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Für die Straßenkinder ist er der Papa

Balm Für die Straßenkinder ist er der Papa

Uwe Marschall aus Balm unterstützt seit vielen Jahren notleidende Kinder in Madagaskar

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Uwe Marschall und sein junger Gast Nirina aus Madagaskar, der die Sprachschule in Wolgast besuchen wird.

Quelle: Ingrid Nadler

Balm. Der Mann wohnt in Balm in einem ungewöhnlichen Haus und er hat eine ungewöhnliche Geschichte. Er heißt Uwe Marschall und ist vor neun Jahren aus Berlin weggezogen und auf die Insel gekommen, wo er sich auf dem Grundstück seiner Mutter eben dieses besondere Haus gebaut hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hilfe für soziale Projekte

Basierend auf seiner 7-jährigen Arbeit als Entwicklungshelfer in Madagaskar gründete Uwe Marschall 1998 seine Fair Handelsfirma Mahafaly. Ziel ist es, traditionelles Handwerk zu stützen und Nischenartikel auf dem hiesigen Markt zu etablieren. Alle Verarbeitungsstufen bis zur Verpackung verbleiben im Entwicklungsland. Von den Erlösen werden soziale Projekte gefördert.

• www.mahafaly.de

Die Geschichte, um die es hier geht, beginnt mit einer Wette. Das war noch vor der Wende. „Ich war bei einem Kumpel, der in Bitterfeld gemeinsam mit jungen Leuten aus Madagaskar studiert hat. Bei einer feucht-fröhlichen Feier haben wir verkündet, dass wir, wenn die Mauer fällt, nicht nach Frankreich, Italien oder Spanien reisen werden, sondern nach Madagaskar.“

Es kam die Zeit, in der Uwe Marschall im Neuen Forum mitgewirkt und mit Bärbel Bohley am Runden Tisch gesessen hat. Der gelernte Tontechniker, der jahrelang im Friedrichstadtpalast gearbeitet hat, hatte inzwischen einen Copi-Shop eröffnet, mit dem er nicht gerade glücklich war. Die Wette war fast vergessen. Bis 1993 jener Kumpel vor der Tür stand. „Komm, wir machen das jetzt!“

Uwe Marschall war 33 Jahre alt, als sich sein Leben grundlegend verändern sollte. „Wir sind drei Monate als Rucksacktouristen durch Madagaskar gewandert, bis ein Schlüsselerlebnis uns die Sorglosigkeit für immer genommen hat. Wir haben vom Balkon unseres Hotels aus acht bettelnde Kinder gesehen, die im strömenden Regen unter Pappkartons Schutz gesucht hatten. Wir haben dann mit Hilfe eines Dolmetschers viel über die Probleme der Straßenkinder erfahren, die es überall im Land zu Hunderten gibt. Wir haben uns in den drei Wochen, die uns noch verblieben, um die zwei Mädchen und sechs Jungen gekümmert, haben ihnen zu essen gegeben und Ausflüge mit ihnen gemacht. Zum Schluss haben sie zu uns Papa gesagt. Das ist uns an die Seele gegangen.“ Zu Hause angekommen, hat Marschall Freunden Fotos gezeigt, Spenden gesammelt und Kontakt zu Hilfsorganisationen aufgenommen. Bald hatte er 4000 Mark zusammen und, weil die DDR in Auflösung war, tonnenweise Haushaltsgerätschaften. „Die Interflug hat uns einen Hilfsflug spendiert. So konnten wir eine Straßenkinderschule einrichten.“

1994 wurde der Verein „Mahafaly“ gegründet, dessen Projektleiter Uwe Marschall war. „Wir haben uns die etappenweise Resozialisierung der Straßenkinder vorgenommen, die mit der medizinischen Versorgung und dem Angebot von Bildung beginnt und sich bis zur Berufsausbildung erstreckt.“ Das hat Marschall fünf Jahre lang gemacht. Mehr und mehr von der Überzeugung getrieben, dass man die Menschen nicht „alimentieren“ darf. „Reine Spenden verfehlen meist ihren Zweck. Man muss ihren Selbsthilfewillen wecken. Der Mensch entwickelt sich nunmal durch Arbeit.“

Aber Marschall war kein Aussteiger. Nach Deutschland zurückgekehrt, gründete er 1998 eine Firma, die sich dem fairen Handel verpflichtet sieht. Er beschreibt das Konzept, und wie es dazu gekommen ist, so: „In den Vororten der Hauptstadt gibt es schon lange kleine Manufaktoren für einheimisches Blechspielzeug. Fasziniert von dem Geschick der Handwerker habe ich in meinen Jahren als Entwicklungshelfer mit den am Existenzminimum lebenden Menschen ein Fair-Handelskonzept für die Herstellung von Recycling-Kunst entwickelt. Wir haben auch die Idee der Straßenkinder, die alte Werbedosen umfunktioniert haben, aufgegriffen und zu einer stetigen Produktion ausgebaut. In reiner Handarbeit bekommt der Zivilisationsmüll aus Büchsen, Drähten und Spraydosen wieder eine neue Wertigkeit. In den 12 Familienbetrieben entstehen so absolute Unikate der Metallbaukunst. Das Wichtigste: Wir verhandeln mit den Produzenten als Partner, auf Augenhöhe, damit sie von ihrer Hände Arbeit leben können.“

In der Heringsdorfer Klenzestraße hat Uwe Marschall einen Laden eingerichtet, in dem es Produkte aus der Blechmanufaktur Mahafaly zu kaufen gibt.

Ingrid Nadler

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