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Weltmeister präpariert Tiere für Franzburger Sammler

Franzburg Weltmeister präpariert Tiere für Franzburger Sammler

Der frühere Umwelt-Preisträger Karl-Heinz Grießbach hat in seinem „Schwalbennest“ knapp 800 Stücke ausgestellt, die seit 2002 rund 48000 Naturfreunde sehen wollten

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Franzburg. Schmetterlinge, Käfer, Vögel und heimische Wildtiere – über 850 Funde aus der Natur Vorpommerns zeigt Karl-Heinz Grießbach in seiner Ausstellung.

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Der frühere Umwelt-Preisträger Karl-Heinz Grießbach hat in seinem „Schwalbennest“ knapp 800 Stücke ausgestellt, die seit 2002 rund 48000 Naturfreunde sehen wollten

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Und all dies hat der Franzburger in seinem Haus in der Wurthstraße untergebracht. Jedes Jahr kommen neue Stücke dazu. Und deshalb lohnt sich ein Besuch auch immer wieder.

Allerdings sollte man für eine Grießbach-Führung ein bisschen Zeit einplanen. Bleibt er an einem Schaukasten stehen, sprudeln die Informationen nur so aus ihm heraus. Fast um jedes seiner Stücke ranken sich Geschichten. Meistens wirft er dem Betrachter auch mal den Ball zu – und oft hat man dann ein schlechtes Gewissen, entlarvt der Mann doch gnadenlos Wissenslücken. Wussten Sie zum Beispiel, warum es bei uns immer mehr braune Schnecken gibt? „Es gibt 18 Arten von Nacktschnecken, zwölf sind bei uns zu Hause. Sechs, und das sind die dunklen, kamen in den letzten Jahren dazu. Sie wurden mit spanischem Gemüse zu uns gebracht und leben seitdem hier“, erklärt Grießbach.

Der Sammler ist stolz darauf, dass Dirk Opalka aus Fuhlendorf die Tiere präpariert. „Der Mann ist Weltmeister, der einzige in Europa“, sagt Grießbach und zeigt auf die Urkunde aus dem Jahr 2008. Auch Präparator Thomas Labahn, Jugendmeister auf dem Gebiet dieser Kunst, hat seine Handschrift in Franzburg hinterlassen.

Karl-Heinz Grießbach zeigt die heimischen Mäuse. „Nur die Waldmaus fehlt mir noch, die hab ich eben noch nicht gefangen“, sagt der 73-Jährige. Dabei hatte er sich sogar mit Erdnussbutter auf die Lauer gelegt. Bisher immer vergeblich. Dafür nimmt er gleich nebenan ein Fell in die Hand. „Das ist natürlich nicht getragen. Es stammt aus einer Nerzfarm in der Gemeinde Velgast. Die Tiere wurden da gezüchtet, um Felle für den Export zu haben. 90 wurde die zugemacht, da haben sie die Tiere alle rausgelassen.“ Wir hören das zum ersten Mal und sind überrascht, wie der Franzburger Oldie doch immer wieder mit Details verblüffen kann...

1999 hat der Naturfreund seine Sammelleidenschaft öffentlich gemacht – mit der ersten mobilen Ausstellung. Für manche ist Karl-Heinz Grießbach auch der Schwalbenvater. Der Schutz dieser Vögel liegt ihm am Herzen. Deshalb startet er jedes Jahr – mittlerweile schon zum 19. Mal – den kleinen Wettbewerb „Wer sieht die erste Schwalbe?“. Und er hat seine heimische Ausstellung, die er seit 2002 öffentlich zeigt, ins „Schwalbenhaus“ verwandelt.

Für sein Engagement bekam der Mann, der für manchen ein unbequemer Zeitgenosse ist, 1999 den Umweltpreis des Landes. 2011 wurde er mit einer Anerkennungsurkunde geehrt. Ob Insektentafel, Käfer-Schaukasten oder kleine Pilz-Zusammenstellung aus dem heimischen Wald – Karl-Heinz Grießbach marschiert damit in Kindergärten und Schulen. Das erste Mal war er 1999 in Tribsees. „Die hatten keine Präparate für den Unterricht, da habe ich den Schülern Schwalben gezeigt. Ich wollte, dass die Kinder unsere heimischen Tiere besser kennenlernen. Das passt doch super bei den Kleinen in den Sachkundeunterricht.“ Doch das Interesse hat im Laufe der Jahre nachgelassen. „Ich dränge mich da jetzt nicht mehr auf“, sagt er – sichtlich enttäuscht.

Im Raum nebenan leuchten Grießbachs Augen umso mehr. Hier steht seine nächste Leidenschaft in Vitrinen: Er führt durch die Sammlung von Steinen, die er selbst gefunden hat. „Das ist ein Sandstein mit Röhren. Diese stammen von Spülwürmen. Der Stein ist 560 Millionen Jahre alt. Und ein Beweis für das erste Leben in der Region“, berichtet der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger stolz.

Auch wenn den Mann 1970 eine Arbeitskraft-Kampagne ins Faserplattenwerk Ribnitz führte – ein bisschen schimmert der erzgebirgische Dialekt noch durch. Der gelernte Möbeltischlermeister arbeitete einst als Bauglaser. Die Natur blieb bis heute sein Hobby. Und der Senior, der einst auch in der Franzburger Stadtvertretung saß, betont zum Abschluss: „Ich bin kein Naturschützer. Einiges, was die machen, gefällt mir nicht. Ich informiere einfach über das, was in unserer Natur in Vorpommern zu finden ist. Was die Leute aus dieser Information machen, ist ihre Sache.“

Das ist zu bestaunen

140 Vogelarten von 200 in Vorpommern heimischen werden in der Ausstellung gezeigt.

347 Insektenarten sind in der Schau des Franzburgers zu sehen. Außerdem hat er Exponate von 43 der 53 vorpommerschen Säugetiere zusammengetragen.

Karl-Heinz Grießbach hat viele seiner Exponate selbst gesammelt. Sie werden dann entsprechend präpariert oder plastiniert. Andere Stücke seiner Ausstellung sind plastische Nachbildungen. Insgesamt sind 783 Stücke zu bestaunen.

48 095 Leute, darunter viele Kinder in Kitas und Schulen, haben die 2002 eröffnete Ausstellung, die mit dem Initiator auch auf Reisen geht, gesehen.

Ines Sommer

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