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Tonnenweise Hering angelandet

Barhöft Tonnenweise Hering angelandet

Für die Küstenfischer läuft die Fangsaison auf Hochtouren / Im Hafen Barhöft kommt der Fisch fangfrisch an Land und an die Kundschaft / Sorgen bereiten den Kutterbesatzungen die festgelegten Fangquoten

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Gemeinsam geht es schneller. Die Fischer im Barhöfter Hafen polken den Hering aus den Maschen des Fangnetzes. Dann geht‘s ab auf die Heringsrutsche bis in die Transportkisten.

Quelle: Fotos: Ines Engelbrecht

Barhöft. Ruhe liegt am frühen Morgen noch über dem Barhöfter Hafen. Ein paar Möwen segeln am kalten blauen Frühlingshimmel. Die Sonne schickt ihre ersten Strahlen durch die Schleierwolken. Silbern glänzen die Heringsleiber, die von Fischern aus den Maschen des Nylonnetzes gepolkt werden. Mit dem Netzholer wird der Fang aus dem Wasser befördert. Sind die Fische aus den Maschen befreit, geht es ab auf die Heringsrutsche — rein in die Tonne.

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Für die Küstenfischer läuft die Fangsaison auf Hochtouren / Im Hafen Barhöft kommt der Fisch fangfrisch an Land und an die Kundschaft / Sorgen bereiten den Kutterbesatzungen die festgelegten Fangquoten

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Frühmorgens um fünf Uhr hat Steffen Schnorrenberg die Leinen losgemacht. Um acht Uhr war er vom Fang wieder im Hafen zurück. Zwei Mann Besatzung und ein Praktikant vom Lehrschiff sind raus auf die drei Grad kalte Ostsee, den „Brotfisch“ der Fischer einholen. Bis Arkona und westlich von Hiddensee reicht ihr Fanggebiet. Die Heringsnetze mit 29er-Maschenweite haben eine Länge von fünf Metern und reichen bis in vier Meter Tiefe.

„Die Heringssaison begann dieses Jahr pünktlich am 14. Februar. Wir haben heute etwa 2,5 Tonnen eingeholt“, sagt Schnorrenberg, der solange auf Hering rausfahren will, bis die Quote ausgeschöpft ist. Die von der Europäischen Union festgesetzte Fangquote Heringe beträgt in diesem Jahr 18 Prozent mehr als 2015. Sie liegt in diesem Teil der Ostsee für deutsche Fischer bei insgesamt 14496 Tonnen.

Dafür wurde die Dorschquote um 20 Prozent gekürzt. Für Kleinbetriebe — wie den von Fischer Schnorrenberg — kann das existenzbedrohend sein. Andere Kutterbesatzungen haben längst aufgegeben.

Noch vor zehn Jahren lagen mehr Fischerboote an der Barhöfter Kaikante. Heute sind es zwei bis drei Fahrzeuge.

Steffen Schnorrenberg und seine Kollegen wünschen sich vernünftige Managementpläne für mehr Planungssicherheit. Von Jahr zu Jahr plagen sich die Küstenfischer mit ständig neuen Änderungen herum. Für Schnorrenberg heißt das: „Ich kann keine längerfristigen Investitionen vornehmen.“ Er denkt dabei vor allem an sein Arbeitsgerät. Der Kutter muss unterhalten werden. Material und Dienstleistungen sind teurer geworden. Für den Fischer stehen diese Kosten kaum noch in einem vernünftigen Verhältnis zu den Preisen, die er für seinen Fang erzielt.

„Wenn man uns den Dorsch noch weiter kürzt, was sollen wir dann noch fischen?“, fragt sich der 45-Jährige. „Man kann uns doch nicht mit den großen Fangschiffen vergleichen.“ Die Fangzeit für Dorsch wurde ebenfalls verändert. Sie dauert in diesem Jahr vom 14. Februar bis 31. März.

Doch die Fischer plagen weitere Sorgen. So sind die Bestände bei Hecht und Zander geschrumpft, seit der Salzgehalt der Ostsee durch frisches Nordseewasser gestiegen ist. Der wachsende Robbenbestand vor der Küste führt zu mehr Beschädigungen an den Fangnetzen, weil die Tiere den Fisch gleich aus den Netzen fressen.

Flink polkt Wolfgang Mandelkow den Hering durch die Netzmaschen. Der 47-Jährige ist der älteste Mitarbeiter an der Heringsrutsche. Der jüngste ist Mike Argast. Der 22-jährige Praktikant ist extra aus dem Schwarzwald an die Ostseeküste umgezogen, um den Fischerberuf zu erlernen. Fisch essen hier alle gern.

Bei der morgendlichen Kühle freuen sich alle auf eine Tasse heißen Tee. Den kocht Marlies Kolke. Sie betreut die Fischer ehrenamtlich seit über sieben Jahren, wenn sie zur Fangsaison in Barhöft anlegen. Dann gibt‘s auch ein frisch gekochtes Mittagessen. Die Barhöfterin bekommt dafür keinen Lohn. Sie habe vielmehr Freude daran, die Fischer zu unterstützen, sagt sie.

Steve Petzold stellt die nächste Kiste auf die Waage. 20 Kilo Fisch fasst so ein Behältnis. Grün, orange, blau und gelb leuchten die Kunststoffkisten mit dem farbigen Ölzeug der Fischer in der Sonne um die Wette. Nicht nur für Marlies Kolke wäre es schade, wenn dieses Bild eines Tages aus den kleinen Ostseehäfen verschwunden wäre.

Fische und Quoten

14 496 Tonnen Hering dürfen deutsche Küstenfischer in diesem Teil der Ostsee nach der EU-Fangquote 2016 aus dem Wasser ziehen. Das sind 18 Prozent mehr als im letzten Jahr.

20 Prozent weniger Dorsch dürfen hingegen in diesem Jahr gefangen werden. Das sind 2715 Tonnen im westlichen Teil der Ostsee und 3760 im östlichen Teil. Ein weiterer Einschnitt ist die Verlängerung des Fangverbotes für Dorsch auf sechs Wochen.

Außer sonntags sind die Fischer derzeit täglich im Hafen Barhöft anzutreffen, wo sie ihren Fisch fangfrisch vom Kutter verkaufen.

Von Ines Engelbrecht

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