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„Ich finde, der Zahnarzt ist schlimmer“

Wolgast „Ich finde, der Zahnarzt ist schlimmer“

147 Berufsschüler und Gymnasiasten in Wolgast lassen sich als mögliche Knochenmarkspender registrieren

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Knochenmarkspenderin Monique Böttcher aus Wolgast und DKMS-Mitarbeiter Benjamin Lieb mit einem Spendenscheck der Runge-Gymnasiasten. Heute wollen die Berufsschüler ebenfalls eine Spende übergeben.

Wolgast. Im Jahr 2011traf Monique Böttcher eine lebenswichtige Entscheidung. Als angehende Kauffrau im Einzelhandel ließ sie sich damals im Zuge einer freiwilligen Typisierung in der Beruflichen Schule des Landkreises in Wolgast in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufnehmen. Bereits wenige Wochen später erhielt die damalige Ahlbeckerin Post von der DKMS gGmbH mit Sitz in Tübingen. Ein an Leukämie, sprich Blutkrebs erkrankter Franzose, ihr genetischer Zwilling, war auf genau ihre Knochenmarkspende angewiesen.

„Schon als ich mich in Wolgast typisieren ließ, habe ich irgendwie geahnt, dass meine Spende gebraucht wird“, erzählt die heute 26-Jährige, die nun in Wolgast wohnt. „Und ich war sofort aufgeregt und hoffte, dass alles klappt und ich jemandem helfen kann.“ Nach den nötigen Vorbereitungen und eingehender medizinischer Untersuchung folgte im Februar 2012 in einer Hamburger Spezialklinik der Eingriff. „Ich wollte nicht drei, vier Stunden an einem Automaten liegen; daher habe ich mich für eine Knochenmark-Entnahme aus meinem Beckenknochen entschieden“, erzählt die Spenderin. Alles sei gut und nahezu schmerzfrei verlaufen. „Ich finde, der Zahnarzt ist schlimmer.“

Gestern nun war erneut ein Vertreter der DKMS, Benjamin Lieb, im Wolgaster Schulcampus. Der 31-jährige Mann aus Berlin warb kurz und prägnant um sein Anliegen und viele Berufsschüler und Runge-Gymnasiasten ließen sich nicht lange bitten. Vor einem provisorisch zum Labor umfunktionierten Unterrichtsraum bildete sich eine Schlange. Drinnen ging alles ganz schnell. Die potenziellen Lebensretter führten Wattestäbchen in ihren Mund und rieben jeweils eine Minute lang intensiv auf jeder Wangeninnenseite. Während die Abstriche trockneten, gaben sie ihre Personalien zu Protokoll und leisteten zwei Unterschriften. Fertig. „Später“, so erläuterte Benjamin Lieb, werden im Labor der DKMS Ihre Gewebemerkmale bestimmt. Denn anhand dieser Gewebemerkmale kann ermittelt werden, ob Sie der passende Spender für einen Blutkrebspatienten sind.“ Lieb hatte zuvor eindringlich erklärt: Zwar habe die DKMS inzwischen über fünf Millionen bereitwillige Stammzellenspender in ihrer Datei; weltweit seien sogar 25 Millionen Menschen entsprechend erfasst. „Trotzdem findet man für jeden fünften an Blutkrebs Erkrankten nicht den passenden Spender“, so Lieb. Zu sehr variierten die menschlichen Gene, weshalb die Datei stetig erweitert werde. „Damit künftig noch mehr Leukämie-Patienten eine Chance auf ein zweites Leben haben.“

Auch Marko Greger aus Kemnitz gehörte zu den insgesamt 147 Schülern, die sich gestern für die Datei typisieren ließen. „Dies ist eine einfache Möglichkeit, anderen zu helfen“, begründete der 21-Jährige seine Bereitschaft. Die Registrierung gilt für immer. Die Wahrscheinlichkeit, jemals als Knochenmarkspender in Frage zu kommen, ist zwar sehr gering, aber dennoch real. Bei Monique Böttcher trat dieser Fall ein. „Und mehrere Leute in meinem Umfeld reagierten ablehnend: ,Für einen Fremden willst Du spenden?‘.“ Dabei könne es doch auch einen selber treffen, verdeutlicht die junge Wolgasterin. „Man kann schon stolz sein, dass man jemandem das Leben gerettet hat. Und dies mit so wenig Aufwand.“

Stichwort: DKMS

Alle 16 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellenspende ist. Doch jeder fünfte Patient findet keinen Spender.

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) arbeitet seit 1991 daran, für Patienten weltweit den passenden Spender zu finden. Bislang haben sich bereits fünf Millionen Stammzellenspender in der DKMS dem Kampf gegen den Blutkrebs angeschlossen. Dennoch findet immer noch jeder fünfte Blutkrebspatient allein in Deutschland keinen passenden Spender.

Quelle: www.dkms.de



Tom Schröter

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