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Frisch gezapft: Milch aus stählerner Kuh

Groß Ernsthof Frisch gezapft: Milch aus stählerner Kuh

Landwirt René Marquardt aus Groß Ernsthof eröffnete jetzt eine Kuhmilch-Tankstelle mit Selbstbedienung

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Sohn Aaron zeigt, wie es geht. Er zapft frische Milch in eine der bereitgestellten Flaschen. Vater René Marquardt und Tochter Aimee gucken ihm dabei über die Schulter.

Quelle: Fotos: Tom Schröter

Groß Ernsthof. „In der Milchkrise haben wir ganz schwer geblutet, so wie alle anderen Milchbauern auch“, resümiert Landwirt René Marquardt aus Groß Ernsthof. „Nur durch unsere Bullenmast konnten wir das finanziell etwas abfedern.“ Wie berichtet, erhielten die Milcherzeuger von den Molkereien vor wenigen Monaten zuletzt nur noch um die 20 Cent pro Liter Rohmilch. Inzwischen ist der Preis wieder auf über 30 Cent geklettert. Ein Erlös von 35 Cent gilt den Bauern als Voraussetzung für einen rentablen Betrieb.

 

OZ-Bild

Blick ins Innere des Automaten: Hier stehen zwei Milchkannen, die jeweils 50 Liter fassen.

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Um sich vom Preisdiktat der Molkereien etwas abzukoppeln, richtete René Marquardt Ende Dezember eine Milchtankstelle an der Kreisstraße 22 in Groß Ernsthof ein. In dem Holzhäuschen kann jeder, der möchte, frische Rohmilch zapfen. „Das Angebot wird gut angenommen“, freut sich der 42-Jährige. „Wir haben Kunden, die kommen sogar nachts, wenn sie von der Spätschicht nach Hause fahren.“ Immer morgens, so erläutert der Groß Ernsthofer, werde die Zapfstation mit Rohmilch aus eigener Produktion befüllt. „Im Automaten befinden sich zwei 50-Liter-Milchkannen und die nötige Technik.“

Die Handhabung ist kinderleicht. Der Kunde steckt zunächst Geld in den Automaten, der Münzen und Banknoten bis zu 20 Euro schluckt und auch Wechselgeld ausgibt. Hinter einer Klappe verbirgt sich eine Befülllanze, von der aus mitgebrachte oder vor Ort gekaufte Behältnisse dann nach Belieben gefüllt werden. „Normale Milchflaschen oder die gute alte kleine Milchkanne eignen sich am besten“, so Marquardt. Mit dem Veterinäramt und der Hygienebehörde sei der neuartige 24-Stunden- Service abgestimmt. „Die Milch ist vollkommen unbehandelt und fester als die aus dem Supermarkt“, schwärmt Kundin Nazife Karanfil aus Wolgast. „Daraus kann man zum Beispiel sehr guten Joghurt herstellen.“

„Wir wollen die familiäre Landwirtschaft erhalten. Das ist in unserer Gegend, die durch die Agrarstruktur der großen LPG’n geprägt ist, nicht einfach“, sagt René Marquardt. Auf die Idee mit der Milchtankstelle sei er während seiner häufigen Urlaubsaufenthalte im Spreewald gekommen. „Dort wird die Direktvermarktung großgeschrieben, mit der die kleine Landwirtschaft überhaupt nur überleben kann“, sagt er. „Auf dem freien Markt hätten die Familienbetriebe keine Chance. Dabei schmeckt eine direkt beim Bauern gekaufte Gurke oder auch selbstgemachte Marmelade einfach besser.“

Ehefrau Sandra Marquardt- Schulz kann sich einen Ausbau der Direktvermarktung der Marquardt GbR vorstellen. „Leute, die Milch holen, fragen schon, wann denn nun das Fleisch kommt und Butter und Käse“, erzählt sie. Ein Bedarf an Produkten aus der Region sei also vorhanden. Zunächst jedoch muss der bereits in der vierten Generation geführte Traditionsbetrieb die jüngste Investition verdauen.

Denn: Mit allem, was dazugehört, koste solch eine Kuhmilch- Tankstelle um die 20000 Euro.

Betrieb in vierter Generation

zur Marquardt GbR 360 Hektar Acker, auf denen Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Erbsen, Lupine, Luzerne und Mais gedeihen.

Zum Betrieb gehören außerdem 90 Milchkühe, weibliche Nachzucht und eine Bullenmast. Die Milchkühe werden jeweils morgens und abends gemolken. Die Milch enthält laut Angaben von René Marquardt etwa 4,6 Prozent Fett und 3,7 Prozent Eiweiß. Die an der Kuhmilch-Tankstelle erhältliche Milch komme vom eigenen Hof und sei gänzlich unbehandelt.

Tom Schröter

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