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Usedom „Als Bürgermeister muss man auf die Menschen zugehen“
Vorpommern Usedom „Als Bürgermeister muss man auf die Menschen zugehen“
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00:00 13.01.2017

Ein OZ-Interview mit Bürgermeister Roland Meyer (69, prtl.) sorgte in dieser Woche für Gesprächsstoff auf Usedom. Im Interview äußerte er sich über die Zustände zur Unterbringung der minderjährigen Flüchtlinge und monierte unter anderem, dass diese aussehen, als kämen sie frisch vom Friseur und Klamotten würden sie auch noch tragen. Meyer verdeutlichte, dass eine Integration von der Gemeindevertretung nicht gewollt ist.

„Es waren kristallklare Fragen und entlarvende Antworten. Die Struktur eines Rassisten und eines Hetzers wurden bloßgelegt“, schreibt der Benzer Galerist Hannes Albers an die Lokalredaktion.

Ein Usedomer Amtskollege, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, wollte die Antworten von Roland Meyer auf Nachfrage nicht kommentieren. „Nur so viel: es war entlarvend. Da ich noch mit ihm, zum Beispiel beim Zweckverband, zusammenarbeiten muss, möchte ich keine Kollegenschelte betreiben“, betont er. Deutlicher wird da Amtsvorsteher Christian Höhn, der viele Antworten als „peinlich“

bezeichnet. „Zum Glück bin ich nicht bei Facebook und sehe dies alles“, sagt er. Heiko Miraß, Vorsitzender des Ausschusses für Flüchtlings- und Asylangelegenheiten des Kreises, zeigte sich gestern „überrascht“ von den Äußerungen. „Man kann nur hoffen, dass man nie in solch eine Situation gerät und als junger Mensch alleine flüchten muss“, sagt er. Damit die Entwicklung nicht über die Stränge schlägt, ist eine Annäherung zwischen den jungen Menschen und den Einwohnern wichtig“, sagt er.

Einer, der sich mit der Integration von Flüchtlingen auf Usedom auskennt, ist Sebastian Antczak. „Als Bürgermeister einer Gemeinde hat man eine Vorbildfunktion und sollte zeigen, dass man auf die Leute zugeht“, sagt er. Das Verhalten von Roland Meyer bezeichnet er als „kleinkindisch“. „Diese negative Grundhaltung kann man ablegen“, sagt er.

OZ-Leser Frank Holtgräfe aus Karlshagen äußerte sich in einer E-Mail über die Antworten. „Was mir aber fehlt, ist mehr Wissen über die Situation der Flüchtlinge in Mölschow. Gibt es eine 24-Stunden-Betreuung? Wie verbringen die Jugendlichen ihre Zeit?

Dazu sagt Karina Kaiser, Leiterin des Jugendamtes des Landkreises: „Die Jugendlichen machen das, was andere in ihrem Alter auch machen: Im Verein Fußballspielen, Spielen, Kochen, zur Schule gehen.

Sie befinden sich in der Entwicklung ihres Lebens“, sagt sie. Ein Hindernis in der Unterkunft sei jedoch oft die Sprachbarriere. „Wenn einige Bewohner die Unterkunft verlassen, kommen neue nach. Und bei verschiedenen Nationen kann die Sprache ein Problem sein.“

Derzeit leben 17 junge Männer und eine junge Frau zwischen 14 und 17 Jahren in der Unterkunft. „Sie werden von zehn Mitarbeitern rund um die Uhr betreut“, erzählt sie. Mindestens bis zum Sommer 2018 soll die Unterkunft bestehen bleiben. „In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter versuchen wir eine Anschlussbeschäftigung mit Erreichen des 18. Lebensjahres zu erzielen“, erklärt sie.

Auch Leser Gerd Rauschenbach aus Zinnowitz meldete sich zu Wort: „Jeder Ort hat den Bürgermeister, den er verdient. In Mölschow scheint dieser Posten nicht allzu begehrt zu sein. Anders kann ich mir nicht erklären, das Herr Meyer dort Bürgermeister ist.“

Bürgermeister Roland Meyer sagte gestern Abend, dass er zu seinen gesagten Äußerungen im Interview steht.

Hannes Ewert

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