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Zuviel Rotwild in Nordvorpommern?

Schuenhagen Zuviel Rotwild in Nordvorpommern?

Eine Ausstellung auf dem Hof des Forstamtes in Schuenhagen sucht Antworten auf diese Frage – mit Informationen, aber auch mit Blick auf das Konfliktpotenzial und dazugehörigen Lösungsvorschlägen

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Die Ausstellung im Forstamt Schuenhagen ist bis 24. Juni geöffnet.

Schuenhagen. Dem Rotwild – größte heimische Säugetierart – geht es gut in Nordvorpommern. Allein zwischen Eixen, Tribsees, Stralsund und Altenpleen (Gebiet der Hegegemeinschaft Schuenhagen) gibt es 500 Rothirsche. Ein Gutachten schlägt die Reduzierung auf 350 vor. Die Jäger sind dagegen...

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Eine Ausstellung auf dem Hof des Forstamtes in Schuenhagen sucht Antworten auf diese Frage – mit Informationen, aber auch mit Blick auf das Konfliktpotenzial und dazugehörigen Lösungsvorschlägen

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Genau hier hakt die neue Ausstellung auf dem Hof des Forstamtes Schuenhagen ein. Da geht es zuerst um Informationen zur heimischen Säugetierart. „Für viele ist Hirschgulasch die einzige Verbindung zum Thema Rotwild. Nur noch wenigen ist ein Brunftruf bekannt. Deshalb ist es unser erstes Anliegen, mit dieser Ausstellung Wissen zu vermitteln“, sagt Forstamtsleiter Andreas Baumgart. Bewusst soll das Rotwild in die Nordvorpommersche Waldlandschaft eingeordnet werden – genau wie zum Beispiel der seltene Schreiadler.

„Der Schreiadler ist gefährdet, nur ein Junges kommt pro Jahr durch, wenn überhaupt“, sagt Baumgart und macht klar: „Dagegen vermehren sich Hirsche schnell und zahlreich. Würden wir sie nicht bejagen, würden die 500 aus diesem Jahr bereits 2017 anwachsen auf 700. Wir brauchen also keine Angst haben, dass der Rothirsch bei uns mal auf der Roten Liste steht.“ Deshalb sei es so wichtig, darauf zu achten, dass die Bestände nicht uferlos anwachsen. „Denn jeder, der mit dem Wald zu tun hat, ob Waldbesitzer, Förster oder Jäger, weiß, dass die Schäden durch Rothirsche nicht von der Hand zu weisen sind“, so Forst-Chef Baumgart.

Forstleute sprechen von Schälschäden durch die Tiere. Von 100 jungen Bäumen wurden zwischen 1994 und 2014 jedes Jahr im Schnitt fünf neu geschält und damit beschädigt, zwei von Hundert wären normal.

Kein anderes Forstamt in Mecklenburg-Vorpommern hatte 2010 so hohe Schäden wie Schuenhagen, betont Andreas Baumgart beim Rundgang durch die Ausstellung.

Deshalb wurde vor Jahren der so genannte Abschussplan erhöht: Die Jäger durften mehr Tiere schießen. Mittlerweile habe sich der Bestand verkleinert, also wurde der Plan für 2016 von 230 auf 160 nach unten korrigiert. „Das stieß nicht bei allen Jägern auf Verständnis“, umschreibt Andreas Baumgart den Konflikt zwischen Forstamt und Jägern. Um Wildschäden zu minimieren, sollte man nicht nur auf die Jagd setzen: Der Forstamtsleiter spricht eine zweite Möglichkeit an, die sich ebenfalls in der Ausstellung wiederfindet. „Das Rotwild braucht mehr Ruhezonen. Wir haben seit 2007, zum Beispiel im Endinger Bruch, 150 Hektar mit großer Einstandsfläche und bewirtschafteten Wildwiesen dafür eingerichtet. Dort darf ganzjährig nicht gejagt werden. In diesem Jahr kommen noch mal 120 Hektar jagdberuhigte Zone dazu. Zweite Maßnahme wäre in den Kernbereichen die Verkürzung der Jagdzeit. Mitte Juni bis Ende Juli darf nichts geschossen werden.“ Auch im Winter bräuchte das Wild einen Raum für Ruhepausen. Müssten die Tiere fliehen, würden sie durch diese Stresssituation zuviel Energie verbrauchen. Auch das würde zu Schäden führen, so der Forstamtsleiter. Und schließlich plädiert die Forst für Äsungsstreifen, die in den nächsten beiden Jahren eingerichtet werden sollen.

„All diese Maßnahmen dienen dazu, den Lebensraum für das Rotwild zu schützen. Ziel sollte es aber auch sein, diese Art bei uns erlebbar zu machen. Wir wollen ein entspanntes Miteinander von Mensch und Rotwild“, sagt Andreas Baumgart. Der 52-Jährige, der seit 2005 in Schuenhagen die Fäden in der Hand hält, setzt dabei auch darauf, den Konflikt mit den Jägern entschärfen zu können.

Wald in Nordvorpommern

Mit dem Rotwild startet eine Serie von Ausstellungen in Schuenhagen. Dabei stehen die Tiere in der Nordvorpommerschen Waldlandschaft im Mittelpunkt.

Die Schau in Schuenhagen ist bis zum 24. Juni Montag bis Freitag von 9 bis 15.30 Uhr geöffnet. „Wir würden uns freuen, wenn auch Schulklassen davon Gebrauch machen.

Gern führen wir duch die Ausstellung“, sagt Forstamtsleiter Andreas Baumgart. Dafür könne man gern gesonderte Termine vereinbaren.

20000 Hektar Wald be treut das Forstamt Schuenhagen. 6400 Hektar davon sind Landesforst.

Die Nordvorpommersche Waldlandschaft ist ein Schutzprojekt, das in das Bundesmodellprojekt „Chance.Natur“ eingebunden ist. Deshalb ist die aktuelle Ausstellung der deutschen Wildtierstiftung in Schuenhagen vom Land gefördert worden , präsentiert wird die Schau gemeinsam von Landesforst und Landkreis.

7 Reviere zählt das Forstamt Schuenhagen. Es erstreckt sich von Barhöft bis Eixen, von Abtshagen bis nach Fuhlendorf, und das auf einer Fläche von 113000 Hektar. Das Forstamt hat insgesamt 27 Mitarbeiter .

Ines Sommer

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