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Stralsund Zwischen Unsicherheit und Neuanfang
Vorpommern Stralsund Zwischen Unsicherheit und Neuanfang
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00:00 06.03.2013
Pfarrer Christoph Lehnert hofft auf eine sozialvertr�gliche L�sung f�r alle Werftarbeiter. Quelle: Elena Vogt
Stralsund

Auf etwa 750 Zetteln haben Stralsunder bisher ihre Gedanken formuliert und an einer Klagemauer befestigt.

„Ich habe 45 Jahre auf der Volkswerft gearbeitet“, sagte Hans-Georg Daecke. „Die Insolvenz war für mich wie ein Schlag ins Gesicht“, so der 59-Jährige. Wenige Jahre vor der Rente hatte er auf einmal keine Arbeit mehr. Mit ehemaligen Kollegen besuchte Daecke das Friedensgebet. „Meine größte Hoffnung ist, dass es mit der Werft weitergeht.“

1750 Menschen arbeiteten auf den P+S Werften in Stralsund und Wolgast, als im August 2012 Insolvenz angemeldet wurde. Während die Bremer Lürssen-Gruppe zum 1. Mai die Peene-Werft in Wolgast übernimmt, ist für die Volkswerft in Stralsund noch kein Käufer gefunden worden. Seit dem 21. Januar sind in Stralsund etwa 300 Schiffbauer und 200 Mitarbeiter aus Verwaltung und Konstruktion wieder beschäftigt, einst waren es 1260 Arbeitnehmer. Für den Bau von zwei Transportschiffen der dänischen Reederei DFDS ist eigens die Stralsunder Schiffbaugesellschaft (SSG) gegründet worden.

Viele Werftarbeiter beziehen seit dem 1. November 2012 Transferkurzarbeitergeld, also 67 Prozent des damaligen Bruttolohns plus einer neunprozentigen Aufstockung. Ende April endet für diese Männer und Frauen die finanzielle Leistung. Was ist dann? „Jetzt geht es darum, dass der Zeitraum für das Transferkurzarbeitergeld verlängert wird“, sagte Betriebsratsmitglied Manfred Mielke. „Eine Verlängerungsmöglichkeit wird zurzeit noch geprüft“, erklärte eine Sprecherin der Werft gegenüber der OZ. Die Transfergesellschaft besteht noch bis zum 31. Oktober 2013. Mielke rechnet nicht damit, dass bis dahin noch ein Investor gefunden werden kann.

„Wir befinden uns in einer fragilen Situation“, sagt Christoph Lehnert, Pfarrer der Marienkirche. Viele Betroffene leben nach wie vor in Unsicherheit. Für manche bedeute die veränderte Arbeitslage aber auch ein Neuanfang.

„Seit Generationen arbeiten Männer meiner Familie auf der Werft. Lasse es so weiter gehen“, ist auf einem Zettel geschrieben, der an der so genannten Klagemauer in der Marienkirche befestigt wurde.

Hunderte Stralsunder haben im vergangenen halben Jahr ihre Sorgen und Hoffnungen notiert. „Etwa 600 Stück mussten wir schon abnehmen“, sagt Pfarrer Lehnert. Der Platz habe nicht mehr ausgereicht.

Daher werden die Aufzeichnungen in einem Karton gesammelt und bei sonntäglichen Gottesdiensten vorgelesen. „Wir hoffen weiterhin auf die Unterstützung von Politik und Banken“, betonte Jürgen Kräplin, Betriebsratsvorsitzender aus Stralsund.

Elena Vogt

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