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Mähwerk frisst sich durch den Weizen

Devin/Lüssow Mähwerk frisst sich durch den Weizen

Landwirte haben Korn fast vier Wochen früher als sonst vom Feld / Erträge allerdings weit unter Durchschnitt

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55 Tonnen Weizen holt das Mähwerk des Lexion Claas 580 in einer Stunde vom Halm.

Quelle: Fotos: Ines Engelbrecht

Devin/Lüssow. Zügig frisst sich die 10,5 Meter breite Haspel des Lexion Claas 580 an diesem Nachmittag durch das Weizenfeld. 55 Tonnen schafft das Mähwerk in der Stunde. Durch den Korneinzugsschacht gelangen die Körner in die Dreschtrommel, ehe sie über eine Schnecke durch den Kornelevator gepustet werden und im 11 000 Liter fassenden Korntank des Fahrzeuges landen. Mit einer Geschwindigkeit von 130 Litern in der Minute fliegt das Korn dann durch das Entladerohr auf den Hänger. Der Halm bleibt kleingehäckselt auf dem Feld liegen.

OZ-Bild

Landwirte haben Korn fast vier Wochen früher als sonst vom Feld / Erträge allerdings weit unter Durchschnitt

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Wir waren zwar früh dran, aber dafür ist es die schlechteste Ernte, die unser Betrieb je eingefahren hat.“Hans-Walter Blunck (60), Landwirt

Mathias Zeitke, Juniorchef und Nachfolger von Landwirt Hans Blunck aus Lüssow, sitzt in der Kanzel des Erntefahrzeugs und holt die letzten 40 Hektar des B-Weizens vom Feld an der Deviner Höhe 23.

In der Kanzel des Mähdreschers sitzt sich’s angenehm. Sie ist ausgestattet mit Klimaanlage, Kühlschrank, Radio, Freisprechanlage, Bildschirmen zur Beobachtung des Erntevorgangs, einer Automatikanlage zur Optimierung der Druschqualität und vielem mehr.

Auf dem Monitor zeigt der 33-Jährige die Ernteleistung in diesem Jahr. Drei Ernten mit einem Volumen von 1770 Hektar sind bisher eingebracht. Dafür hat der Mähdrescher 2438 Kilometer auf den Ackerflächen zurückgelegt und 1322 Kilometer auf Straßen. Auf dem Acker verlässt sich der Landwirt auf den Laserpiloten. Der erkennt die Erntegutkante und schafft somit Effektivität während der Mahd.

Immer wieder zeigen sich derzeit kahle Stellen im Kornfeld, das großflächig schwärzlich aussieht. „Die dunkle Färbung rührt vom Schwarzpilz her. Der konnte sich durch die ungünstige Wetterlage bilden. Im Winter haben Kahlfröste die Pflanzen geschädigt. Im Frühjahr hatten wir sechs Wochen lang keinen Regen, und das war ebenfalls schlecht für die Pflanzen“, so Landwirt Zeitke.

Anfang Juli begannen die Lüssower mit der Gerstenmahd. 110 Hektar wurden eingebracht, bevor Mitte Juli 150 Hektar Raps an die Reihe kamen. Im Oktober ist dann der Mais erntereif.

„Am 7. August haben wir in Devin mit dem Weizen begonnen. Insgesamt standen hier an der Wasserkante etwa 110 Hektar. In den letzten Tagen hat uns allerdings der Regen des Öfteren zu Pausen gezwungen“, erzählt der junge Landwirt.

An diesem Spätnachmittag begann der Drusch bei einer Kornfeuchte von 16,5 Prozent. „Wir können bei maximal 18 Prozent Feuchtigkeit mähen. Höher nicht – sonst sind die Trocknungskosten zu hoch“, erklärt Mathias Zeitke. In der Trocknungsanlage auf dem Betriebsgelände in Lüssow wird das Korn auf eine Feuchte von 14 Prozent heruntergetrocknet und eingelagert. Diese Sorte zählt zum B-Weizen und wurde extra angebaut. Im Gegensatz zum A-Weizen ist die B-Ware nicht zur menschlichen Ernährung, sondern nur zu Futterzwecken geeignet.

Immer schmaler wird das Weizenstück. Nun hat auch noch ein Regenschauer eingesetzt. Über Funk verständigt sich der Mähdrescherfahrer mit seinen Kollegen in den Traktoren.

Roland und Steffen Neudert haben jeweils zwei Anhänger HW 80 angehängt. Acht Tonnen Korn fasst so ein Hänger. Zum Glück verzieht sich der Regen schnell, und die Landwirte legen wieder los. Das Korn muss noch an diesem Abend herunter vom Halm.

Gleich nach dem Abernten des Weizenfeldes wird der Acker gegrubbert. Das Ausfallgetreide bekommt damit Bodenschluss, keimt und läuft auf. Danach wird es als Dünger untergepflügt, da die Gerste als Nachfolgekultur und Tiefwurzler lockeren Boden mag.

Immer wieder bewegt sich etwas im Kornfeld. „Das könnte vielleicht ein junges Reh sein. Das wäre aber mächtig klein für diese Jahreszeit“, meint der junge Familienvater. Am Ende der Weizenmahd suchen aus den letzten Quadratmetern des Ackers noch drei Jungfüchse das Weite.

„Das ist das früheste Ernteende, das ich miterlebt habe. Sonst ist eigentlich Anfang September Ernteschluss“, meint der Juniorchef. Seniorchef Hans Blunck fügt an: „Und das ist die schlechteste Ernte, die ich hier je hatte. Anderen Landwirten geht es ähnlich wie uns. Dadurch fahren wir finanzielle Einbußen von 40 bis 50 Prozent ein“. Er wartete am Feldrand auf seine fünf Mitarbeiter zum Feierabendgespräch.

Ines Engelbrecht

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