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Usedom Amt dämpft Vorfreude auf Usedomer Kreisverkehre
Vorpommern Usedom Amt dämpft Vorfreude auf Usedomer Kreisverkehre
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00:01 14.09.2017
Jens Krage, Straßenbauamtsleiter in Neustrelitz, Rayk Langer und Michael Görlach (v.l.) stellten der OZ die künftigen Pläne für die Usedomer Straßen vor. Auf dem Bild zeigt Krage den Kreisverkehr von Ahlbeck, der vor dem Sky entstehen soll. Quelle: Fotos: Hannes Ewert

Die gute Nachricht zuerst: Die Insel Usedom bekommt einen weiteren Kreisverkehr. Allerdings soll dieser erst in zwei Jahren fertig sein. Sein Bestimmungsort ist die Abfahrt von Ahlbeck nach Korswandt vor dem dortigen Sky-Markt. Dies bestätigte der Neustrelitzer Straßenbauamtsleiter Jens Krage der OZ.

Der Bau wird in zwei Abschnitte unterteilt – ab Frühjahr 2018 von der Schul- bis zur Bahnhofstraße und ein Jahr später von der Bahnhofstraße zum Abzweig nach Korswandt. Die Herausforderung: Im Winter kann es witterungsbedingt schwierig sein zu bauen und im Sommer herrscht aufgrund der Ferien striktes Bauverbot auf den Straßen der Insel.

Die schlechte Nachricht: Es wird wohl der einzige Kreisverkehr sein, der in den kommenden Jahren auf Usedom errichtet wird. Der große Traum von Kreisverkehren in jedem Ort – wie es derzeit eine Volksinitiative fordert – ist laut Straßenbauamt Neustrelitz kaum realisierbar.

„Damit ein Kreisverkehr gebaut wird, müssen mehrere Faktoren erfüllt werden“, erklärt Krage. Dazu zählen unter anderem die Wirtschaftlichkeit, die Umweltfaktoren, die Kosten und Leistungsfähigkeit der Strecken. Und genau das ist das Problem. Anhand eines riesigen Zahlenwerkes versuchen die Verkehrsplaner deutlich zu machen, dass weitere Kreisverkehre auf Usedom nicht absehbar sind. „Ein Kreisverkehr macht zum Beispiel dort Sinn, wo nicht zuviel Verkehr herrscht – dann fließt es besser. Wichtig ist, dass alle Äste des Kreisels gut bedient werden“, sagt er. Heißt im Klartext: Es muss gezählt, geprüft und bewertet werden. „Jede Straße hat eine gewisse Verkehrsstärke. Zugrunde liegt in diesem Fall die 50. höchstbelastete Stunde des Jahres. Diese wird im Rahmen einer Verkehrszählung gemessen“, erklärt Krage. Oft wird diese zu ermittelnde Stunde an regnerischen Sommertagen erreicht, wenn auf Usedoms Straßen gar nichts mehr geht. Damit ein Neu-, Um- oder Ausbau ausgelöst wird, müssen bestimmte „Qualitätsstufen“ erreicht werden. „Es ist aber kaum möglich, diese Stufe zu erreichen. Früher wurde noch die 30. höchstbelastete Stunde zugrunde gelegt. Da hätten die Usedomer vielleicht mehr Chancen auf einen Kreisel gehabt“, sagt Krage.

Auch bautechnisch sei es nicht so einfach, einen Kreisverkehr überall zu platzieren. „Innerorts ist ein Durchmesser von 26 bis 40 Metern vorgeschrieben, außerorts von 30 bis 50 Metern“, erklärt der Verkehrsfachmann. Und aus diesem Grund ist es beispielsweise nicht möglich, einen Kreisel in Zinnowitz zu bauen. „Umliegende Grundstücke müssten erworben werden. Heißt, die Anwohner geben ihren Vorgarten oder ihr Grundstück auf, damit vor ihrem Wohnzimmerfenster die Autos langfahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies jemand mitmacht“, sagt er. Und wie teuer Grundstücke auf Usedom sind, sei hinlänglich bekannt.

Kerstin Teske aus dem Amt Usedom-Nord kennt das Problem. „Das sind Kosten, die niemand abschätzen kann. Mehrere Grundstücke kommen in Betracht, die weichen müssten.“ Ob dieser finanzielle Aufwand gerechtfertigt wäre, könne keiner vorhersagen. Sie wünscht sich eher eine neue Verkehrslösung in Karlshagen auf Höhe des Marktes von „Ihr Platz“. Dort hat in der Vergangenheit der Verkehr erheblich zugenommen.

Ein Vorteil haben die Kreisverkehre dennoch für Krage. „Sie sind sicherer als Ampelanlagen, denn innerhalb des Kreisels sind die Geschwindigkeiten sehr gering.“

Dennoch hält der Straßenbauamtsleiter an den Ampelanlagen fest. „Die Automengen, die durch eine Lichtzeichensignalanlage gesteuert werden, sind weit aus höher als die eines Kreisverkehres in der gleichen Zeit“, betont er.

Auch der Koserower Kreisel, der mit dem Bau von „Karls Erlebnisdorf“ errichtet wurde, stößt im Sommer manchmal an die Grenzen des Machbaren. „Man sieht auf Staugrafiken, dass die Autofahrer von Zempin nach Koserow und Stubbenfelde nach Koserow häufig warten müssen“, sagt Krage.

Auf die Frage, wo er sich einen möglichen Kreisverkehr vorstellen könnte, hat der Amtsleiter auch eine Antwort. „Zum Beispiel in Mellenthin, Bannemin und Schmollensee. Dies sind Straßen, die an allen Seiten einen hohen Zulauf haben“, erklärt er.

Bislang kamen bei der Volksinitiative bereits mehr als 3000 Unterschriften zusammen. „Sollte die Initiative durchkommen, und das Ministerium in Schwerin gibt uns ein Zeichen, dann müssen wir zunächst den Verkehr an allen Stellen zählen. Dies ist ein erheblicher Aufwand“, so Planer Rayk Langer.

Straßenbauamt Neustrelitz

Ein Straßennetz von rund 2000 Kilometern betreut das Straßenbauamt Neustrelitz in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte. Mehr als 60 kleine und große Baumaßnahmen sind jedes Jahr im Programm.

Im Januar 2015 übernahm das Straßenbauamt Neustrelitz das Gebiet rund um Usedom von seinen Kollegen aus Stralsund.

Über Sensoren im Asphalt werden die Autos gezählt. Im August fahren beispielsweise pro Tag 16342 Autos (in beide Richtungen) durchschnittlich durch Bannemin. An An- und Abreisetagen kann sich die Zahl auf 20000 Autos steigern.

Große Verkehrsprojekte, wie zum Beispiel Kreisverkehre, sind oft für die nächsten drei bis vier Jahrzehnte ausgelegt. Danach wird manchmal neu geplant. Eines der größten Projekte des SBA Neustrelitz ist die Ortsumgehung Wolgast. Derzeit befindet sich das Verfahren in der Planfeststellung.

Hannes Ewert

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