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Usedom 100 Prozent schulfrei im Schulhaus am Oberwall
Vorpommern Usedom 100 Prozent schulfrei im Schulhaus am Oberwall
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00:41 18.04.2018
Überall wird letzte Farbe aufgebracht, wird aufgeräumt und gewienert im künftigen 100-Haus am Wolgaster Oberwall. Dem Astronomie-Raum, wo die Gäste in einem Hochbett mit Raumschiff-Design schlafen können, verpasst Dorota Solinska den letzten Schliff. Quelle: Fotos: Tom Schröter
Wolgast

Überall stehen noch Kartons, sind noch Lampen anzubringen, rustikale Sitzmöbel und Tische zu streichen, diverse Restarbeiten zu erledigen – doch Martin Schröter ist ganz ruhig. „Für mich ist eigentlich alles schon fertig“, erklärt der Bauleiter und Manager der „jüngsten Wolgaster Metamorphose“, wie er das 100-Haus am Oberwall bezeichnet. In den Klinkerbau von 1901 ist dank des Umbaus ein frischer Geist eingezogen, der seinerseits mit der ursprünglichen Atmosphäre harmoniert. Wo Generationen Wolgaster Mädchen und später Berufsschüler einstmals die Schulbank drückten, werden bald ebenso neugierige Zeitgenossen ihre Häupter betten und sich gemeinschaftlich kreativ austoben können.

In Wolgast wird am Sonnabend das 100-Haus als Hostel eröffnet

Die Basis dafür ist gelegt. „Es ist noch nicht alles komplett, aber genau das ist gewollt“, erläutert der Bauleiter, der auch das „Postel“ am nahen Platz der Jugend führt. Das absichtlich Unvollendete schaffe Raum für künftige Generationen einfallsreicher Bewohner. Bei der Auswahl und der Ausgestaltung der thematisch kreierten Gästezimmer standen Wolgaster Gymnasiasten Pate. Nach dem Motto: Junge Leute wissen selbst am besten, was ihnen gefällt. Die Umsetzung der zum Teil recht verrückten Ideen blieb dann genauso versierten wie originellen Handwerkern vorbehalten. In geistreicher Manier und mit Liebe zum Detail sind als Unikate ungewöhnliche Räume entstanden, die die Fantasie ihrer späteren Nutzer beflügeln sollen.

Im Raum „Landwirtschaftsschule“ zum Beispiel schlafen die Gäste in einer Art Hühnerstall. Mistgabeln dienen als Garderobenhaken und an der Wand hängt ein Insektenhotel. Die „Hafenschule“ lädt zum Schlafen in einem Container-Hochbett ein und wer die „Modeschule“ betritt, den erwartet eine Art Dom, bestehend aus Glasperlenschnüren. Wohin das Auge blickt, finden sich flippige Accessoires und Ausstattungsgegenstände, die von der Lust am Einrichten zeugen und sicher ihre Fans finden werden. Auch bei der Plakatgestaltung arbeiteten die Macher des barrierearm hergerichteten 100-Hauses ganz offensichtlich mit Kennern der Szene zusammen. Im Speisesaal „Klassenmampf“ prangt ein gerastertes Konterfei der Revolutionärin Tamara Bunke von der Wand, deren Namen die Schule einst trug.

„Doch bevor die ersten Gäste eintreffen, kommen jetzt erstmal die Behördenvertreter zur Kontrolle“, betont Martin Schröter. Betriebssicherheit, Brandschutz und Hygiene sind zu überprüfen. Erst gestern führte der Bauleiter Amtspersonen durch das Objekt, das dem Initiator ans Herz gewachsen ist. Erbaut vom hiesigen Baugewerksmeister Max Heinrichs, atmet das Gebäude mit der hübschen, überarbeiteten Fassade Wolgaster Schulgeschichte. Bald werden im zum Parkplatz gerichteten Saal, in dem große Kronleuchter schweben, wieder Feste gefeiert, Konzerte gegeben und Kinofilme vorgeführt werden. Den Auftakt gestaltet am Sonnabend, dem Eröffnungstag, der Greifswalder Musiker Thomas Putensen, der hier ab 11 Uhr ein Konzert geben wird. Von 11 bis 15 Uhr wird zum Mitfeiern und zur individuellen Entdeckungstour durch das 100-Haus eingeladen.

Putensen-Konzert

Zur Eröffnung des 100-Hauses gastiert am Sonnabend der Greifswalder Musiker Thomas Putensen in der Aula des früheren Schulhauses am Wolgaster Oberwall. Sein Konzert um 11 Uhr ist Bestandteil der 21. Wolgaster Muse-

umstage.

Das 100-Haus ist für die Beherbergung von bis zu 58 Gästen ausgelegt. Geschlafen wird in thematisch gestalteten Räumen auf Hoch- und Stapelbetten sowie auf Paletten.

Der Umbau des Hauses kostete laut Angaben etwa 500000 Euro, wobei 200000 Euro dem europäischen Förderprogramm Leader entstammen.

Tom Schröter

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