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Abwasser-Streit: Frau jagt Bagger vom Hof

Karlshagen Abwasser-Streit: Frau jagt Bagger vom Hof

Das Haus einer Karlshagenerin soll ans Abwassernetz. Sie sagt: Eher gehe ich in den Knast. Der Zweckverband droht mit Zwangsgeld und Polizei.

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Christel Schumacher lässt keine Bagger mehr auf ihr Grundstück. Sie wehrt sich mit allen Mitteln gegen den Plan des Zweckverbandes, eine Abwasserleitung zu ihrem Haus zu verlegen.

Quelle: Alexander Müller

Karlshagen. Dieser Streit um stinkendes Abwasser verpestet die Stimmung in der Gemeinde Karlshagen. Als Mitarbeiter des Zweckverbandes kürzlich am Ortsrand eine Leitung verlegen wollten, wurden sie von der Besitzerin des Grundstücks davongejagt. Hintergrund ist ein Konflikt, der seit vielen Jahren in der Gemeinde schwelt. Christel Schumacher soll gezwungen werden, ihr Haus an das Abwassernetz des Ortes anzuschließen. Sie wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, weil sie nach eigenen Angaben das nötige Geld dafür nicht besitzt. Christel Schumacher glaubt, ihr geliebtes Haus im Ernstfall verlassen zu müssen. Sie sagt: „Eher gehe ich ins Gefängnis.“ Gemeinde und Abwasserverband sind über dieses Verhalten verärgert. Die Behörden berufen sich auf geltendes Recht und betonen: Es gibt keine Sonderfälle, beim Abwasser sind alle Menschen gleich.

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Eigentum verpflichtet. Der Anschlusszwang gilt für alle.“Kurt Jentsch, Wasserzweckverband Insel Usedom

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Aber von Anfang an. Das alte Gehöft der Schumachers liegt im Außenbereich der Gemeinde Karlshagen. Schon die Eltern und Großeltern der 67-jährigen Frau haben in diesem Haus gewohnt. Doch Christel Schumacher sieht ihr Heim in Gefahr: Das Gebäude soll an das örtliche Abwassernetz angeschlossen werden. Weil zu dem Grundstück aber mehrere Felder gehören, die früher von den Eltern bewirtschaftet wurden, muss eine 500 Meter lange Leitung gezogen werden. Und die ist teuer — vermutlich fallen 10 000 Euro an. Und das, obwohl die Schumachers erst vor einigen Jahren eine Sammelgrube unter dem Haus für mehrere Tausend Euro installiert hatten. „Ich habe das Geld nicht. Aber ich lass mich hier auch nicht vertreiben. Lieber gehe ich in den Knast“, sagt Christel Schumacher.

Beim Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Insel Usedom können sie die Aufregung der Frau nicht verstehen — schließlich berufen sie sich bei ihrer Entscheidung auf geltende Gesetze.

„Eigentum verpflichtet. Es gibt einen Anschlusszwang und der gilt für alle“, sagt Geschäftsführer Kurt Jentsch. Kosten in Höhe von 10 000 Euro seien angemessen. Als Lösung schlägt er vor, einen Kredit aufzunehmen und Haus sowie Grundstück als Sicherheiten anzugeben. Sollte die Familie sich weiter wehren, kündigt Jentsch drastische Maßnahmen an. Sollte ein Zwangsgeld nichts bringen, könnten Bagger unter Polizeischutz anrücken und die Leitung einfach verlegen.

Christel Schumacher hat der Gemeinde Karlshagen eine friedliche Lösung vorgeschlagen. Sie möchte ihre Grundstücke verkaufen, so dass dort Eigenheime entstehen und die Kosten für die Riesenleitung geteilt werden können. Diese Idee hat das Amt Usedom Nord jedoch abgelehnt. Der Grund: Die Flächen sind für die Landwirtschaft und nicht fürs Bauen vorgesehen. „Es gibt die Regel, dass Orte von innen nach außen entwickelt werden“, sagt Bauamtschef Reinhard Garske. Das Vorhaben der Anwohnerin sei aussichtslos. Christel Schumacher ist das egal, sie will weiter kämpfen. Vor ihrem Grundstück hat sie ein Schild aufgestellt: „Zutritt verboten.“

Auch Kleingärtner sollen sich ans Abwassernetz anschließen lassen
Das Problem in Karlshagen ist kein Einzelfall. Auch Kleingartenanlagen auf der Insel Usedom und bei Wolgast sollen sich nach Möglichkeit an das Abwassernetz anschließen lassen. So will es der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Insel Usedom. „Alle Grundstücke, auf denen Abwasser anfällt und wo eine Leitung in der Nähe liegt, sind anzuschließen“, sagt Geschäftsführer Kurt Jentsch. Bislang sei diese gesetzliche Vorgabe zu lasch umgesetzt worden — das soll sich nun ändern. Viele Kleingärtner in der Region sind davon nicht begeistert. Auf sie kommen deswegen hohe Kosten zu. Laut Zweckverbandschef Jentsch würden sich die Investitionen jedoch schon nach wenigen Jahren auszahlen. „Die Betriebskosten sind deutlich geringer als zum Beispiel bei einer Sammelgrube. Außerdem ist eine Leitung eine endgültige Lösung“, sagt er.

 

 

Alexander Müller

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