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Vom Dorf in die Stadt – per Bus eine Weltreise

Altenpleen Vom Dorf in die Stadt – per Bus eine Weltreise

Brigitte und Alfred Döge aus Altenpleen ärgern sich über neue Streckenführung – Verkehrsbetriebe Vorpommern-Rügen verteidigen Zusammenlegung von fast parallelen Linien

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„Wir Alten werden total vergessen, bald können wir die Dörfer ganz zuschließen.Alfred Döge (81) Altenpleener, der regelmäßig nach Stralsund zum Arzt fahren muss

Altenpleen. Der Frust auf dem platten Land ist groß. „Wenn das so weiter geht, können sie Altenpleen bald zuschließen“, sagt Alfred Döge und zählt auf: „Die Sparkasse hat dicht gemacht, zum Facharzt müssen wir eh schon nach Stralsund, und jetzt streichen sie auch noch Busse, die seit 60 Jahren so gefahren sind.“ Der 81-Jährige versteht die Welt nicht mehr, seitdem er kürzlich per Bus von Altenpleen nach Stralsund fahren wollte...

„Ich wollte wie immer um 7.50 Uhr von Altenpleen bis zum Zentralfriedhof fahren und dann zum Ärztehaus an der Schwedenschanze durchgehen. Mal abgesehen davon, dass der Bus in Altenpleen als Linie 305 abfährt und in Stralsund als Linie 8 ankommt, hab ich mich geärgert, dass ich plötzlich in Grünhufe landete. Da wollte ich gar nicht hin“, sagt der Altenpleener.

Zum Glück war der Busfahrer so nett und klärte den völlig irritierten Fahrgast auf, dass er künftig in Grünhufe in die Stadtlinien einsteigen kann, um an sein gewünschtes Ziel zu kommen. „Aber das ist doch unglaublich. Ich fahr erst nach Grünhufe zum Lindencenter, um dann wieder zum Friedhof zurückzufahren.“ Und das Paradoxe: „Zurück kann ich komischerweise am Zentral-Friedhof einsteigen, da fährt die Linie 305 nach Buschenhagen. Das begreift doch kein normaler Mensch.“ Die Alten auf dem Land seien auf den Bus angewiesen, schimpft der Rentner, der sein Geld einst als Maurer verdiente.

„Wir haben uns extra unsere Ärzte in Knieper West und Knieper Nord gesucht, weil man da super hinkam“, schimpft der Mann, der 1945 als Flüchtling nach Altenpleen kam.

Und mit diesem Frust steht Alfred Döge nicht alleine da, weiß der Altenpleener Bürgermeister Rainer Behrndt (parteilos). „Viele ältere Leute aus unserer Gemeinde fahren regelmäßig zum Friedhof.

Andere haben sich extra ihren Arzt an der Schwedenschanze in Stralsund gesucht, weil dieses Ärztehaus dort gut zu erreichen war, jedenfalls in den letzten Jahren.“ Offensichtlich sei die neue Linienführung nicht ausreichend bekannt gemacht worden, kritisiert Rainer Behrndt. „Und das führte in dem Fall von Herrn Döge dazu, dass der 81-Jährige von Kedingshagen an der Ortsumgehung zu seinem Arzttermin an der Schwedenschanze zu Fuß ging, das sind über vier Kilometer.“

Die Gratwanderung zwischen der tatsächlichen Nutzung von Bussen, den Betriebskosten und den Wünschen der Fahrgäste sei ihm bekannt. „Das sollte meiner Meinung nach jedoch nicht dazu führen, dass traditionell genutzte Linienführungen über Nacht abgeschafft werden.“ Die Verkehrsbetriebe Vorpommern-Rügen bestätigen, dass die Linie 305 nur auf dem Rückweg, also vom Stralsunder Busbahnhof bis Buschenhagen als eine Linie durchfahre und wie gewohnt die Haltestellen am Knieperdamm, in der Prohner Straße und am Friedhof bediene, um über Schmedshagen und Altenpleen bis Buschenhagen zu fahren.

„Mit dem Winterfahrplan wurde die Linienführung geändert, um eine doppelte Bedienung durch die Linien 8 und 305 zu vermeiden. Der Bus der Linie 305 um 7.50 Uhr ab Altenpleen wird ab Schmedshagen Dorf auf die Linie 8 umgesetzt, sprich: Der Bus fährt als Linie 8 weiter. Mit der Linie 8 können die Fahrgäste bis Grünhufe fahren, dort in die Linie 4 umsteigen und zum Krankenhaus Sund oder weiter zum Ärztehaus Schwedenschanze fahren“, erklärt Michael Lang, Marketing-Chef der Verkehrsbetriebe, die Entscheidung und ergänzt: „Bis zum Winterfahrplan hatten wir zwei Linien, die 8 und die 305, die parallel fuhren. Das waren dann wirklich zwei Busse, die fast hintereinander fuhren, und das nur mit wenig Fahrgästen. Das ist wirtschaftlich nicht vertretbar“, sagt Michael Lang auf OZ-Nachfrage.

Familie Döge und viele andere Ältere müssen sich wohl daran gewöhnen, über Grünhufe zum Zentral-Friedhof zu kommen. „Einen zusätzlichen Fahrschein müssen wir nicht lösen, hat uns der Busfahrer erklärt. Das wäre ja auch noch schöner. Schließlich wurde der Fahrpreis schon erhöht“, berichtet Brigitte Döge. Die 77-Jährige, die einst in der Altenpleener Schulküche arbeitete, rechnet vor:

„Früher haben wir 4,10 Euro bezahlt, jetzt sind es 5,40.“ Sie hofft wie ihr Mann, dass die Verkehrsbetriebe noch mal mit sich reden lassen...

Ines Sommer

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