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Usedom Als ob Opa vom Kaiser erzählt
Vorpommern Usedom Als ob Opa vom Kaiser erzählt
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02:18 21.04.2017

Mit Lehrern, die meine Fächerkombination studiert hatten, konnte man damals im Westen die Straße pflastern. Im Osten aber wurden sie gesucht. Greifswald hatte ich zuvor bei einer Motorradtour gesehen. Beim Durchfahren vermutete ich fälschlicherweise, im Krieg sei alles bombardiert worden, weil viele der Gebäude so heruntergekommen aussahen. Dennoch bewarb ich mich in der Stadt – und wurde genommen.

Es war schwierig, eine Wohnung zu finden. Auf ein Zeitungsinserat meldete sich ein Greifswalder, der für die Vermittlung mehrere hundert D-Mark haben wollte. Das fand ich komisch. Positiv überrascht hat mich hingegen das Schulamt. Dort fragte man mich, ob ich Hilfe bei der Wohnungssuche bräuchte oder meine Frau bei der Jobsuche. Das wäre im Westen undenkbar gewesen.

Wir landeten in einem Plattenbau. Mein Nachbar kam auch aus dem Westen, wir beide vermissten das Osterfeuer. Das kannte hier niemand. Also haben wir auf dem Balkon etwas Holz angezündet, unser eigenes kleines Feuer gemacht.

Wir fanden schnell Freunde. Die Menschen begegneten uns aufgeschlossen und herzlich, wir wurden nicht beäugt. Auch die Lehrerkollegen waren nicht abgehoben, wie man es manchmal aus dem Westen kannte.

Mit großer Herzlichkeit halfen sie uns beim Umzug und wir staunten über ihr Geschick beim Transport großer Teile: „Ist ja nicht unser erster Umzug im engen Plattenbauhausflur!“

In der Schule schweißte uns alle das Entdecken und Lernen der neuen Möglichkeiten zusammen. Ein Oberstufenschüler schrieb in einer Arbeit 1992: „Entschuldigung, aber ich habe meine Meinung geschrieben.“ Ich musste erstmal lernen, dass das hier nicht üblich gewesen war, und die Schüler mussten lernen, dass sie nun ihre Meinung ausdrücken sollten. Im Unterricht behandle ich das Ost-West-Thema heute, wenn es passt, zum Tag der Deutschen Einheit etwa. Ich sage den Schülern immer: „Ihr müsst eure Eltern fragen, die haben es doch erlebt.“ Für die Kinder heute ist das Thema aber so weit weg wie für meine Generation, wenn Opa vom Kaiser erzählte.

Ans Zurückgehen in die alte Heimat habe ich nur ganz am Anfang gedacht. Für mich wurde mit der Zeit alles normaler, für die anderen lauter und schriller. Ich habe nie raushängen lassen, woher ich komme. Noch heute sind Leute überrascht, wenn sie hören, dass ich aus Gießen komme und aus Wilhelmhaven stamme. Dann fragen sie: „Wie, du bist nicht von hier?“ kl

OZ

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