Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Allein kommst du hier nicht mehr raus

Buggenhagen/Lassan Allein kommst du hier nicht mehr raus

Cornelia Tann-Beling aus Lassan brach im Eis des Berliner Sees ein, als sie ihren Hund retten wollte

Buggenhagen/Lassan. Ein Spaziergang mit Hund im winterlichen Lassaner Winkel wäre Cornelia Tann-Beling am Dienstag beinahe zum Verhängnis geworden. Dabei hatte alles ganz harmlos begonnen. Gegen 15 Uhr war die Lassanerin von ihrer Wohnung in der Siedlung Ost in Richtung Berliner See aufgebrochen, ein malerisch gelegenes Gewässer unweit von Buggenhagen (Siehe: Karte). „Spiro und ich haben ordentlich rumgetobt und ich wollte mit ihm üben, damit er besser auf mich hört“, berichtet die Halterin, die den jungen Rüden im vorigen Jahr aus einem Tierheim bei Stralsund in ihre Obhut holte.

 

OZ-Bild

Nach etwa drei Kilometern hatten beide den See erreicht und während Frauchen mit ihrem Handy den sich abzeichnenden Sonnenuntergang fotografierte, inspizierte ihr neugieriger Begleiter eifrig den Gewässersaum. „Der See war vollständig zugefroren, bis auf eine Stelle, die von mehreren Schwänen eisfrei gehalten wurde, indem sie dort herumschwammen“, erzählt die Krankenschwester, die in ihrer Heimatstadt als Conni Studier bekannt ist. „In Spiro steckt wohl auch ein Jagdterrier. Er fand die Schwäne sehr interessant und lief bis zu der betreffenden Stelle, als er am Ufer plötzlich einbrach und hilflos im Wasser zappelte.“

Die landschaftliche Idylle erwies sich so als trügerisch. Im Bruchteil einer Sekunde wurde sie zum Schauplatz eines Kampfes auf Leben und Tod, wobei sich die Dramatik des Geschehens stetig steigern sollte. Denn: Die Lassanerin konnte nicht mit ansehen und -hören, wie ihr vierbeiniger Freund um sein Leben ruderte und jaulte. „Schon bald ging sein Kopf zeitweise unter und ich dachte: ,Was mache ich denn jetzt? Wenn ich die Feuerwehr rufe, bis die da ist, schafft er es nicht.’“ Dann traf die zweifache Mutter eine fatale Entscheidung. „Ich legte mich mit dem Bauch auf das Eis und rutschte von der Badestelle aus die etwa 20 Meter bis zu dem Eisloch, in dem Spiro feststeckte. Bis auf einen halben Meter kam ich heran. Ich hab’ nochmal das Eis vor mir geprüft und wollte gerade nach dem Hund greifen, als ich plötzlich selbst einbrach.“

Nun paddelten Frau und Tier gemeinsam in der eisigen tödlichen Falle – inmitten der schier menschenleeren Gegend. „Ich wusste gleich: ,Hier kommst du nie wieder raus und niemand wird dich finden’“, schildert Cornelia Tann- Beling. Zunächst jedoch beförderte sie noch den keuchenden Vierbeiner mit einem kräftigen Schubs auf sicheres Geläuf, um dann zu versuchen, selber Halt am Eisrand zu finden.

„Erst brach das dünne Eis immer wieder weg und als es dann dick genug war, rutschte ich jedesmal mit den Fingern daran ab. Ich konnte mich nicht festhalten und musste daher immerzu schwimmen.“ Die Lassanerin ist eine gute Schwimmerin. Im Sommer zieht sie regelmäßig im glasklaren Berliner See zusammen mit einer Begleiterin entlang der Schilfkante ihre Bahn. Doch sich in Todesangst und in einer schweren Daunenjacke, dicken Winterschuhen und einer Jogginghose steckend über Wasser zu halten – das weiß sie spätestens jetzt – ist etwas völlig anderes und zehrt an Kraft und Nervenkostüm.

In ihrer Verzweiflung schrie die 48-Jährige schließlich um Hilfe, und zwar so laut, dass es Spaziergänger hörten, die von Buggenhagen aus in Richtung Berliner See unterwegs waren. Sie waren es, die nach einigen hundert Metern vom Acker aus sahen, was sich im See abspielte und daraufhin einen Notruf in der Einsatzleitstelle in Greifswald absetzten, die umgehend die Lassaner Feuerwehr alarmierte.

Es war gegen 17 Uhr, als zwölf Einsatzkräfte der Feuerwehr zum Unglücksort aufbrachen, wie Einsatzleiter Michael Scholz mitteilt. Als die Kameraden zum See fuhren, redete die Buggenhagener Spaziergängerin auf die im Wasser Paddelnde ein, ja nicht aufzugeben. Diese vernahm erst die Lassaner Sirene und wusste, Hilfe ist unterwegs. „Aber es war eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich auch das Martinshorn des Einsatzautos hörte. Meine Arme und Beine spürte ich inzwischen schon nicht mehr.“ Daher konnte sie wohl auch den Rettungssack nicht greifen, den ihr die Kameraden zunächst zuwarfen.

Routiniert ging es weiter: Gemäß einer gängigen Taktik, kamen mit Seilen gesicherte Steckleiterteile zum Einsatz, mit denen sich ein Feuerwehrmann Stück für Stück bis zu dem Eisloch vorarbeitete.

„Auch unser Mann, der auf der Steckleiter lag, damit sich sein Gewicht auf der Eisfläche besser verteilt, war mit einem Seil abgesichert“, erläutert Michael Scholz. „Als er am Eisloch angekommen war und die Frau greifen konnte, zogen die übrigen Kameraden ihn und die Frau in Richtung Ufer.“

Der Einsatz gelang innerhalb weniger Minuten. Der Hund stürzte sich zwischenzeitlich erneut zu Frauchen ins grundlose Loch, hatte am Ende aber auch wieder sicheres Land unter den Füßen. Michael Scholz schätzt, dass Cornelia Tann-Beling gut 20 Minuten im eiskalten Wasser verbrachte. In einem Rettungswagen wurde sie erstbehandelt. Sogar ein Rettungshubschrauber landete auf der Liegewiese oberhalb der Badestelle. „Alle Einsatzkräfte, auch die Notärztin aus dem Hubschrauber, haben sich super um mich gekümmert. Das Gleiche gilt für die Notaufnahme der Greifswalder Uniklinik, zu der ich mit dem Rettungswagen gebracht wurde“, lobt die Peenestädterin und dankt ihren Lebensrettern.

Gestern gegen 13 Uhr sitzt Conni wieder auf ihrer Wohnzimmercouch. „Körperlich ist alles wieder in Ordnung, nur die Fingerspitzen sind noch taub“, sagt sie. Auf ihrem Schoß hockt Spiro, der das Eisbad erstaunlich gut weggesteckt hat und sogar schon wieder zum Toben aufgelegt ist. Frauchen guckt aus dem Fenster in Richtung Buggenhagen. „Ich hatte so ein Glück. Die Familie aus Buggenhagen hat mir gesagt, dass sie um diese Zeit normalerweise nie spazieren geht. Der 14. Februar ist ab jetzt mein zweiter Geburtstag.“

Tom Schröter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Lürdersdorf
Technisch sichere Fahrzeuge und ein gut ausgestattetes Gerätehaus sind die Basis für die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren.

Brandschützer der Ortswehr Lüdersdorf im Landkreis Nordwestmecklenburg zogen Bilanz bei der Jahreshauptversammlung. Sie hatten 35 Einsätze im vergangenen Jahr.

mehr
Mehr aus Usedom
Verlagshaus Zinnowitz

Neue Strandstraße 31
17454 Ostseebad Zinnowitz

Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. von 10:00 bis 17:00

Leiter Lokalredaktion: Dr. Steffen Adler
Telefon: 03 83 77 / 36 10 14
E-Mail: zinnowitz@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.