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Usedom Anderson in Klempenow
Vorpommern Usedom Anderson in Klempenow
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00:00 27.08.2014
Sie sind die Macher: Undine Spillner und ihr Lebenspartner Christian Herfurth. Quelle: Sven Jeske
Klempenow

Liedermacher Wolf Biermann nannte ihn ein Arschloch. Das war 1991 und sorgte bundesweit für Aufsehen. Ausgerechnet Sascha Anderson, Star der in den 1980er Jahren von ihm mitbegründeten rebellischen Dichterszene im Ostberliner Prenzlauer Berg, hatte Freunde jahrelang an den Staatssicherheitsdienst der DDR verpfiffen. Das ist inzwischen lange her, doch von den Betroffenen nicht vergessen. Regisseurin Annekatrin Hendel (50) hat sie und den Verräter befragt. Entstanden ist ein bewegender Dokumentarfilm, der am Sonnabend auf Burg Klempenow ausgestrahlt wird.

Anderson in Klempenow — das hatte Christian Herfurth noch gefehlt. Monatelang hatte der 32-Jährige am Programm für das diesjährige Klempenower Filmfest gefeilt. Und wurde das Gefühl nicht los, dass „irgendetwas noch nicht rund“ ist. Da sagte der Verleiher der Anderson-Doku zu. Ein Glücksfall! Für Herfurth die Krönung des Ganzen. Dass auch Grimme-Preis-Trägerin Annekatrin Hendel nach Klempenow kommt, um mit dem Publikum über ihren Streifen zu reden, macht die Sache geradezu perfekt. Christian Herfurth verschlingt Filme wie andere Bücher. Stets auf der Suche nach Geschichten, die persönliche Lebensumstände und globale Zusammenhänge vor Augen führen. Das von ihm und seiner Lebenspartnerin Undine Spillner organisierte Filmfest ist längst eine große Nummer im ländlichen Kulturbetrieb des Nordosten. In Vorpommern und Ostmecklenburg sucht es seinesgleichen. Drei Tage Filme, die nicht Mainstream sind, die keine großen Kinosäle füllen, aber viele Eindrücke hinterlassen — das macht es spannend, das ist der Anspruch des Klempenower Festes und zugleich seine Stärke. Wer das Filmfest besucht, wird danach einiges zu erzählen haben. „Wir bauen den früheren Stall um“, sagt Undine Spillner. „Er wird zum Kinosaal, mit ansteigenden Sitzreihen und einer elf Quadratmeter großen Leinwand.“ Hundert Leute, schätzt Spillner, finden so Platz. „Es gibt Besucher, die gucken das ganze Wochenende. Die sind danach völlig zerschlagen und müssen sich erstmal ein Kanu mieten, um wieder zu sich zu kommen.“ Dass mit dem Kanu sei gar kein Problem, gleich um die Ecke fließe die Tollense, gebe es eine Station. Wer nach Klempenow findet und der vielen interessanten Streifen wegen bleiben möchte, kann auf dem Festgelände zelten.

Alternativ wie das Filmprogramm ist die Band, die am Samstagabend aufspielen wird. „Herbst in Peking“, so ihr Name, war 1987 in Ostberlin gegründet worden und machte schnell mit gesellschaftskritischen Standpunkten von sich reden. Ihr Lied „Bakschischrepublik“ wurde zur Wendezeit die Hymne der DDR-Rockszene. Damals waren Herfurth und Spillner Kinder. Er in Berlin, sie im Tollensetal. „Ich war zehn, als mich meine Eltern zu Jahrmärkten auf die Burg Klempenow mitnahmen“, erinnert sich Spillner. Als Teenager habe sie hier Besucherkarten bei einem Konzert abgerissen. Sie ist dann nach Berlin gegangen, studierte Kulturmanagement und lebte die Großstadt. 2011 kehrte sie schließlich zurück, Christian Herfurth an ihrer Seite. „Wir haben das Filmfest geerbt“, sagt Spillner (32) und spielt auf dessen schon 10-jährige Geschichte an. Die Filmemacher kämen gerne, „weil es hier so schön ist“.



Sven Jeske

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