Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
„DDR-Technik ist nicht mehr zeitgemäß“

Greifswald „DDR-Technik ist nicht mehr zeitgemäß“

Kreisbrandmeister Marko Stange fordert moderne Ausstattungen und hofft auf neue Wehrmitglieder

Greifswald. Die Personalsituation gilt bei den Feuerwehren im Landkreis Vorpommern-Greifswald als größte Sorge. Im OZ-Interview macht Kreisbrandmeister Marko Stange auf weitere Missstände aufmerksam.

Welche Probleme haben die Freiwilligen Feuerwehren?

Marko Stange: Mein Wunsch ist, die DDR-Technik, die wir noch haben, komplett auszutauschen. Die Wende ist 27 Jahre her. Das bedeutet, dass die DDR-Technik meist älter als 30 Jahre ist – oder noch älter. Manche Fahrzeuge sind auch erst nach 53 Jahren ausgetauscht worden.

Stehen zu wenige zur Verfügung?

Stange: Nein, es geht um Qualität.

Jedes Jahr haben die Feuerwehren weniger Mitglieder. Wie schwer wiegen diese Verluste?

Stange: Noch können wir sie kompensieren. Aber wir sagen auch schon lange genug, dass wir zu wenig Personal haben. Wie lange betreiben wir schon Personalwerbung, die für die Katz ist? Es kommen ja keine neuen Leute. Als Kreisfeuerwehrverband waren wir zum Beispiel dreimal in Folge auf der Leistungsschau der Uecker-Randow-Region in Pasewalk. Da wirbt der Verband für sich – mit Luftballons und ähnlichem. Aber diese Personalwerbung bringt nichts. Gibt es zu wenige Feuerwehrmänner und -frauen, muss die Bevölkerung mit Einbußen bei ihrer Sicherheit leben.

Wie lässt sich das fehlende Interesse erklären?

Stange: In Umfragen wird der Feuerwehr immer ein hohes Vertrauen ausgesprochen. Aber die Leute wohnen dort, wo sie Jobs finden. Die Arbeit ist oft nicht in Vorpommern, das müssen wir anerkennen. Wenn zum Beispiel jemand zu seinem Arbeitsplatz pendeln muss und am Freitag oder am Wochenende nicht mehr zur Feuerwehr gehen möchte, kann man das verstehen. Darf ich Sie fragen:

Sind Sie in der Feuerwehr?

Nein, ich bin nicht in der Feuerwehr.

Stange: Haben Sie sich mal gefragt, warum das so ist?

Ganz ehrlich: Weil es mir wahrscheinlich zu anstrengend wäre. Weil es eine Verantwortung wäre, die ich nicht tragen kann und wahrscheinlich viel mehr nicht tragen will.

Stange: Damit wären Ihre Fragen eigentlich beantwortet.

Mich würde es wahrscheinlich nicht motivieren, aber vielleicht andere Leute: In Wetter (Nordrhein-Westfalen) gibt es ein Punktesystem. Am Ende des Jahres werden Punkte für Einsätze und Fortbildungen in Geld umgewandelt. Halten Sie das für eine gute Idee?

Stange: Nein. Also definitiv nicht in Vorpommern. Es gibt Gemeinden, die ihren Feuerwehrleuten pro Einsatz eine bestimmte Summe bezahlen. Das variiert, von zwei Euro bis fünf Euro oder mehr.

Eine andere, härtere Maßnahme wären Zwangsverpflichtungen.

Stange: Das ist eine schlechte Idee. Wir hatten bereits Pflichtfeuerwehren in MV und vielleicht werden wir sie irgendwann wieder haben. Aber wenn ich zu etwas gezwungen werde, dann will ich mich dem doch entziehen. Als Freiwilliger bin ich motiviert. Dann bin ich schnell am Gerätehaus. Im Gegensatz zum Zwangseinsatz. Dann kommt man vielleicht eine halbe Stunde später – dann sind die anderen aber schon weg. Eine Pflichtfeuerwehr ist der größte Blödsinn, den es gibt.

Welche Lösungen schlagen Sie stattdessen vor?

Stange: Ich habe keine Lösungen. Ich weiß es nicht. Man bemüht sich um neue Mitglieder, das ist auch gut. Aber wir gewinnen keine neuen Feuerwehrmitglieder. Das ist ein Problem.

Welche Eigenschaften muss ein Feuerwehrmann mitbringen – neben Pünktlichkeit und Verantwortungsbewusstsein?

Stange: Fachkompetenz. Und auch etwas, was es im Kapitalismus so nicht mehr gibt, damals im Sozialismus haben wir es noch gelernt: eine Vorbildfunktion erfüllen. Dieses Denken, das sagt: Da ist jemand, der es richtig macht, von dem wir alle etwas lernen können.

Wie lange sind Sie bereits in der Feuerwehr?

Stange: Seit 1987. Bereits mein Vater war in der Feuerwehr.

Christopher Gottschalk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kröpelin
Das bisherige Schild der „Villa Kunterbunt“ in Kröpelin wird demnächst ausgetauscht.

Nachdem unlängst eine Markennamen-Gebührenforderung der Lindgren-Erben an eine süddeutsche Kita namens „Villa Kunterbunt“ publik gemacht worden war, kümmerten sich die Kröpeliner Träger der hiesigen Kita „Villa Kunterbunt“ um eine Namensänderung.

mehr
Mehr aus Anklam
Verlagshaus Zinnowitz

Neue Strandstraße 31
17454 Ostseebad Zinnowitz

Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. von 10:00 bis 17:00

Leiter Lokalredaktion: Dr. Steffen Adler
Telefon: 03 83 77 / 36 10 14
E-Mail: zinnowitz@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.