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Jede vierte Frau erfährt häusliche Gewalt

Wolgast Jede vierte Frau erfährt häusliche Gewalt

In der Wolgaster Beratungsstelle melden sich jährlich etwa 50 Betroffene, um sich helfen zu lassen

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Berater in schweren Lebenslagen: Tilo Zocher, Raisa Dadik und Beate Ziegler (v.l.) während der Ausstellung im Wolgaster Rathaus.

Quelle: Tom Schröter

Wolgast. „Es geht nicht in jedem Fall um körperliche Misshandlung. Psychische Gewalt kann einem Partner genauso schwer zusetzen“, sagt Raisa Dadik. Häusliche Gewalt sei auch in unserer Region nach wie vor ein großes Thema – und eines, über das man nicht gern spricht. „Pro Jahr melden sich immer etwa 50 Frauen und Männer aus Wolgast und dem Umland in unserer Beratungsstelle im Hasenwinkel 6.“ Die Dunkelziffer, da ist sich die Wolgasterin sicher, sei erheblich höher.

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In der Wolgaster Beratungsstelle melden sich jährlich etwa 50 Betroffene, um sich helfen zu lassen

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Betroffen seien alle Altersgruppen und insbesondere Frauen, die von ihren Partnern zu Hause tyrannisiert würden. In Deutschland ist oder war schon jede vierte Frau Opfer von häuslicher Gewalt, informiert der Verein Menschenrechte für Frauen. Bis sich die Opfer entschlössen, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen, gehe meist viel Zeit ins Land. „Im Durchschnitt liegen zwischen der ersten Gewaltanwendung und der Intervention sieben Jahre“, berichtet Raisa Dadik. Sie und ihre Kollegin Beate Ziegler bieten Hilfesuchenden je nach Schilderung der Situation mögliche Lösungswege an.

In manchen Fällen sei eine Trennung vom Partner unausweichlich. Aber es gebe auch die Möglichkeit der Tätertherapie. Hierzu setzen sich die Beraterinnen aus Wolgast mit dem Gewaltberater und -pädagogen Tilo Zocher von der Fachpraxis in der Greifswalder Karpaunenstraße in Verbindung, der mit solchen Fällen Erfahrung hat und helfend eingreift. Schutzsuchende fänden auch in Frauenhäusern in Neubrandenburg, Greifswald oder Stralsund Zuflucht. Zudem könne man sich seinen Peiniger mittels gerichtlicher Auflage vom Leib halten.

Alltagsprobleme, Beziehungsstress und Überforderung können Auslöser für Gewalt in den heimischen vier Wänden sein. Raisa Dadik schildert, dass insbesondere auch muslimische Frauen betroffen seien.

Die Schwelle, der Partnerin Gewalt anzutun oder im Falle einer drohenden Trennung ihr die Kinder zu entziehen, sei in diesen Familien niedriger als hierzulande üblich. „Es nehmen aber auch die Fälle zu, in denen sich zwei Leute im Internet kennenlernen, relativ schnell zusammenziehen und einer der beiden erst dann sein wahres Gesicht zeigt“, erzählt sie. Anders sei es hier und da, wenn deutsche Männer ausländische Frauen, etwa aus Asien, an sich binden. „Dass der Mann seine Partnerin nicht misshandeln darf, wissen diese Frauen oft gar nicht“, berichtet Raisa Dadik.

Auch die Jüngsten, das belege die Statistik, hätten in ihrer Familie häufig unter Gewaltexzessen zu leiden. Durchschnittlich 1700 Kinder und Jugendliche pro Jahr werden in den Interventionsstellen in MV als Opfer oder Zeuge häuslicher Gewalt oder Stalking bekannt – 53 Prozent von ihnen sind jünger als sieben Jahre. In der Ausstellung „Am Rande der Wahrnehmung“, die in dieser Woche im Kaminzimmer des alten Rathauses in Wolgast Station macht, wird über dieses Thema allseits informiert. Konkret geht es unter anderem darum, Anzeichen für körperliche oder psychische Peinigung zu erkennen und rechtzeitig Einfluss zu nehmen. Raisa Dadik und Beate Ziegler bieten hierzu auch Schulungen zum Beispiel für Lehrer, Erzieher und Arbeitgeber an. Auch spezieller Unterricht in Schulen gehört zum Angebot der Beraterinnen.

Sexualisierte Gewalt

Frauen sind in ihrem Zuhause nicht nur von häuslicher Gewalt betroffen, sondern häufig auch zusätzlich oder ausschließlich von sexualisierter Gewalt. Die eigene Wohnung ist erfahrungsgemäß der häufigste Tatort. Diese Form der Menschenrechtsverletzung passiert in Deutschland täglich: Jede siebte Frau musste in ihrem Leben schon einmal eine Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung erleben.

(Quelle: Terre de Femmes, Menschenrechte für die Frau e.V.)

Beratungsstellen: ☎ 03836/ 237485 oder 03834/2317903

Tom Schröter

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Wolgast
Pro familia in Wolgast: Ulrike Schröter, Sylke Blättermann und Anett Knuth (v.l.).

Die Mitarbeiterinnen von pro familia im ostvorpommerschen Wolgast haben in den vergangenen 25 Jahren mehr als 22 000 Frauen bzw. Paaren mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

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