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„Ich bin der Kummerkasten für die Schüler“

Zarrendorf „Ich bin der Kummerkasten für die Schüler“

Frank Fiella ist Schulsozialarbeiter an der Hermann-Burmeister-Schule Stralsund. Vorher war er in Grimmen.

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Frank Fiella (49) ist Schulsozialarbeiter an der Hermann-Burmeister-Schule in Stralsund. Vorher war er am Grimmener Förderzentrum tätig. FOTO: REINHARD AMLER

Zarrendorf. . Frank Fiella ist Schulsozialarbeiter. Und das mit Leib und Seele. „Denn es gibt nichts Schöneres, als zu hören, dass sich zwei junge Menschen, die sich vorher stritten, wieder vertragen haben, erklärt er. Oder eine Lehrkraft kommt zu ihm und sagt, dass ein Schüler wieder motiviert zum Unterricht komme. „Das sind meine Glücksmomente“, sagt er. Ein Schulsozialarbeiter sei in erster Linie ein Vermittler, erklärt der 49-Jährige. Denn auch an den Schulen gebe es viele Konflikte, die Lehrer nicht immer lösen können, weil sie andere Aufgaben haben.

Achteinhalb Jahre war Frank Fiella an der Grimmener Förderschule tätig. Seit September arbeitet er nun an der Regionalen Schule „Hermann Burmeister“ in Stralsund. Das Angebot kam, weil die Stelle dort neu ausgeschrieben war. Der Lebensräume e.V. Zarrendorf, bei dem Fiella angestellt ist, gewann die Ausschreibung. Das passte für ihn. Denn Fiella wohnt nämlich in Niepars. „Für mich hat sich aber nicht nur die Fahrzeit verkürzt“, sagt er. Nach achteinhalb Jahren Arbeit am Grimmener Förderzentrum war Frank Fiella gerade auch auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

Mittlerweile habe er sich in allen Klassen vorstellen können und auch das Lehrerkollegium kennenlernen dürfen, sagt er. Nun gehe es darum, zu allen Beteiligten Vertrauen aufzubauen. Das sei schließlich das Fundament jedweder Schulsozialarbeit.

Fiella, der auch schon an einer Münchner Schule gearbeitet hat, hofft, dass seine neue Tätigkeit für ihn kein 100-Meter-Lauf wird, sondern ein Marathon, wie er es beschreibt. Denn er möchte auch an der Stralsunder Schule etwas schaffen, Spuren hinterlassen. Dazu brauche er aber Zeit, sagt er. Frank Fiella hofft, dass er sie bekommt. Denn Schulsozialarbeit sei leider alles andere als ein gesicherter Job. Sie wird, wenn man nicht gerade Angestellter einer Kommune ist, was die wenigsten sind, aus Fördertöpfen bezahlt, erklärt er. Und die müssen immer wieder neu gefüllt werden. Fiella hat allerdings das Glück, dass seine Planstelle über so genannte ESF-Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds mitfinanziert wird. So habe er zumindest bis 2020 eine gewisse Grundsicherheit.

An der Hermann-Burmeister-Schule ist Frank Fiella momentan dabei, ein Projekt auf den Weg zu bringen: Es heißt „3 K“: Kochen, Klettern, Kämpfen. 12 Mädchen und Jungen haben sich dafür angemeldet.

Fiella wertet das als Erfolg. Denn Interesse und Lust gehören schließlich dazu.

Beim „3K-Projekt“ geht es darum, das Selbstwertgefühl und die Selbstwahrnehmung bei den jungen Leuten zu stärken. Daran hapere es oft. Das ist eine der Erfahrungen, die Fiella aus seiner bisherigen Arbeit mitgenommen hat. Deshalb habe er auch das Kochen ins Programm aufgenommen, erklärt er. Natürlich steckt dahinter das Vermitteln von gesunder Ernährung. Die sei bei jungen Leuten nämlich auch nicht sonderlich ausgeprägt. Übers gemeinsame Kochen will er zeigen, dass es auch noch etwas anderes gibt als Burger und Pommes aus dem Fastfood-Restaurant. Und Fiella hofft natürlich, durch gute Ideen auch überzeugen zu können. Dabei mutet er seinen Jugendlichen auch schon einiges zu. Denn noch mindestens zehn Mal wollen sie sich vor Weihnachten treffen. Das Projekt läuft leider nur bis 31.

Dezember. Der Schulsozialarbeiter hofft, dass er es 2017 fortführen kann. Sicher sei das aber nicht.

Wenn Frank Fiella nicht gerade solche Projekte beantragt und betreut, ist er der Kummerkasten an der Schule. „Als Schulsozialarbeiter bin ich Ansprechpartner für alle Schüler, die Sorgen haben.“ Und das sind nicht wenige, meint er. Denn wie überall, gibt es auch an Schulen Stress. Untereinander. Manchmal erwachsen daraus auch Aggressionen, die oft auf dem Schulhof ausgetragen werden.

Der Zoff sei vielfältig. Ihn gäbe es mit Eltern, Lehrern, Freunden. Aber auch mit sich selbst. Das Schlimmste, was Frank Fiella bislang erlebt hat, war die Androhung eines Suizids. Zum Glück konnte der aber gemeinsam abgewehrt werden, sagt er. Drogen seien auch Thema. Denn die machen mittlerweile vor keiner Schule mehr Halt, fügt Fiella hinzu.

Und welche Unterschiede sieht er nun zwischen dem Förderzentrum Grimmen und der Regionalschule Stralsund? Vieles sei gleich, schätzt er ein. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit in Grimmen sei die Berufsfrühorientierung gewesen, denn Förderschüler hätten nunmal schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Da musste er mehr tun. Deshalb habe er auch viele Kontakte zu Partnern nach außen geknüpft.

Fiella ist aber davon überzeugt, sie auch für die Stralsunder Schüler nutzen zu können.

Der Lebensräume e.V.

Der Lebensräume e.V. Zarrendorf stellt an insgesamt zehn Schulen auf Rügen, in Nordvorpommern und in Stralsund die Schulsozialarbeiter.

Der Bedarf sei auf jeden Fall gestiegen, sagt Vereinsvorsitzender Tino Borchert.

In Grimmen ist der Zarrendorfer Verein auch Träger des KiJuPa, des Kinder- und Jugendparlamentes, das es seit 2011 gibt. Dort sind alle Schulsozialarbeiter erfasst. Das KiJuPa ist an fünf Grimmener Schulen aktiv.

Reinhard Amler

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