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Velgaster kämpfen für ihre Bahnlinie

Velgaster kämpfen für ihre Bahnlinie

150 Leute zeigen auf dem Bahnhof Flagge für Zugverbindung nach Barth und Stralsund

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Montagabend waren viele zum Bahnhof nach Velgast gekommen: Mit einer Mahnwache wollten die Velgaster ähnlich wie die Barther ein Zeichen setzen für den Erhalt „ihrer Bahnstrecke“.

Quelle: Fotos: Ines Sommer

Velgast/Barth. Es wimmelt nur so vor Ansteckern, Handzetteln und Plakaten. „Keine Bahn ist keine Lösung“ heißt das Motto, das einem am Montagabend während einer Mahnwache auf dem Velgaster Bahnhof hundertfach entgegenweht. Das Dorf macht mobil, zeigt geschlossen Flagge gegen die geplante Stilllegung der Strecke von Velgast nach Barth zum 31. Dezember 2017, dann nämlich läuft der Vertrag mit der Usedomer Bäderbahn aus – eine neue Ausschreibung hat es bisher noch nicht gegeben.

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150 Leute zeigen auf dem Bahnhof Flagge für Zugverbindung nach Barth und Stralsund

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150 Leute haben sich unter dem Velgast-Schild auf Gleis 1 versammelt. Unter ihnen Schornsteinfeger Günter Lentz. „Ich fahre nicht oft Bahn, weil ich ja für die Kunden alles am Mann haben muss. Aber meine Frau und meine Enkel nutzen den Zug, deshalb bin ich heute hier“, so der 64-Jährige. Ehefrau Doris (64) ergänzt: „Ich nehme viel den Zug, zumal ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Auto fahren darf. Mal geht’s nach Stralsund, mal nach Barth, vor allem zu den Fachärzten. Für mich ist die Bahnverbindung wichtig, um von A nach B zu kommen.“ Das kann Ingelore Ferse nur bestätigen. „Ich nutze auch viel den IC, um meine Kinder zu besuchen. Wollen wir doch mal ehrlich sein, wenn die UBB hier nicht mehr nach Barth fährt, entfällt auch der IC-Halt“, befürchtet die 66-Jährige.

Thomas Molkentin, Bürgermeister von Tribsees (CDU), hat gleich zwei Gründe, im strömenden Regen auf dem Bahnhof zu stehen. „Erstens bin ich als Vertreter des Fachgymnasiums hier, weil ich weiß, dass unsere Barther Schüler mit der UBB nach Velgast kommen. Andererseits schlägt in meiner Brust das Herz eines Tribseesers, der schmerzlich miterleben musste, wie es ist, vom Bahnnetz abgeschnitten zu werden. Unsere Einwohner bedauern sehr, dass es keinen Bahnanschluss mehr gibt. Velgast sollte das bei sich nicht zulassen und kämpfen“, so der 52-Jährige.

Und die Kampfansage kommt prompt – unter anderem von Bürgermeister Christian Griwahn (CDU). „Die Gemeindevertretung hat mich beauftragt, einen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes zu schreiben“, sagt er und zitiert: „25 Züge der UBB halten hier täglich. Wenn die gestrichen werden, fallen für uns zwei Drittel der Züge weg, sicher auch die fünf IC-Verbindungen.“ Der ländliche Raum leide unter dem demografischen Wandel, gerade die Bürger auf dem Lande setzen auf die Bahn, so Griwahn und fordert Erwin Sellering (SPD) auf: „Mit der Bahn von Stralsund über Velgast nach Barth und weiter bis zum Zingster Strand – zeigen Sie Mut. Folgen Sie bitte den UBB-Visionären, seien Sie der Lokführer für die Darßbahn.“ Tosender Applaus auf dem Bahnsteig, während gerade ein IC zur Weiterfahrt nach Stralsund hält.

Rückendeckung bekommt der Bürgermeister dabei nicht nur vom Parteigenossen Andreas Kuhn, Zingster Bürgermeister, sondern auch von einer Abordnung der Jungen Union des Kreises Vorpommern-Rügen.

Verstärkung gibt es an diesem Abend ebenso von den Barthern, die schon seit zwei Wochen Mahnwachen durchführen, um möglichst viele gegen die geplante Ausdünnung des Bahn-Streckennetzes zu mobilisieren. Cathrin Kilian aus Barth ist ein Gesicht der Initiative „Keine Bahn ist keine Lösung“, die bereits auf Facebook und Youtube mächtig trommelt. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern ist die 51-Jährige – natürlich per UBB – nach Velgast gekommen. Nicht ohne ihre Gitarre. Und so wird die Müller-Grählert-Hymne „Wo die Ostseewellen trecken...“ mal fix umgedichtet. „Stur und stolz, wie wir Pommern nun mal sind, standen wir jeden Montag im Abendwind, taten kund die Lösung, unser heiß Begehr: Uns’ Barther Bahn soll bleiben und fahren bis ans Meer...“

Bürger machen mobil

4 Arbeitsgruppen hat die Bürgerinitiative „Keine Bahn ist keine Lösung“. Für die Bereiche Werbung, politische Kommunikation, Videogruppe und Aktionen haben sich viele Interessenten gefunden. Man trifft sich zwar in Barth, hat aber Mitstreiter in der gesamten Region von Stralsund über Velgast bis Barth, Zingst und Prerow.

Am 5. Mai startet die nächste Aktion, dann geht es zum Bürgerforum nach Grimmen. Um 16 Uhr will man dort Verkehrsminister Pegel (SPD) auf die Probleme aufmerksam machen. Am Vormittag gibt es einen stillen Protest der Bürgerinitiative am Flughafen in Barth.

Täglich berichtet die Bürgerinitiative auf Facebook und Youtube über die Aktivitäten in der Region.

25 Züge der Usedomer Bäderbahn halten im Moment täglich in Velgast, hinzu kommen fünf Intercity. Der Wegfall droht Ende 2017.

Velgast wurde als Verkehrsknotenpunkt in den 90er-Jahren gut ausgebaut, und zwar bis Barth. Außerdem bekam Velgast 1998 das erste elektronisch gesteuerte Stellwerk.

Ines Sommer

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