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Anklam kehrt Dorfstraße den Rücken

Anklam Anklam kehrt Dorfstraße den Rücken

Der Verein zeige nur noch geringe Aktivität — Mitglieder betonen seine Wichtigkeit

Anklam. Trotz oder Sparzwang? Neun Jahre nach ihrem Beitritt verlässt die von Finanzproblemen geplagte Hansestadt Anklam den Verein „Vorpommersche Dorfstraße“. Der zeige nur noch geringe Aktivität. Seit 2010 sei man an keinem Projekt des Vereins direkt beteiligt gewesen. Ungeachtet dessen habe man Jahr für Jahr einen Beitrag von 1000 Euro gezahlt — Geld, das wirksamer eingesetzt werden könne.

Klaus Brandt, Bürgermeister der Gemeinde Schmatzin, bedauert den Rückzug der Anklamer. „Das ist sehr schade. Auch weil wir mit dem Verein einen Verbund für die ländliche Region im und am Peenetal herstellen wollten.“ Brandt selbst war eine Zeit lang Koordinator des Vereins. Der habe immerhin bewirkt, dass Vorhaben von Mitgliedsgemeinden über das europäische Förderprogramm zur Entwicklung des ländlichen Raums (Leader) teilfinanziert wurden. Die Vorpommersche Dorfstraße habe wichtige Lobby-Arbeit für die Peeneregion geleistet und sei zeitweise so etwas wie das Zünglein an der Waage gewesen, wenn auf Kreisebene über die Vergabe von Fördermitteln aus dem Leader-Programm entschieden wurde. Der Landkreis Ostvorpommern hatte den Verein als maßgebliche Initiative zur Entwicklung des ländlichen Raumes beidseits der Peene eingestuft. Förderanträge, die im Zusammenhang mit der Dorfstraße stünden, hätten beste Chancen, berücksichtigt zu werden, hieß es seinerzeit. Damit ist es nun vorbei. Für das neue Leader-Programm spiele die Dorfstraße keine Rolle mehr, räumt Klaus Brandt ein. Man müsse sich Gedanken darüber machen, wie es weitergehen soll, wie der Verein wieder in eine wichtige Position kommen könne.

Vergeblich versuchte die Initiative in den vergangenen Jahren, Landesregierung und Politik für den Radwegebau nördlich und südlich der Peene zu gewinnen. Leider gebe es für das sogenannte Hinterland keine starke politische Lobby, erklärte Vereinsvorsitzender Marcel Falk, Bürgermeister der Gemeinde Stolpe.

In Anklam beteuert man, trotz des eigenen Rückzugs Partner des Vereins bleiben zu wollen, „damit der Rad- und Wanderweg von Anklam nach Stolpe Realität wird“. „Wir hoffen, dass Anklam eines Tages wieder zu uns stößt“, sagt Klaus Brandt. Mit einer Austrittswelle rechnet er nicht. „Wir haben Signale, dass wichtige Partner in der Vorpommerschen Dorfstraße verbleiben.“ Um das Problem fehlender Rad- und Wanderwege wach zu halten, wolle man sich demnächst mit dem Förderverein „Naturpark Peenetal“ und dem Tourismusverband Vorpommern beratschlagen. „Wir tüfteln gerade aus, wie die Problematik öffentlichkeitswirksam dargestellt werden kann.“

Von Sven Jeske

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