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„Kogge“ mit neuen Kapitänen an Bord

Koserow „Kogge“ mit neuen Kapitänen an Bord

Nach fünfjähriger Vorbereitung übergab Michael Raffelt sein Hotel an die Kinder Anja und Steffen

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Steffen und Anja Raffelt bekamen gestern von Peter Drechsler (Mitte) und Roland Metzig (r./beide Dehoga) die erneute Klassifizierung „Vier Sterne“ überreicht. Die Eltern Regina und Michael Raffelt (links im Bild) sind stolz auf das Ergebnis.

Quelle: Fotos: Hannes Ewert, Privat

Koserow. Eigentlich wollte Michael Raffelt Tierarzt werden – ein Kindheitstraum. Die Ausbildung zum Zootechniker hatte er bereits in der Tasche, doch dann kam alles anders. Der heute 63-Jährige entschied sich damals für die Gastronomie. Aus heutiger Sicht für ihn die beste Entscheidung seines Lebens. „Ja, hier ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen“, erzählt er bescheiden. Doch bis es so weit war, wartete ein großer Berg Arbeit auf ihn.

OZ-Bild

Nach fünfjähriger Vorbereitung übergab Michael Raffelt sein Hotel an die Kinder Anja und Steffen

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Die Arbeit ist ein Full-Time-Job. In den Anfängen begann der Tag um 4 Uhr und endete irgendwann in der Nacht.“Michael Raffelt (63), Hanse-Kogge

Auszeichnung

27 Hotels sind auf Usedom von der Dehoga mit „Vier Sternen“ klassifiziert worden. Diese Auszeichnung muss in regelmäßigen Abständen bestätigt werden. Die Voraussetzungen prüfen Mitarbeiter der Dehoga.

17 Anlagen sind mit drei Sternen ausgezeichnet. Zwei Objekte sind mit der höchsten Klassifizierung, nämlich fünf Sternen, prämiert.

Damals, das war im Februar 1991. Zu dem Zeitpunkt eröffnete er mit seiner Frau Regina eine Gaststätte in Koserow. „Wir hatten zu jener Zeit noch keine Hotelbetten – eine reine Gaststätte; sechs Leute waren wir. Morgens um 4 Uhr begann die Schicht, und wir fertigten das Mittagessen für die Schulen in Wolgast an, abends servierten wir Bier und Co. an die durstigen Kehlen am Tresen. Oft hatten wir in der Nacht nur eine halbe Stunde Ruhe, und dann ging es am nächsten Tag im gleichen Rhythmus weiter“, erinnert sich Raffelt an die Anfänge. Heute generiert die Hotelanlage rund 50000 Übernachtungen im Jahr, und 68 Angestellte verdienen dort ihre Brötchen.

Michael Raffelt gehört in der Region zu den umtriebigsten Unternehmern. „In der Hotelerie sucht man ständig nach Neuigkeiten und Alleinstellungsmerkmalen. Ich bin froh, dass mir die Familie den Rücken freigehalten und mich in manchen Situationen aus dem Tagesgeschäft genommen hat“, erklärt er. „Mein Vater ist dann einfach mit dem Auto losgefahren. Irgendwo hin, das war egal, Hauptsache weg aus Koserow und von der Insel, um sich inspirieren zu lassen. Manchmal auch nur bis Ueckermünde. Er kam immer mit neuen Ideen wieder“, sagt Sohn Steffen Raffelt, der Anfang des Jahres mit seiner Schwester Anja die Hotelanlage übernommen hat.

Eine Idee, die bis heute Erfolg hat, waren die Reisen für Senioren. „Mit einer kleinen Zeitungsanzeige begannen wir im Raum Frankfurt/Oder auf das Angebot aufmerksam zu machen. Wir holten die Gäste von zu Hause ab. Der Kleinbus war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. Dann wurde die Nachfrage größer, und wir gründeten mit den Bussen ein eigenes Unternehmen.“

Etwa 25 Millionen Euro investierte die Familie in den vergangenen 25 Jahren in die Hotelanlage, die ständig in irgendeiner Form erweitert wurde. Ob Mitarbeiterwohnungen, medizinische Spa-Bereiche, Kegelbahnen oder neue Hotelbetten. „Ständig gibt es Neuerungen. Beispiel Internet: Vor ein paar Jahren haben wir aufwendig in jedes Zimmer ein LAN-Kabel verlegt. Es dauerte nicht lange, und schon wurde das Kabel durch schnurlose Varianten ersetzt. Heute kommen die Gäste mit drei verschiedenen Endgeräten an. Heißt, dass das Datenvolumen wächst“, erklärt er. Auch in Zeiten der Digitalisierung bessert die Familie ständig nach. „Es gibt bei uns eine Mitarbeiter-App. Die Kollegen sind immer ’am Ball’. Darüber kommunizieren wir. Das erleichtert viele Arbeitsschritte.“

Und von all diesen geschaffenen Dingen will Michael Raffelt nun loslassen. „Ich bin raus aus der Sache. Nun steht für mich die Zeit nach der Arbeit an. Wenn mich die beiden Kinder als Berater brauchen, dann gerne“, sagt er. Fünf Jahre dauerte es, bis alle Formalitäten und alle Prozeduren erledigt waren. „Die Herausforderung der heutigen Zeit ist die Bürokratie. Die war in den 1990er Jahren nicht so“, erklärt er.

Dass Eltern einen Hotelbetrieb an die Kinder weitergeben, ist in der Region relativ selten. „Viele Hoteliers schauen neidisch nach Koserow, denn die meisten haben Probleme, einen geeigneten Nachfolger zu finden“, sagt Raffelt. „Oft möchten es die Kinder nicht. Bei uns sind die beiden in das Hotelgeschäft mit hinein gewachsen. Von kleinauf waren sie dabei. Mein Sohn Steffen ist jetzt seit 20 Jahren im Unternehmen. Die Branche ist ein Full-Time-Job. Man mag es oder nicht.“

Doch richtig Zeit zum „Füße- hoch-legen“ wird Raffelt senior mit Sicherheit nicht finden. „Ich bin ja noch in vielen ehrenamtlichen Angelegenheiten involviert. Meine Beraterfirma werde ich wieder aktivieren. Sollte also ein Hotelier Fragen haben, kann er sich gerne an mich wenden.“

In den 25 Jahren erhielt das Hotel „Hanse-Kogge“ viele Auszeichnungen. Gestern wurde übrigens wieder die „Vier-Sterne“-Klassifizierung erneuert.

Hannes Ewert

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