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Hellberge: Beim Utkiek ist’s am schönsten

Hellberge: Beim Utkiek ist’s am schönsten

Das Landschafts- schutzgebiet nahe Franzburg ist das älteste im Kreis. Es besteht teils seit 1934, umfasst 2200 Hektar – und wächst weiter.

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Vom „Utkiek“ hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Hellberge, im Winter lässt es sich hier gut rodeln.

Quelle: Fotos: Ines Sommer/landkreis/agentur

Franzburg. Die Hellberge südlich von Franzburg sind das älteste Landschaftsschutzgebiet in Vorpommern-Rügen. Bereits 1934 stellte der Landrat des damaligen Kreises Franzburg-Barth einige Flächen unter Schutz. Mittlerweile ist das Areal auf 2200 Hektar angewachsen, und die genießen seit 1996 auch Schutzstatus.

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Das Landschafts- schutzgebiet nahe Franzburg ist das älteste im Kreis. Es besteht teils seit 1934, umfasst 2200 Hektar – und wächst weiter.

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Ob Einheimische, Stralsunder oder Touristen, die gern das Hinterland der Küste erkunden – sie alle kommen auf ihre Kosten. Und das im Sommer beim Wandern und im Winter beim Rodeln oder sogar beim Langlauf.

Wer die Hellberge jetzt erkunden will, kann sich zu Fuß oder per Rad auf den Weg machen. Ein 1994 durch die Naturschutzbund-Crew eingerichteter Lehrpfad erleichtert das Ganze. Los geht’s am Franzburger Friedhof – weiter über die beweideten Hügel, um das Hügelgrab herum bis hin zum „Utkiek“, dem schönsten Rastplatz weit und breit. Bis 1999 standen hier noch Fichten – Ergebnis der DDR-Aufforstung 1960. Diese Aktion führte zu einer Übersäuerung des Bodens und damit zum Artensterben. Die Naturschützer sorgten dafür, dass die Fichten weichen mussten. Heute erobert sich die Trockenflora das Gebiet zurück.

Nach dem Picknick am „Utkiek“ kann man zurückkehren – oder auch nach Franzburg zur Mönchsquelle wandern. Weitere Wanderwege führen nach Grenzin oder Richtung Pöglitz (siehe Karte).

Herzstück des Landschaftsschutzgebietes (LSG) ist das Kalkflachmoor. Es ist den Naturfreunden aus Franzburg und Umgebung zu verdanken, dass dieses Gebiet erweitert wurde und nun von 0,6 auf 1,5 Hektar angewachsen ist.

1984 haben die Mitglieder der Interessengemeinschaft Natur und Umwelt hier das erste Mal die Sense angesetzt, seitdem wurde regelmäßig gemäht. Und damit ist nicht die Mäh-Mania gemeint, die heutzutage überall ausbricht. „Man muss schon gucken, wie man mäht. Was oben weg soll, darf die darunter wachsenden seltenen Pflanzen nicht zerstören. Deshalb kommen für die Mahd nur ein paar Tage in Frage“, erklärt Naturschützer Georg Matthes. Mittlerweile übernehmen Firmen diese Arbeit. „Zum Beispiel arbeiten wir sehr gern mit der Firma Triebel aus Hugoldsdorf. Wir brauchen Leute, die mitdenken“, so Matthes und fügt an: „Mit den Forstämtern Schuenhagen und Poggendorf hat sich jetzt ebenfalls eine gute Zusammenarbeit entwickelt.“

Der 90-Jährige hat die Naturschutz-Gruppe einst mit aus der Taufe gehoben. „Mit zehn Mitgliedern haben wir als Naturschutzhelfer angefangen, sind 1990 dann eine Gruppe des Naturschutzbundes geworden“, so der gebürtige Berliner, den ein Lehrerstudium nach Vorpommern führte. Lieblingsfach Biologie. Seit 1960 ist er nicht nur eng mit Franzburg, sondern auch mit den Hellbergen verbunden.

„Er hat viele wichtige Biotope gesichert und sorgte auch dafür, dass das Kalkflachmoor ein Flächennatur-Denkmal wird“, sagt Jens Schramm und könnte noch stundenlang aufzählen. Der 50-Jährige hat 2014 von Georg Matthes den Vorsitz der Nabu-Truppe übernommen. „Heute haben wir neun Mitglieder – und jeder bringt sich nach Interessenlage ein. Aber uns fehlt der Nachwuchs“, bedauert der Gymnasiallehrer, der ebenfalls in Franzburg wohnt und seit 25 Jahren als Naturschützer aktiv ist.

Die Hellberge sind wegen vieler seltener Pflanzen bei den Naturfreunden eine Besonderheit. So entwickelt sich auf den Trockenhängen im Sommer die reinste Blütenpracht. Grasnelken, Rapunzeltrockenblume, Johanniskraut, Heide-Nelke, Thymian oder Golddistel können hier bewundert werden. Zudem sind sechs Orchideen-Arten in den Hellbergen zu finden. Botaniker konnten 144

Pflanzenarten finden – 43 davon stehen auf der Roten Liste.

Und die Pflanzenvielfalt zieht eine bunte Tierwelt nach sich, zum Beispiel bei den Schmetterlingen. Sind die Raupen doch auf bestimmte Pflanzenarten angewiesen. So leben allein die Hälte aller Tagfalterarten Mecklenburg-Vorpommerns in den Hellbergen, nämlich 44. Goldener Scheckenfalter , Violetter Feuerfalter oder Gelbwürfliger Dickkopffalter sind nur einige Beispiele. Aber auch Heuschrecken, Käfer und Hummeln sind in den Hellbergen artenreich vertreten.

Die OZ-Wandertipps

Mit dem Lehrpfad haben Neulinge eine gute Möglichkeit, die Hellberge zu erkunden. Die Nabu-Ortsgruppe Franzburg hatte sich lange dafür eingesetzt, den Wegverlauf und die Lehrtafeln entwickelt.

Schließlich konnte der Lehrpfad am 24. November 1994 eingeweiht werden. Auskunft gibt auch die neue Broschüre über die Hellberge, herausgegeben vom Landkreis.

4,5 Kilometer lang ist die kürzeste Wanderstrecke in den Hellbergen (obere rote Route). Man steigt ein am Franzburger Friedhof. Die Mönchsquelle ist dann die erste Station. Ihren Namen verdankt sie den Mönchen des Zisterzienserklosters Neuenkamp, das von 1233 bis 1525 bestand. Übrigens: Die heutige Kirche ist ein Teil der ehemaligen Klosteranlage.

Weiter geht es an einer Kiesgrube entlang. Werden Sandgruben nach dem Abbau offen gelassen, entwickeln sie sich zu artenreichen und interessanten Biotopen. In deren Steilwänden brüten die Uferschwalben. Bei sonnigem Wetter lassen sich Zauneidechsen entdecken.

Der Weg über die trockenen Hügel ist mit Pfählen markiert. Die Besucher werden gebeten, auf den Pfaden zu bleiben. Vor allem Flechten sind durch Tritte sonst gefährdet. Der Weg quert auch kleine Feuchtgebiete mit seltenen Pflanzen.

7,5 Kilometer lang ist die große Wanderroute (beide roten Wege). Dabei erschließt man im Anschluss an die Kurzstrecke noch den südlichen Teil rund ums Hügelgrab. Weitere Wandermöglichkeiten sind in Orange gekennzeichnet.

Ines Sommer

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