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Mit Ring und Rucksack um die halbe Welt

Groß Mohrdorf Mit Ring und Rucksack um die halbe Welt

Kranich-Informationszentrum feiert 25-jähriges Bestehen / Werden die Glücksvögel bald seltener?

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Lena Müller zeigt der kleinen Lotta Schwarzer das Präparat eines Kronenkranichs. Fotos (3): Susanne Retzlaff

Groß Mohrdorf. /Günz. Ja, wo fliegen sie denn? Im Augenblick gar nicht, stellen Anke und Herma Tempelmann, Ulla Wagemann und Kerstin Baumann mit einem Blick durch das Spektiv fest. Sie weiden nämlich, die derzeit rund 1000 Graukraniche am Günzer See. Das Damen-Kleeblatt aus Berlin und der weiteren Umgebung Bremens nutzte den gemeinsamen Rügenurlaub für einen Abstecher ins Kranorama.

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Kranich-Informationszentrum feiert 25-jähriges Bestehen / Werden die Glücksvögel bald seltener?

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Da sind ganz viele und mittendrin noch ein anderes Tier, ein Reh! Da entdecken sie etwas, was für die 35000 anderen Kraniche, von denen sie gelesen hatten und die gerade nicht da waren, entschädigt. Im Durchschnitt begrüßt Rudolf Bernhagen, einer der ehrenamtlichen Ranger täglich 150 bis 200 Gäste im Kranorama. „Heute waren es schon 111 und kein Ende in Sicht“, sagte er am Sonntagmittag und freut sich über das Interesse der Besucher.

Vier seiner weiblichen Besucher bekommen langsam Appetit und schlendern auf den Parkplatz Richtung Kutsche hinter dem Traktor, dem „Shuttle“ nach Groß Mohrdorf. Dort treffen sich im Kranich-Informationszentrum (KIZ) auch die Gäste zum 25-jährigen Jubiläum der Einrichtung bei Kaffee und Kuchen zu Vorträgen, Gesprächen und Demonstrationen. Zu den Gratulanten gehört natürlich auch Kranichkenner Dr. Wolfgang Mewes, der mit Dr. Günter Nowald, dem jetzigen Leiter des KIZ und Geschäftsführer Kranichschutz Deutschland, die Ausstellung in Mohrdorf erarbeitet hat.

Häuten, entfetten, gerben, auf Hartschaumkörper ziehen, vernähen, kühl trocknen lassen, schließlich ein wenig schminken – Lena Müller und Martin Jost zeigen, wie man Vögel so präpariert, dass sie fast wieder lebendig wirken, und die kleine Lotta lernt den Schwarzen Kronenkranich kennen, einen afrikanischen Vetter unseres Grauen Kranichs, und dieser ist der größte europäische Vogel. „Da braucht man starke Drähte für die Beine, und die lassen sich schwer biegen“, erklärt Martin Jost eine Herausforderung, vor die der Glücksvogel den Präparatoren stellt. Und Fehler in der Haltung des großen Vogels fallen sofort auf.

Aber wo fliegen sie denn nun? In 500 bis 1000 Meter Höhe, wenn sie ziehen. Mit Hilfe der Daten von Ringen und Rucksacksendern, mit denen manche Kraniche ausgestattet sind, kann Thomas Heinicke in seinem Vortrag noch viel genauer werden. Von Schweden aus scheinen sie mehrheitlich Rügen anzupeilen, nach ihrer Rast geht es meist erst gen Osnabrück, am Ruhrgebiet vorbei, übers Saarland nach Frankreich, manche fliegen weiter bis Südspanien. Aber nicht alle: „Wölkchen“ hat gerade 26000 Datensätze aus Rom geschickt, verrät Nowald. „Wölkchen“ ist einer der Kraniche, der mit einem Rucksacksender ausgestattet ist und regelmäßig nicht nur Koordinaten per SMS nach Groß Mohrdorf funkt. „Auf diese Weise haben wir wohl auch eine neue Kranich-Unterart in der Türkei entdeckt“, erklärt Nowald erfreut, der Projekte in Deutschland, Europa, Asien und Afrika betreut. So sind Daten aus Mohrdorf auch Grundlage der Zonierung der Biosphärenreservate in Äthiopien, wo immerhin vier Kranicharten, auch der Graue, überwintern. In Deutschland liegen die Aufgaben vor allem in der Information der Touristen und im Biotopschutz, über den die Bemühungen um den Kranich auch vielen anderen Arten nützt.

Doch Nowald warnt: „Der Kranichtrend scheint positiv, aber in den letzten fünf Jahren gab es Einbrüche beim Reproduktionserfolg.“ Kraniche könnten also bald seltener werden. Nur noch eins von zehn Paaren habe Bruterfolg. Als Gründe vermutet er den Mangel an Brachflächen, die vielen „totgespritzten“ Felder, auf denen es nicht mehr genug Wirbellose als Nahrung für die Küken gibt und das veränderte Klima. Feuchtgebiete, in denen Kraniche brüten, trocknen im regenarmen Frühling aus und werden dadurch viel besser zugänglich für die Fressfeinde der Kraniche.

Besuchermagnet

Über 250000 Besucher wurden im Kranich-Informatonaszentrum (KIZ) seit seiner Eröffnung am 26. September 1996 gezählt. Neben zahlreichen Informations- und Schautafeln sind dort lebensechte Tierpräparate zu sehen: fünf Graukraniche, ein Skelett, je eine Saat- und eine Blessgans sowie Marderhund, Mink, Fuchs und Seeadler.

Jüngstes verwirklichtes Projekt ist das Kranorama bei Günz. Fünf festangestellte Mitarbeiter beschäftigt das KIZ, bietet zwei Einsatzstellen für den Bundesfreiwilligendienst und eine Stelle für ein freiwilliges ökologisches Jahr. Im Herbst zur Kranichsaison helfen Honorar-Ranger, fortgeschrittene Studenten oder ausgebildete Kräfte aus dem Bereich Umwelt/Biologie.

Als in dieser Saison, als die ersten Kraniche nach Günz kamen, wurde noch Mais ausgestreut, inzwischen sind über 1000 Vögel da, die bis jetzt etwa elf Tonnen Weizen bekommen haben, knapp die Hälfte ihrer Ration pro Saison. Staat und Kranichschutz finanzieren die Ablenkfütterung, Bauern führen sie aus. Je weniger Ernterückstände auf den Feldern bleiben, desto eher weichen die Vögel auf die Neusaat aus.

Über diese Ablenkfütterung können auch Besucherströme gelenkt werden.

Susanne Retzlaff

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