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Südvorpommern Mordfall Leonie: Polizei prüft Disziplinarverfahren gegen Beamte
Vorpommern Südvorpommern Mordfall Leonie: Polizei prüft Disziplinarverfahren gegen Beamte
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19:34 29.01.2019
Das Polizeigebäude, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte. Quelle: dpa
Neubrandenburg/Torgelow

Seine Flucht aus einem Polizeirevier hatte bundesweit für Entsetzen und Kopfschütteln gesorgt. Wie konnte der unter Mordverdacht stehende David H., der für den gewaltsamen Tod seiner Stieftochter Leonie (6) verantwortlich sein soll, vom Pasewalker Polizeirevier entkommen?

Die Vorgänge im Pasewalker Revier sind vor allem dem obersten Dienstherren, Innenminister Lorenz Caffier (CDU), sauer aufstoßen. Er hatte noch am Tag der Flucht Aufklärung seitens der Polizei gefordert. Im Fall Leonie wertet das Schweriner Innenministerium derzeit einen Sachstandsbericht der Polizei aus.

Verschiedene Sanktionen möglich

Auf OZ-Anfrage teilte das Innenministerium mit, dass jetzt auch „disziplinarische Maßnahmen“ gegen Beamte geprüft werden. „Wir haben das Polizeipräsidium Neubrandenburg beauftragt das zu untersuchen“, sagt Ministeriumssprecher Michael Teich. David H. war geflohen, als Beamte der Kripo Anklam ihm während einer Vernehmung mitteilten, dass er vorläufig festgenommen wird.

Zur Trauerfeier in der Christuskirche in Torgelow für die verstorbene Leonie kamen Hunderte.

Sollte es zu einem Disziplinarverfahren gegen einen beteiligten Beamten kommen, sind laut Landesdisziplinargesetz verschiedene Sanktionen möglich. Möglich seien grundsätzlich Maßnahmen wie Verweise, Geldbußen, Kürzungen der Dienstbezüge oder Zurückstufungen. Diese würden durch den Dienstherren ausgesprochen. Noch steht aber nicht fest, ob es solche Maßnahmen geben wird.

Wie sicher ist das Polizeigebäude?

„Ein Fokus wird im Rahmen der Auswertung auf die Umstände, die zur Flucht des Beschuldigten geführt haben, zu legen sein“, sagt Teich. Dabei soll es aber nicht bleiben: Zugleich seien auch die baulichen und technischen Bedingungen am und im Polizeigebäude zu untersuchen, welche die Sicherheit gewährleisten sollen. Beispielsweise soll geprüft werden, welches Schließsystem in Pasewalk im Einsatz ist und ob ein Verlassen des Gebäudes ohne Weiteres – auch ohne Chipkarte – möglich sei. Bei solchen Untersuchungen müsse aber auch der Brandschutz bedacht werden, betont Teich. Insgesamt gelte es, Fehler und Versäumnisse aller in dem Fall beteiligten Behörden und Institutionen sachlich kritisch gemeinsam nachzubereiten, heißt es vom Innenministerium.

Hintergrund: Der 27-jährige David H. sitzt wegen Mordverdachts durch Unterlassen in der JVA Bützow in U-Haft. Dem Torgelower wird vorgeworfen, die sechsjährige Tochter seiner Lebensgefährtin misshandelt zu haben und nicht rechtzeitig Hilfe gerufen zu haben, so dass das Mädchen am 12. Januar an seinen schweren Verletzungen starb. David H. stritt den Vorwurf in den ersten Vernehmungen ab. Der Verdacht steht im Raum, dass auch Leonies zweieinhalbjähriger Bruder schwer misshandelt wurde. Er lebt inzwischen bei seinem leiblichen Vater in Wolgast. Gegen die Mutter wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

Der Fall der getöteten Leonie

28. Januar: Mordfall Leonie: Ermittlungen werden Monate dauern

25. Januar: Leonies Mutter muss nach Morddrohungen beschützt werden

24. Januar: Trauer in Wolgast: 500 Menschen gedenken der toten Leonie

23. Januar: Jetzt kursieren Falschmeldungen über David H.

23. Januar: Gedenkfeier in Torgelow: Eine ganze Stadt in Trauer

22. Januar: Reportage zum Mordfall Leonie –„So etwas hatten wir hier in Torgelow noch nie“

22. Januar: Tatverdächtiger Stiefvater bestreitet Vorwürfe

21. Januar: Riesige Spendenbereitschaft für leiblichen Vater und kleinen Bruder

21. Januar: Polizei fasst Stiefvater von Leonie

17. Januar: Ermittlungen jetzt auch gegen die Mutter

17. Januar: Vater der toten Leonie: „Ich habe es aus der Zeitung erfahren“

16. Januar: Jugendamt äußert sich zu Vorwürfen

15. Januar: Geflüchteter Stiefvater ist polizeibekannt

14. Januar: Tod eines Mädchens in Torgelow: Ursache weiter unklar

Virginie Wolfram

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