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Usedom 150 Jahre Präparandenanstalt
Vorpommern Usedom 150 Jahre Präparandenanstalt
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00:00 05.12.2017
Das Haus der preußischen Präparandenanstalt am Tribseeser Kirchplatz ist heute ein Museum. Quelle: Foto: Reinhard Amler
Tribsees

Heute können in der Regel alle Lehrer in Deutschland einen Universitätsabschluss vorweisen. Die ganz normale Volksschullehrerausbildung erfolgte in Preußen noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts zweistufig. Zunächst besuchten die künftigen Lehrer eine Präparandenanstalt, sofern sie kein Abitur hatten. Das war der Regelfall. Dann besuchten sie ein Lehrerseminar. Zu den ersten und berühmtesten Einrichtungen gehörten die Seminare in den Stiftungen August Hermann Franckes (1663 bis 1727) in Halle. Dieses System war schon ein großer Fortschritt, weil die Volksschullehrer zuvor normalerweise keine besondere Ausbildung für diesen Beruf bekommen hatten. Zum Beispiel waren Küster oder Handwerker als Pädagogen tätig, die Schulaufsicht lag in den Händen der Kirche.

Diese mangelhafte Ausbildung der Lehrer war der Grund, warum sich der Richtenberger Pfarrer Sternberg entschloss, Abhilfe zu schaffen, wie es in der Chronik von Tribsees heißt. Mit 20 Schülern begann 1867, also vor 150 Jahren, der Unterricht. Der preußische Staat unterstützte das Vorhaben. 400 Taler Schulgeld mussten die Präparanden nicht bezahlen.

Schon zwölf Jahre später erfolgte eine Verlegung nach Grimmen und eine Vergrößerung der Präparandenanstalt. Diese hat beispielsweise August Bartelt (1863-1947) besucht, Chronist und Ehrenbürger von Ueckermünde. Die Grimmer Präparandenanstalt war eine staatliche Anstalt. Nur ganze sieben Jahre später erfolgte ihre Verlegung aus der Kreisstadt Grimmen nach Tribsees.

Die 1886 erfolgte Verlegung nach Tribsees hatte etwas mit Strukturpolitik – der Förderung einer wirtschaftlichen schwächelnden Stadt – zu tun. Durch das Gerichtsverfassungsgesetz des Deutschen Reiches von 1877 hatte Tribsees seine noch vorhanden Justizrechte verloren. Die Kreisgerichte (Vorläufer der heutigen Amtsgerichte) wurden gestärkt.

Die Verhandlungen über eine Verlegung der Präparandenanstalt von Grimmen nach Tribsees begannen 1885. Schon ein Jahr später, am 29. April 1886, erfolgte die Eröffnung der Einrichtung in Tribsees. Die Zahl der Besucher stieg ständig an. Darum forderte die Regierung einen Neubau, den die Stadt, das heißt Magistrat und Bürgerschaftliches Kollegium, 1907 beschloss. Umgesetzt wurde das Vorhaben indes nicht. Folgt man der Chronik, war der entscheidende Punkt in den Diskussionen ein Internat. Die Bürger wollten die Einnahmen aus der Zimmervermietung behalten. Die wirtschaftliche Lage war schlecht, der für die Stadt teure Eisenbahnanschluss hätte nicht den erwarteten Aufschwung gebracht, und der Bau einer Zuckerfabrik „scheiterte an den pessimistischen Anschauungen der Ackerbau treibenden Bürger“.

In den ersten 50 Jahren der Präparandenanstalt wurden 1250 Personen auf den Besuch von Lehrerseminaren vorbereitet. 1922 erfolgte die Zusammenlegung mit der Franzburger Präparandenanstalt. Dort gab es außerdem ein Lehrerseminar.

Die Tribseeser Einrichtung beherbergt seit 2007 unter anderem das Heimatmuseum.

eob

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