschriften und technischer Geräte. „Robotron. Kamst du im Guten früher nicht ran“, sagt Uwe Vahl und grinst. Plattenspieler, Lautsprecher, Radio — zu DDR-Zeiten hätten sich die Leute gerissen um diese Sachen, die aber meist ins kapitalistische Ausland exportiert wurden. Uwe Vahl hatte Glück, als er damals an die begehrten Geräte kam. Jetzt gibt er seine Schätze gern in das Leyerhofer Museum. Die Besucher finden es gut, dass es ein solches Museum gibt. „Es ist einfach schön, wenn man mal wieder etwas Altes sieht“, bringt es Monika Behnick auf den Punkt.

Hin und wieder musste sich Bernd Rottke allerdings auch schon mal vorwerfen lassen, dass er mit seinem Museum die DDR verherrliche. „Das ist Quatsch. Die DDR gab es nun einmal, wir sind in ihr groß

geworden, haben in ihr gelebt und gearbeitet. Weshalb sollten wir sie verleugnen?“, fragt Rottke. Er sieht sein Museum als ein Stück Zeitgeschichte und ist mit seiner Sammelleidenschaft noch längst nicht am Ende. „Ich freue mich immer, wenn mir Leute Dinge bringen“, sagt er. Wenn er einen Wunsch frei hätte, dann würde er sich eine Flasche „Blauen Würger“ wünschen. Den Klaren zu trinken — dazu gehörte angeblich eine ordentliche Portion Wagemut. Was zu DDR-Zeiten billiger Fusel war, ist heute kaum mehr bezahlbar. So wird derzeit im Internet-Auktionshaus ebay eine Buddel des 40-prozentigen Kristall-Wodkas angeboten. Preis: 500 Euro.

Ein Stück Zeitgeschichte

Eine Reise in die Vergangenheit — so könnte man den Besuch im DDR-Museum „Gesines Welt“ bezeichnen.

10 Jahre gibt es das Museum in Leyerhof.

Eine Flasche Kristall-Wodka, im Volksmund wegen seines blauen Etiketts „Blauer Würger“ genannt, ist der größte Wunsch von Inhaber Bernd Rottke.

Geöffnet hat das Museum von April bis Juni sowie von Oktober bis Dezember jeden dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, Kontakt unter ☎ 03

8326 / 81734.

Von Claudia Noatnick

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