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Als eine nackte Wade noch eine Sensation war

Bansin Als eine nackte Wade noch eine Sensation war

Die Autorin Sandra Lembke präsentierte in Bansin Kulturgeschichte auf unterhaltsame Weise

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Marianne Stoll, Sandra Lembke und Irene Schönfelder (v.l.) bestaunen im Hans-Werner-Richter-Haus einige der Stücke, die allesamt aus der Sammlung der Autorin stammen.

Quelle: Foto: Gert Nitzsche

Bansin. Eine kleine unterhaltsame Kulturgeschichte über Mode, Kochen, Körperpflege und Haushalt aus der Zeit von 1850 bis 1918 verbirgt sich hinter dem Buchtitel „Scheuersand & Schnürkorsett“. Erzählt wird sie von Sandra Lembke. Die in Neustrelitz geborene Autorin beschäftigt sich seit Längerem mit den Themen Geschichte, Adel und Theater. Am Silvesterabend 2014 fasste sie den Entschluss, ihre vielfältigen Recherchen in nationalen und internationalen Archiven zum Leben in der damaligen Zeit zu intensivieren.

Die Schriftstellerin hat bisher zwei Publikationen veröffentlicht. Nun schließt sich ihr neuestes Buch „Scheuersand & Schnürkorsett“ an. Asche als Pflegemittel, aus der Not geborene Küchenrezepte, beengende Korsetts: Das Leben der Frauen war in den Jahren von 1850 bis 1918 mühevoll, zeitraubend und aus heutiger Sicht mitunter skurril.

Vor einem interessierten Publikum im Bansiner Hans-WernerRichter-Haus ließ Sandra Lembke diese Epoche aufleben. Dafür folgte sie den Ratschlägen von Doktoren und Wunderheilern der damaligen Zeit.

Sie schilderte ihre Selbstexperimente und hatte verschiedene Utensilien und Bilder dabei. „Wie meine Frau sich auszieht, wie die dann aussieht“, war das Kapitel zur Körperpflege überschrieben. Schon eine nackte Wade einer Frau zu sehen, war fast eine Sensation, regte die Männer an. Unglaublich, aber wahr – Asche mit Mörser zubereitet, wurde als Zahnputzmittel verwendet – die Autorin plauderte über ihre eigenen Erlebnisse. Mit – „Ach Paula, mach die Bluse zu!“ – war die Mode deklariert. Gut zwei Kilogramm Kleidung belasteten die feinen Damen der Oberschicht. Ein ganzes Sammelsurium an Wäschestücken – Unterhemdchen, Korsett, Kleid und eine Vielzahl von Röcken – war zu tragen.

Eine wohlproportionierte Figur der Frau wurde durch die üppige Oberweite, volle Hüften und der sich atemberaubend anschließenden schmalen Taille gekennzeichnet. Das Korsett gehörte zur Grundausrüstung jeder Frau, die des öfteren, wenn zu eng geschnürt, sogar Luftprobleme bekam. Gezeigt wurden in Bansin erstaunlich gut erhaltene Wäschestücke, so auch aufkommende Hosenröcke oder ein Stück aus dem Jahr 1900, das zwei separate, pludrig geschnittene, oben zusammengenähte Beinkleider zeigte, die an der Taille zusammen gebunden wurden.

Interessantes aus der Arbeit im Haushalt verriet zudem das schwierige Leben zu jener Zeit. Es wurde zum Beispiel an lange Waschgänge erinnert und an das Agieren mit dem zwei Kilogramm schweren Bügeleisen. Das vorwiegend ältere Publikum genoss den unterhaltsamen Abend und mochte auch der abschließenden Erklärung der Autorin folgen, die da sagte: „Wie schön haben es doch unsere Frauen heutzutage.“

Gert Nitzsche

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