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Heidschnucken müssen Wollmantel abgeben

Greifswald Heidschnucken müssen Wollmantel abgeben

Für Schafe auf der Greifswalder Oie gab es eine Schönheits-Kur.

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Unter den Schafen herrschte während der Schur Stress.

Greifswald. Einmal im Jahr geht es ihnen an den Kragen: Den Heidschnucken auf der Greifswalder Oie. Die Schafe müssen geschoren, die Klauen beschnitten und die Gesundheit überprüft werden. Mit Friseur, Maniküre und Pediküre gibt es das volle Schönheits-Programm.

Die Männer um Mathias Mähler, dem Leiter der Biologischen Station auf der Oie, holen sich dafür Profis. Kürzlich stiegen deshalb Michael Wilms und seine Leute samt Schur-Technik auf die „Seeadler“.

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Unter den Schafen herrschte während der Schur Stress.

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Das Fahrgastschiff bringt täglich von Peenemünde und Freest Touristen auf das Eiland. Wilms ist Vollprofi in Sachen Schafschur. Der 46-Jährige hat Schäfer gelernt und sich Mitte der 90er Jahre selbstständig gemacht. „Ich war erst Angestellter, hab wenig verdient und musste das machen, was mein Chef sagt“, erzählt der Rostocker. „Jetzt werd‘ ich zwar auch kein Millionär, aber ich bin frei und lebe gern dieses rastlose Leben, auch wenn uns manche Woll-Vagabunden nennen.“ Wilms‘ Scher-Rekord sind 230 Schafe am Tag. „Ob ich die heute noch schaffe, weiß ich nicht“, sagt er, „aber ich würde bestimmt dicht herankommen“. Aber Michael Wilms ist kein Einzelkämpfer. An seiner Seite stehen drei derbe Männer: Patrick, Bogdan und Miteck. „Wir arbeiten seit sieben Jahren zusammen“, sagt Wilms. Er wechselt seine Mitarbeiter ungern schnell. „Wenn ich sehe, dass einer arbeiten kann und in Ordnung ist, kann er so lange bleiben, bis er keine Lust mehr hat.“

Berufsschafscherer zu sein ist eine harte Sache. Die meisten Leute aus dieser Branche sind schon Mitte 30 gesundheitlich angeschlagen. Oft macht ihnen durch die gebückte Haltung der Rücken Probleme.

Die Saison beginnt oft im Februar, geht bis Mitte Juli und auch im Herbst gibt es noch viel zu tun. Wilms‘ kleines Unternehmen schert pro Jahr 15 000 Schafe. Die werden nicht nur in MV aus dem Wollmantel geholt, sondern vor allem in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Michael Wilms hat aber auch schon in Rheinland-Pfalz und Frankreich geschert. In dem Beruf gilt immer noch der Handschlag als Vertrag. Auf der Greifswalder Oie war Wilms zum ersten Mal. „Dass die Tour anderthalb Stunden dauert, hätt‘ ich nicht gedacht.“ Er wusste auch nicht, dass nur knapp 80 Schafe zu scheren sind und nicht 130. Die Lämmer kommen schließlich erst im nächsten Jahr unters Messer. Nur drei Stunden Zeit blieben den Männern. Die „Seeadler“ muss eben den Fahrplan einhalten.

Und dann zeigten die Schafscherer, dass sie den Job beherrschen. Patrick trug die etwa 30 Kilo schweren Tiere nacheinander zu den Scher-Plätzen. Er nahm die Gehörnten in den Schwitzkasten und bediente so seine beiden Kollegen an den Schermessern, während Wilms die Klauen beschnitt. Allerdings standen die Tiere nicht artig an und warteten. Unter den Heidschnucken herrschte Stress. Das war zu sehen und zu hören. Und so galt es, sich besonders vor den Hörnern in Acht zu nehmen, die auch die weiblichen Tiere tragen.

Als das 76. Tier geschoren war, kamen auch die letzten Touristen zurück aus dem Inselwald. Den hatten Michael Wilms und seine Leute nicht einmal zu Gesicht bekommen. „Im nächsten Jahr“, so versicherte er während der Rücktour, bleiben wir zwei Tage.“

Mehr Schafe als Menschen
Auf der Greifswalder Oie leben nur ein Dutzend Menschen, aber mehr als 100 Schafe. Sie „mähen“ bestimmte Flächen, die der Verein Jordsand — er betreut die Naturschutzinsel — nicht verbuschen lassen möchte. Heidschnucken, so heißt die Rasse, sind pflegeleicht und machen wenig Arbeit.

 

 

Stefan Brümmer

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