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Südvorpommern Alles im Lack: Pasewalkerin hat weltgrößte Nagellacksammlung
Vorpommern Südvorpommern Alles im Lack: Pasewalkerin hat weltgrößte Nagellacksammlung
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10:28 06.02.2019
Carolin Gorra sitzt in einem Zimmer in Hamburg mit Teilen ihrer Nagellacksammlung. Die gebürtige Pasewalkerin hat mit 11 027 Fläschchen die weltgrößte Nagellacksammlung. Quelle: Christian Charisius/dpa
Hamburg

Lila, rosa, neonfarben, mit Glitzer oder Herzchen, mit Entchen-Deckel oder Prinzessinnenbild - Nagellack gibt es in den verschiedensten Farben und Fläschchen mit ausgefallensten Dekorationen. Und Carolin Gorra hat sie anscheinend alle. Diesen Eindruck hat man zumindest, wenn man ihre Erdgeschosswohnung in Hamburg-Niendorf betritt. An beinahe jeder freien Wand stehen Nagellacke ordentlich aufgereiht in Regalen nebeneinander. Exakt 11 027 Stück sind es. Das haben zwei Anwälte kürzlich nachgezählt. Das Rekord-Institut für Deutschland hat ihr den Weltrekord Ende 2018 deshalb offiziell bestätigt. Seitdem kann sie ihre Sammlung als die größte der Welt bezeichnen.

Die 39 Jahre alte gebürtige Pasewalkerin und Wahl-Hamburgerin hat seit ihrer Kindheit dieses Faible. Ihren ersten Lack kaufte sie sich, als sie 15 oder 16 Jahre alt war, erzählt die studierte Betriebswirtin. „Damals gab es endlich blauen Nagellack. Ich glaube, der hat auch nur zwei Mark gekostet. Aber ich war einfach superhappy“, sprudelt es aus der quirligen Blonden heraus. Ihre ersten beiden Fläschchen haben deshalb auch einen Sonderplatz bekommen. Sie stehen im Wohnzimmerregal gleich neben den Raritäten (ein mundgeblasenes Nagellack-Fläschchen mit einem Etikett aus Silber) und den historischen Farben aus den 1920er Jahren. „Damals waren die von der Konsistenz her eher wie Lipgloss oder Kreide. Da durfte Frau ihre Finger lieber nicht benutzen. Sonst war das direkt wieder ab.“

Das sind die Bilder von der größten Nagellacksammlung der Welt

Dass Nagellack im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte alltagstauglicher wurde, hat die Damenwelt der Autoindustrie zu verdanken, weiß Gorra. Mit der Entwicklung von Pigmenten für Autolacke nahm auch die dekorative Kosmetik für Nägel Fahrt auf. 1932 kam dann auch der erste Nagellack auf den Markt, geschaffen von den Brüdern Charles und Joseph Revson sowie dem Chemiker Charles Lachmann - den Gründern der noch heute existierenden Kosmetikfirma Revlon.

Nur Küche, Bad und Gästezimmer sind „Nagellack-frei“

Was die Welt der Nagellacke heute mittlerweile zu bieten hat, ist in Carolin Gorras Wohnung gut zu erkennen. Den Farben und Nuancen sind kaum noch Grenzen gesetzt. Im Bad haben zudem Kindernagellacke ihren Platz gefunden. Verziert mit Minnie Maus, Daisy Duck, kleinen Trollen, Disney-Prinzesszinnen, Hunden, Katzen und sonstigen Tieren dominieren sie in den quietschbuntesten Farben die Wände.

Ob Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Ankleidezimmer oder Flur - in fast jedem Raum stehen Lacke in Reih und Glied in Wandregalen, finden sich passende Accessoires wie Pumps mit Nagellack-Applikationen, Nagellack-Anstecker, -Parfümflaschen oder Textmarker und USB-Sticks in Nagellack-Form. „Nur die Küche, das Gästezimmer und das Gästebad sind tabu. Die sind Nagellack-frei“, sagt die schlagfertige Sammlerin. Ihr Freund, mit dem sie seit 18 Jahren zusammen ist, habe mit ihrer Leidenschaft kein Problem. „Er hat mich ja so kennengelernt!“

Bis zu 200 Euro im Monat gehen für Nagellack drauf

Trotz des Weltrekord-Titels ist für Gorra mit dem Sammeln noch lange nicht Schluss. Sie stöbert regelmäßig im Internet, in Drogerien und in Kaufhäusern nach neuen Lacken. „Dabei suche ich vor allem Sondereditionen. Aber in diesem Winter waren die Farben ziemlich langweilig.“ Überhaupt seien die deutschen Hersteller bei den Farben recht zurückhaltend. Da sei in den USA mehr zu holen. Deshalb lässt sie sich auch gern von Freunden und Bekannten aus dem Urlaub dort hergestellte Besonderheiten mitbringen. „Nagellack aus 54 Ländern habe ich schon. Da fehlen also schon noch einige.“

Rund 100 bis 200 Euro gibt Gorra im Monat für neue Fläschchen aus. „Die Sammlung hat mittlerweile schon den Wert eines Kleinwagens“, schätzt die gebürtige Pasewalkerin.

Dem Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse zufolge hatte Nagellack bei der dekorativen Kosmetik zuletzt einen Marktanteil von etwa zehn Prozent. „Allein, dass jemand so etwas sammelt, zeigt, wie faszinierend das sein kann und was es alles gibt“, sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer des Verbandes. Er ist davon überzeugt, dass Gorra ihre Leidenschaft noch lange ausleben kann. „Alle großen Kosmetikfirmen stellen Nagellack her, meist in 20 bis 30 Nuancen. Und jedes Jahr kommen neue dazu. Da erscheint die Sammlung auf einmal gar nicht mehr so riesig“, sagt der Experte für dekorative Kosmetik weiter.

Der Traum vom Nagellack-Museum

Gorra selbst mag vor allem knallige Farben auf den Nägeln. Je nach Morgenlaune holt sie gern neonorange, knallblau oder saftiges zitronengelb auf ihre Finger. „Rot oder dezent - das ist nicht meins!“ Nach zwei Tagen bekommt sie dann meist wieder Lust auf neuen Pep. „Mehr als drei Tage mit der gleichen Farbe? Das kann ich nicht“, sagt Gorra. Etwa zehn Prozent ihrer Sammlung kommt auch auf ihre Nägel, sagt sie. Der Rest ist reine Dekoration.

Ihre Leidenschaft trägt die 39-Jährige seit Neuestem auch auf Instagram mit kreativen Fotos in die Welt. Dafür nimmt sie auf die täglichen Spaziergänge mit ihren beiden Hunden gern mal ein paar Nagellacke mit und stellt sie für ein Foto zwischen Pilze, Blätter, auf Moos oder andere Plätze. „Hauptsache nicht langweilig!“.

Ihr großer Traum ist ein eigenes kleines Museum mit Café. Den Namen dafür hat sie schon: „Nagellack Wunderland“. Ein erstes Gefühl dafür kann die Hamburgerin schon Mitte Mai bekommen. Dann darf sie im Dorf- und Schulmuseum von Schönwalde am Bungsberg (Kreis Ostholstein) ihre Sammlung für mehrere Monate ausstellen.

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