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Südvorpommern Experte zum Fall Leonie: Jeder trauert auf seine Weise
Vorpommern Südvorpommern Experte zum Fall Leonie: Jeder trauert auf seine Weise
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05:33 01.02.2019
„In Gedenken an Leonie“ – unter diesem Motto nahmen am 24. Januar rund 500 Leute an einer Veranstaltung in Wolgast teil. Allen voran ging Leonies Vater Oliver E. (links im Bild). Quelle: Tilo Wallrodt
Wolgast

Seit Bekanntwerden des tragischen Todes der kleinen Leonie aus Torgelow steht ihr Vater Oliver E. im Fokus der Öffentlichkeit, stand weinend vor der Kamera, gab Reportern Antworten, ging bei einer Gedenkveranstaltung in Wolgast mit einem großem Plakat, das den Namen seiner Tochter trug, voran – gefolgt von Hunderten Menschen. „Es können ruhig alle sehen, welches große Leid mir zugefügt wurde“, sagt Oliver E. über seine Trauer. Zur Beerdigung am Sonnabend hat er deshalb auch die Öffentlichkeit eingeladen.

Hintergrund: Der Stiefvater David H. steht im Verdacht das Kind schwer misshandelt zu haben und sitzt in der JVA Bützow in U-Haft. Gegen ihn wird wegen Mordes durch Unterlassen ermittelt.

Öffentliche Trauer sorgt auch für Unverständnis

Dass der leibliche Vater der Kinder, Oliver E., seit Wochen öffentlich trauert und auch in den Medien und im Internet mit dem Thema so offen umgeht, wirft bei manchen Menschen auch Fragen auf.

Zur Trauerfeier in der Christuskirche in Torgelow für die verstorbene Leonie kamen Hunderte.

Aber Trauerbewältigung könne durchaus sehr verschieden ausfallen, sagt Prof. Carl Friedrich Classen vom Uniklinikum Rostock. Er weiß, wovon er spricht: Denn Classen begleitet Familien, deren Kinder schwer krank sind und im Sterben liegen. „Eltern gehen mit Trauer ganz unterschiedlich um, da gibt es keinen typischen Weg. Jeder hat seinen eigenen, der eine frisst die Trauer in sich hinein, der andere lässt es heraus“, sagt er. Die meisten wollen jedoch eher für sich sein und nur einige ausgewählte Menschen an ihrer Trauer teilhaben lassen.

„Soziale Medien haben Eigendynamik“

Geht jemand wie Oliver E. sehr öffentlich mit dem Thema um, könne das durchaus auch einen Teil der Trauerverarbeitung einnehmen. Im Fall von Leonie habe die Familie allerdings gleich zwei Probleme zu verarbeiten: den Tod des Kindes und die offenbar schweren Misshandlungen.

Soziale Medien wie Facebook hätten hingegen auch eine gewisse Eigendynamik, sagt Prof. Classen. „Neben viel Solidarität können den Betroffenen dort auch gegenteilige Gefühle entgegenschlagen. Ob das dann für die Trauer hilfreich ist, ist die Frage“, betont der Ärztliche Leiter der Onkologie/Palliativmedizin. Classen empfiehlt verwaisten Eltern vor allem auch Selbsthilfegruppen mit Familien, die ebenfalls Kinder verloren haben, oder Trauerbegleiter und Psychologen zu kontaktieren.

Der Fall der getöteten Leonie

30. Januar: Leonie wird am Samstag beerdigt

28. Januar: Mordfall Leonie: Ermittlungen werden Monate dauern

25. Januar: Leonies Mutter muss nach Morddrohungen beschützt werden

24. Januar: Trauer in Wolgast: 500 Menschen gedenken der toten Leonie

23. Januar: Jetzt kursieren Falschmeldungen über David H.

23. Januar: Gedenkfeier in Torgelow: Eine ganze Stadt in Trauer

22. Januar: Reportage zum Mordfall Leonie –„So etwas hatten wir hier in Torgelow noch nie“

22. Januar: Tatverdächtiger Stiefvater bestreitet Vorwürfe

21. Januar: Riesige Spendenbereitschaft für leiblichen Vater und kleinen Bruder

21. Januar: Polizei fasst Stiefvater von Leonie

17. Januar: Ermittlungen jetzt auch gegen die Mutter

17. Januar: Vater der toten Leonie: „Ich habe es aus der Zeitung erfahren“

16. Januar: Jugendamt äußert sich zu Vorwürfen

15. Januar: Geflüchteter Stiefvater ist polizeibekannt

14. Januar: Tod eines Mädchens in Torgelow: Ursache weiter unklar

Virginie Wolfram

Der Vater der getöteten Leonie, Oliver E., will auch die Öffentlichkeit bei der Trauerfeier in Wolgast dabei haben. Die Polizei wird die Veranstaltung begleiten.

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