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70 Jahre alter Anker vor Freest geborgen

Freest 70 Jahre alter Anker vor Freest geborgen

Taucher und Fischer ziehen rostiges Ungetüm an Land / Fundstück soll in die Heimatstube

Freest. Seit Tagen liegt ein verrostetes Ungetüm im Freester Hafen. Es ist ein alter Schiffsanker, an dem sich noch Reste einer stark von Rost befallenen Ankerkette befinden. Was hat es damit auf sich?

Bereits im November vergangenen Jahres entdeckte der Freester Fischer Helmut Freymann vorm hiesigen Strand am Grund in drei Meter Wassertiefe einen unbekannten Gegenstand und markierte diese Stelle.

Schnell wurde spekuliert: War hier womöglich eine Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg, die von angloamerikanischen Bombern auf die damalige Heeresversuchsanstalt in Peenemünde geworfen wurden, außer Kurs geraten und bisher unentdeckt geblieben?

Nun gab es endgültige Gewissheit: Havarie- und Bergungstaucher Helge Laudel (51) nahm den Gegenstand in Augenschein. „Ich fand einen alten Anker, total verrostet und mit Muscheln besetzt, etwa 250 Kilo schwer“, blickt Taucher Helge zurück. Mit an der Bergung beteiligt waren auch die Freester Fischer Toni Gutzmann (56), Michael Gnasnick (35) sowie Holger Müller (35) mit zwei kleineren Fischerbooten.

Wie aber den Anker an die Wasseroberfläche befördern? Die Lösung: Mit acht leeren Plastekanistern, die am Anker befestigt wurden, ergab sich ein Auftrieb von 200 Kilogramm, die den Anker vom Grund des Wassers aufstiegen ließ, so dass er nun mit den beiden Fischerbooten in den Freester Hafen geschleppt werden konnte. Mithilfe der Winde an Müllers Fischkutter wurde der Anker anschließend aus dem Wasser gehievt und an die Kaikante gelegt. Schnell waren sich die Männer einig: Der Anker lag dort mindestens 70 Jahre oder noch länger im Wasser.

Bei der Bergung war auch der ehemalige Freester Fischer Werner Maas (79), gewissermaßen ein Zeitzeuge aus vergangenen Tagen, zugegen. „Früher existierte der Freester Hafen noch nicht in seiner heutigen Struktur, so dass größere Schiffe und Boote oder jene mit zuviel Tiefgang direkt am Strand vor Anker gingen, während kleinere in einigen damals noch existierenden Gräben ihren Platz fanden“, weiß Werner Maas, der selbst von Mitte der 1950-er Jahre bis 1992 als Fischer in Freest arbeitete.

Und eines dieser größeren Boote muss sich damals vermutlich bei starkem Seegang von dem jüngst geborgenen Anker losgerissen haben. Das Besondere: Dieser Anker war ein sogenannter Dauerlieger, was bedeutet, dass er selbst nicht von Schiffen mitgeführt wurde, sondern ständig am Strand lag und sich an Land fahrende Boote lediglich an ihm fest und wieder los machten. Zudem besaß er nur einen Flunken (Ankerspitze), die zweite war schon damals entfernt worden, damit sich bei starkem Seegang oder ungünstigen Strömungsverhältnissen die Ankerkette nicht daran verhedderte.

Für dieses Fundstück aus längst vergangenen Fischereitagen gibt es auch schon eine nützliche Verwendung: Der Anker wird demnächst der hiesigen Heimatstube als Geschenk übergeben.

Peter Machule

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