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Der alten Heimat ein Stück näher

Anklam Der alten Heimat ein Stück näher

600 Gäste zeigten beim Frühlingstreffen der Ostpreußen in Anklam seit 22 Jahren ungebrochenen Gestaltungswillen.

Anklam. Glück gehabt! Der Wintereinbruch, der in der Region mehr als zehn Zentimeter Neuschnee und viele Verwehungen brachte, setzte erst in der Nacht zum Sonntag ein.

Und so reisten die mehr als 600 Teilnehmer, die ein gemeinsames Schicksal verbindet, am 9. März noch komplikationslos aus Hamburg, Leipzig, Wismar Schwerin oder Soest nach Anklam an, um das Frühlingstreffen der Ostpreußen mitzuerleben.

Diese starke Resonanz darf durchaus als Erfolg für den Veranstalter, den Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV), gewertet werden. 1991, damals noch im Theater, kamen 500 Landsleute. Seitdem haben Manfred Schukat, Friedhelm Schülke es immer wieder geschafft, Großveranstaltungen ohne Qualitätsgefälle zu organisieren, wofür die in die Jahre gekommenen Ostpreußen zutiefst dankbar sind.

Ehrengäste brachten Glückwünsche: Es sei eine sinn- und freudvolle Sache, gemeinsam die Erinnerungen feiern zu können, stellte Bundestagsmitglied Matthias Lietz (CDU) fest. Durch die Freiheit der Informationsmöglichkeiten müsse der schnelllebigen Gesellschaft berichtet werden, wo die Großeltern gewohnt haben und welche traumatischen Erlebnisse Fluchtversuche und schließlich Vertreibung für sie waren. Der Verlust der Heimat als Folge des Krieges führte zum Verlust edelster Werte jedes Menschen.

Dirk Bierwerth von der Stadtverwaltung, der in den 22 Jahren ein treuer Begleiter der Treffen war, hob auf die ungebrochene Beteiligung ab. Seitdem seien Veranstaltungen der Heimatvertriebenen die größte ehrenamtliche Kulturveranstaltung in Anklam.

Bevor Prof. Jürgen Udolph vom Zentrum für Namensforschung Leipzig seinen höchst interessanten Festvortrag mit dem Titel „Woher kommen und was bedeuten unsere Familiennamen“ hielt, sprach Pfarrer i.R.

Siegfried Barsch aus Züssow das geistliche Wort über den Wert eines Namens. Sein Credo: „Jeder Name ist ein Schicksal, eine Lebensgeschichte.“

„Namen, die vor 600 bis 800 Jahren entstanden, enthalten Informationen und sind Zeugen der Geschichte“, so Udolph. In Deutschland gibt es eine Million Familiennamen. Aber woher kommen die Vorfahren?

Mit der Kartierung der Namens-CD 1998 und dem Reichstelefonbuch Vorpommern 1942 sei ein neues Kapitel der Genealogie aufgeschlagen.

Historische Ereignisse, wie die Flucht, Auswanderung oder gewaltsame Umsiedlung erklären apodiktisch, warum gehäuft ostpreußische Namen in Schleswig-Holstein vorkommen, dagegen in Mecklenburg-Vorpommern der Name Westphahl. Auch Papke, Pastörchen, hätten hingegen eindeutig vorpommersche Wurzeln.

Die Herzen und Hirne konnten ganz sicher der Posaunenchor Bansin sowie die jungen „Botschafter“ aus der 700 Kilometer entfernten, ehemaligen Heimat erreichen; der farbenprächtig gekleidete Kant- Chor Gumbinnen, das einst als „Klein Venedig“ bekannt war, und die Jugendtanzgruppe Saga Bartenstein. Natürlich diente dieses Treffen am Heimattisch oder Büchertisch dem Wiedersehen und dem Austausch.

Günter Manthei

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