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Südvorpommern Vorpommern: Debatte um Schwangerschaftsabbrüche entbrannt
Vorpommern Südvorpommern Vorpommern: Debatte um Schwangerschaftsabbrüche entbrannt
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09:01 29.09.2018
Das Bild zeigt einen sieben Wochen alten Fötus in der Fruchtblase. Quelle: Peter Endig/dpa
Stralsund/Greifswald

Es war die wohl härteste Entscheidung ihres Lebens, schwierig war sie dagegen nicht. Saskia Peters* (39) wusste schnell: Dieses Kind kann sie auf keinen Fall auf die Welt bringen. Der Weg, den sie dann ging, war umso härter, weil sie Kinder liebt und immer eigene wollte. Auch acht Jahre nach dem Abbruch der Schwangerschaft denkt sie regelmäßig an ihr Kind, das sie nicht bekommen hat. Es wäre jetzt in der zweiten Klasse. „Ich habe die Entscheidung aber nie bereut“, so die Greifswalderin. Saskia Peters war geschieden, ihre Tochter damals sechs Jahre alt. Ihr neuer Partner ließ sie sitzen. Kurz nachdem er von der Schwangerschaft erfuhr, kündigte er an, nach Berlin zu ziehen. Damit war klar, sie müsste allein für zwei Kinder sorgen. Die Eltern wohnen weit weg, sind beide berufstätig. Saskia Peters hatte auch keine engen Freunde vor Ort, die ihr hätten helfen können. Schon die Vorstellung der plötzlich einsetzenden Wehen oder die Frage, was sie dann mit ihrer Tochter machen würde, stellten sie vor schier unlösbare Rätsel. Dann die Frage der Finanzierung, vor allem während der Elternzeit, wo doch schon der Vater ihrer Tochter keinen Unterhalt zahlte. „Ich habe mich damals unendlich allein gefühlt.“

Auf acht Geburten ein Abbruch

Frauen wie Saskia Peters, die aus einer persönlichen Not heraus eine Schwangerschaft abbrechen, sind dem Bundesverband Lebensrecht ein Dorn im Auge. Die Organisation veranstaltete am vergangenen Wochenende in Berlin den „Marsch für das Leben“, bei dem 5000 Teilnehmer auf Transparenten „Verantwortung statt Abtreibung“ forderten. Die Bewegung kämpft für einen bundesweiten Aktionsplan zur massiven Eindämmung von Abbrüchen sowie eine Reform der Abtreibungsgesetze. Fakt ist, dass seit Jahren auf etwa 800.000 Geburten jährlich gut 100. 000 Abtreibungen kommen. In Mecklenburg-Vorpommern sind es sogar noch mehr. Die Zahlen sind viel zu hoch, findet auchHans-Jürgen Abromeit, Bischof der Nordkirche in Vorpommern.

Predigt vor Abtreibungsgegnern

Er hielt während des Abschlussgottesdienstes die Predigt. Mit Abromeit nahm erstmals ein hoher Geistlicher der evangelischen Kirche an der Anti-Abtreibungsveranstaltung teil, die es seit vielen Jahren in Berlin gibt. Normalerweise steht die evangelische Kirche solchen Aktionen eher kritisch gegenüber. Doch dem Greifswalder Abromeit sei es darum gegangen, ein Zeichen zu setzen, dass sich auch Vertreter der evangelischen Kirche für den Lebensschutz stark machen. In seiner Predigt bezeichnete er Abtreibungen als Teil einer „Kultur des Todes“, rief gleichzeitig zur Unterstützung Schwangerer auf.

Er betonte ausdrücklich, dass er die aktuelle Gesetzeslage befürwortet, die Frauen und Männern zugesteht, „Verantwortung für das heranwachsende Leben freiwillig“ wahrzunehmen. „Wenn die hohe Zahl von Abtreibungen kleiner werden soll, dann müssen wir alle unsere Verantwortung an den Müttern, den Kindern und den jungen Familien viel intensiver wahrnehmen“, so Abromeit. Er warb für familienfreundliche Arbeitsplätze sowie Arbeitgeber, die Verständnis für die Last Alleinerziehender aufbringen. „Besonders bei den Männern muss sich die persönliche Einstellung ändern. Sie müssen für die Folgen des Handelns einstehen, statt die Frauen zur Abtreibung zu drängen, was häufig der Fall ist“, so Abromeit.

SPD kämpft für Lockerung

Doch auch wenn Abromeit im Gegensatz zu vielen Teilnehmern der Anti-Abtreibungsdemo die derzeitigen Gesetze gut heißt, stellt er sich klar gegen eine Lockerung, wie sie die SPD auf Bundesebene fordert. Sie kämpft für die Abschaffung des Paragraphen 219 a, der es verbietet, für einen Schwangerschaftsabbruch zu werben. In der richterlichen Praxis heißt das allerdings auch, dass eine Ärztin auf ihrer Internetseite nicht darüber informieren darf, dass sie Schwangere in Konfliktfällen berät und Abbrüche durchführt. Die Ärztin Kristina Hänel aus Gießen wurde im vergangenen Jahr zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt, weil sie genau das tat. „Es ist ein riesengroßes Problem, dass Frauen in so einer Situation komplett auf sich gestellt sind. Besonders in ländlichen Regionen ist es schwierig, jemanden zu finden, mit dem man sprechen kann“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen, deren Wahlkreis Vorpommern-Rügen und die Hansestadt Greifswald umfasst. „Ich finde es total wichtig, dass Frauen sich beim Arzt informieren können und dass sie im Internet Hinweise darauf finden, dass es diese Möglichkeit gibt“, sagt Steffen weiter. Die Verhandlungen mit der CDU zur Abschaffung des Paragraphen 219 a laufen auf Bundesebene sehr sperrig. Die Katholikin Steffen hofft, dass am Ende ein Kompromiss steht, der Frauen eine Informationsfreiheit zugesteht.

Legaler Abbruch in der DDR

Wie schwer sich die Christdemokraten beim Thema tun, zeigt der Blick zurück in die Geschichte. Die DDR war weltweit der erste Staat, der die Abtreibung 1972 komplett legalisierte und die Entscheidung allein der Frau übertrug, ob sie ein Kind bekommen möchte oder nicht. Mit der Wiedervereinigung wurde lange um ein Abtreibungsrecht gerungen. „Unser heutiges Recht fußt auf einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Daran sollten wir nicht rütteln“, sagt Bischof Abromeit. Im ersten Anlauf hatte der Bundestag den Schwangerschaftsabbruch weitestgehend legalisiert. Die CSU klagte damals und bekam Recht. Paragraph 218 regelt, dass ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche zwar gesetzeswidrig, aber nicht strafbar ist. „Es gibt schon strenge Auflagen. Die Frauen müssen zu einem Beratungsgespräch, sich auf der Couch einer fremden Person öffnen, danach einen Termin für den Eingriff machen“, sagt Steffen. Sie befürwortet das, spricht sich jedoch strikt gegen jegliche Verschärfung aus. Großes Problem aus ihrer Sicht sind die hohen Kosten für die Pille. „Wer ein geringes Einkommen hat oder Hartz IV bezieht, kann sich die 35 Euro im Quartal mitunter gar nicht leisten. Ich würde es sinnvoll finden, wenn die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Das würde wirklich helfen“, ist Sonja Steffen überzeugt.

*Name v. der Redaktion geändert

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