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Eine kleine Kulturrevolution

Anklam Eine kleine Kulturrevolution

Kunstschaffende des Kreises wollen ein Gremium gründen, das ihre Interessen gegenüber der Politik vertritt.

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Was ist Kunst noch Wert? Kulturschaffende wollen den Institutionen des Kreises eine Stimme geben.

Quelle: Theater

Anklam. Kulturschaffende des Landkreises Vorpommern-Greifswald solidarisieren sich: Sie wollen einen Verbund gründen, der ihre Interessen bündelt und gegenüber der Politik zum Ausdruck bringt. „Hier fehlt eine Stimme für knallharte Lobbyarbeit“, sagte Kreistagspräsident Michael Sack (CDU). Er hatte am Donnerstagabend mit dem „Aktionsbündnis Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt“ und dem „Kulturspeicher Ueckermünde“ zu einem Runden Tisch nach Anklam geladen.

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Was ist Kunst noch Wert? Kulturschaffende wollen den Institutionen des Kreises eine Stimme geben.

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Ergebnis: Die Basis stimmt, die Infrastruktur nicht. „Ich sehe mich als Türöffner, um Kontakt zum politischen Raum herzustellen. Aber dafür brauche ich ein Gremium, einen Ansprechpartner. Ich kann nicht mit jedem reden“, so Sack. Hintergrund ist das Debakel um die langfristigen Kulturfördergelder. Weil das Innenministerium den Kreishaushalt für 2013 nicht genehmigte, bekommen die Kultureinrichtungen kein Geld.

Es ist die Heimvolkshochschule in Lubmin, die die Honorare der Referenten so weit drücken muss, bis das schlechte Gewissen Überhand nimmt. „Wie sollen die freien Mitarbeiter davon leben?“, fragt die Leiterin Birgit Eckert. Es ist der Verein „Neuer Kunstkreis in Anklam“, deren internationaler Plakatwettbewerb für Kunst- und Designschulen auf der Kippe steht. „Es macht so müde, diese furchtbare Bettelei um Förderung für ganz normale Dinge“, so die Mitinitiatorin Edith Kummert. Und es ist auch das Schloss Ludwigsburg bei Greifswald, in dem es nur noch eine Notbesetzung gibt.

„Das lässt nichts Gutes für die Zukunft erahnen“, sagt Benno Plassmann vom Aktionsbündnis. „Es wird sich nichts ändern. Es wird nicht besser, außer wir machen es besser“, gab er sich kämpferisch, setzte zumindest auf eine kleine Revolution am Donnerstagabend. „Paragraf 16 der Landesverfassung sieht vor, dass Land, Gemeinden und Kreise sowohl Kultur als auch Kunst schützen und fördern sollen.

Das passiert im Moment nicht“, so Plassmann. „Wir haben einen solchen Schatz an Institutionen, eine solche Power“, pflichtete Frauke Lietz ihm bei. Sie betreut das Projekt „Die Kunst von Kunst zu leben“ in Mecklenburg-Vorpommern.

Doch das hilft alles nichts, wenn jeder für sich allein steht. „Ob Kulturrat oder Kreiskünstlerbund, mir ist egal, wie das Kind am Ende heißen wird“, sagte der Kreistagspräsident. Doch die Arbeit müsste konzentriert werden, damit Einzelne Gehör finden.

Ein Gründungstermin wurde auch schon festgelegt: der 25. Mai. Einladen wird Martin Schröter, der das KuKuKa-Festival (Kunst-Kultur-Kajüte) koordiniert. Es startet zur selben Zeit in deutschen und polnischen Orten rund um das Stettiner Haff. „Dieser Termin ist etwas ganz Besonderes und wird das Programm bereichern“, sagt er. „Es ist ganz beachtlich, was heute Abend entschieden wurde. Das Finale wird der gegründete Beirat sein.“ Eine Arbeitsgruppe will sich in den kommenden Wochen damit beschäftigen, wie das Gremium gewählt werden könnte.

„Ich hoffe, dass Kunst- und Kulturschaffende in Vorpommern endlich aufwachen und eine gemeinsame Basis finden. Denn wir hängen alle am selben Tropf“, meinte Christel Schmidt vom Förderverein Schloss- und Gutshofanlagen in Ludwigsburg. Als „Initialzündung“ bezeichnete Frauke Lietz den Schritt. „Es waren heute Abend Vertreter aus Politik, Verwaltung und Kultur dabei. Das zeigt, dass jeder mitmachen kann.“

Die Beteiligten wünschten sich insgesamt eine größere Wertschätzung ihrer Arbeit. Sie locke Touristen und sei damit auch Wirtschaftsmotor. Sie sei kein entbehrliches Freizeitangebot und kläre gegen neonazistische Entwicklungen auf. „Doch das ist schwer, wenn gleichzeitig die freien Träger kaputt gemacht werden“, sagte Plassmann.

Irene Burow

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