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Usedom 500-fache Herzdruckmassage zu Bee-Gees-Klängen: Rekord!
Vorpommern Usedom 500-fache Herzdruckmassage zu Bee-Gees-Klängen: Rekord!
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00:01 26.09.2016
Prof. Klaus Hahnenkamp hat allen Grund zum Strahlen: Wieder übten wie im Vorjahr 500 Teilnehmer zeitgleich zu den Klängen des Bee-Gee-Titels „Staying Alive“ die Herzdruckmassage. Quelle: Fotos: Peter Binder

Was für eine Stadt! Zum zweiten Mal in Folge fanden sich am Sonnabendmittag auf dem Markt 500 Freiwillige, die zeitgleich an Puppen Lebensrettung durch die richtige Herzdruckmassage übten. Organisiert wurde das Überlebenstraining von Prof. Klaus Hahnenkamp, dem Chef der Uniklinik für Anästhesiologie. Auch Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne), der Sozialdezernent des Landkreises Vorpommern-Greifswald Dirk Scheer, Teams der Deutschen Ölwerke Lubmin und der Wasserwacht Anklam sowie Prinzen-Drummer Ali Zieme übten mit.

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Paralympics-Teilnehmerin Lindy Ave gewinnt damit Wette und Geld zum Trainieren

Jeder möchte, dass ihm im Notfall geholfen wird.“Prof. Klaus Hahnenkamp, Organisator

Der Rekord bedeutet zugleich für die Greifswalder Paralympic-Teilnehmerin Lindy Ave den Gewinn der Stadtwette und damit 500 Euro Sponsorengeld für ihr Training. Leichtathletin Lindy Ave will nun noch intensiver trainieren, um bei den nächsten Paralympics unter die ersten Drei zu kommen.

Cheforganisator Prof. Klaus Hahnenkamp will mit seinem Team erreichen, dass sich immer mehr Menschen mit der Wiederbelebung auseinandersetzen, weil es jederzeit überall passieren kann, dass sie plötzlich zum Lebensretter werden müssen. Ingrid Barduhn aus Greifswald hält das Ziel für besonders bedeutsam: „Jeder möchte, dass ihm im Notfall geholfen wird. Das heißt im Umkehrschluss, dass jeder über Grundkenntnisse zu lebensrettenden Maßnahmen Bescheid wissen sollte“, meint die 74-Jährige, die viele Jahre in der Wasserrettung des DRK aktiv war. Dr. Lutz Fischer, Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Vorpommern-Greifswald, hofft, dass viele Menschen so denken. „In einer Notsituation nur zuschauen, rettet kein Leben“, macht er deutlich.

Sozialdezernent Dirk Scheer macht zugleich auf ein weiteres großes Problem aufmerksam: Um zu retten, braucht es genügend Notärzte. Im Kreis sind an den elf Notarztstandorten insgesamt 100 Notärzte im Einsatz. Etwa 20 davon, besonders auf der Insel Usedom, sind Honorarkräfte. Und die sollen nach einem Gerichtsurteil wegen angeblicher Scheinselbstständigkeit nicht mehr als solche tätig sein können.

Gefragt sind nur noch festangestellte Notärzte.

Daraus ergibt sich die Forderung nach mehr Personal. Laut Fischer ist das aber sehr schwierig, denn bereits jetzt tun sich gerade kleine Krankenhäuser schwer, die von ihnen geforderten Notärzte zu stellen. Außerdem wird schon jetzt mehr Personal benötigt, weil zum einen die Saison immer länger wird. Auch deshalb haben Notärzte an Standorten im ländlichen Raum, wo es pro Tag nur drei, vier Einsätze gibt und die Belastung nicht so hoch für sie ist, zwei oder drei 24-Stunden-Schichten hintereinander übernommen“, erläutert Fischer. Bei Festanstellung verbiete jedoch das Arbeitszeitgesetz ein solches Vorgehen, stattdessen würden auch dort mehr Notärzte benötigt. Außerdem gebe es Kollegen, die neben ihrer Tätigkeit in einer Praxis oder Klinik an Wochenenden oder freien Tagen als Notärzte arbeiten. Sie müssten bei Festanstellung durch den Rettungsdienst ihre andere Arbeitszeit dann deutlich reduzieren, das sei gesetzlich vorgeschrieben. Und drittens: Wenn die Rettungsdienste die Notärzte alle fest anstellen, fallen Beiträge für die Rentenversicherung an. Bislang war das nicht der Fall. „Notärzte müssen, wie in Österreich, davon befreit bleiben. Wir erwarten ein klares Signal aus Berlin“, erläutert Dezernent Scheer.

Im Kreis beträgt das Budget des Rettungsdienstes jährlich 23 Millionen Euro. Das Geld wird von den Krankenkassen übernommen und auf die Mitglieder umgelegt. Für 2017 will Scheer aber wegen der sich verschlechternden Rahmenbedingungen mindestens eine Million mehr geltend machen. Für Hahnenkamp und Fischer, beides gestandene, langjährige Notärzte, bleibt deshalb der Fakt, dass die Politik endlich brauchbare Lösungen anbieten muss, damit die Retter nicht selbst zum Notfall werden.

Notarztstandorte im Kreis

Drei Teams sind an der Universitätsmedizin Greifswald stationiert: Zwei gehören zur Bodenrettung, ein Team fliegt Luftrettung.

Wolgast   – Krankenhaus Wolgast

Zinnowitz   – Team des DRK-Kreisverbandes

Heringsdorf   – Team des DRK-Kreisverbandes

Anklam – Ameos-Klinikum

Ueckermünde – Ameos-Klinikum

Torgelow – Ameos-Klinikum

Jarmen – Notarzt GmbH Mecklenburgische Seenplatte

Pasewalk –   Notarzt GbR Pasewalk

Glasow – Notärztlicher Dienst DRK-Landesverband MV

Strasburg –   Notärztlicher Dienst DRK-Landesverband MV

Cornelia Meerkatz

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