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Landgräfin ruhte unter der Schifferstraße

Wolgast Landgräfin ruhte unter der Schifferstraße

Archäologe Dr. Jörg Ansorge fand auf der Wolgaster Schlossinsel weitere Zeugnisse aus mehreren Epochen

Wolgast. Der Ausbau der Fähr- und der Schifferstraße auf der Wolgaster Schlossinsel neigt sich seinem Ende. Bis zum Schluss erweist sich der Untergrund für Archäologe Dr.

Jörg Ansorge als ein ergiebiges Betätigungsfeld. Bei bisherigen Grabungen war Ansorge bereits unter anderem auf Fundamente des einstigen herzoglichen Marstalls und des Fährhauses, errichtet um das Jahr 1560, sowie Straßen- und Gehwegpflaster aus herzoglicher Zeit gestoßen (OZ berichtete).

In jüngster Zeit legte er unter der Fährstraße einen slawischen Siedlungshorizont frei. „In dieser Bodenschicht fand sich typische Keramik aus der Zeit der Besiedelung der Schlossinsel um 1125“, berichtet der Fachmann, der im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege aktiv ist.

Obenauf folgte eine Bodenlage mit großen Mengen an Bauschutt. „Diese Schicht stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, als nach dem Brand des Wolgaster Schlosses im Jahr 1557 anfallender Schutt auf dem südlichen Teil zum Auffüllen und somit zur Baulandgewinnung genutzt wurde“, so Ansorge. Als eines der sicheren Indizien dafür tauchte vor etwa 14 Tagen bei Grabungen im Straßenbett der Schifferstraße eine Ofenkachel mit dem Abbild der hessischen Landgräfin Christine (1505-1549) auf. „Es handelt sich um weißbrennenden Ton. Dieser wurde aus Mitteldeutschland importiert“, erklärt Ansorge und fügt hinzu, dass der Wolgaster Herzog Philipp I. (1515- 1560) durch seine Ehe mit Maria von Sachsen (1515-1583) verwandtschaftliche Beziehungen zum sächsischen und hessischen Herrscherhaus unterhielt. „Philipp I. ließ sich seinerzeit auch sächsische Baumeister zur Umgestaltung seines Schlosses nach Wolgast kommen. Dabei hielten offenbar auch solche in Sachsen gefertigten Öfen mit Porträts Einzug, von denen bei den Grabungen im vorigen Jahr bereits einige Teile gefunden wurden“, so Ansorge.

Aus der allmählich ausklingenden Blütezeit des Wolgaster Herzogshauses stammen auch zwei Münzen, die Ansorge im Bereich des einstigen Fährhauses (heute Fährstraße Nr. 20) sichern konnte: zwei Schillinge — Ernst IV. von Schauenburg von 1604 und Fürstbischof Theodor von Paderborn von 1612. Unter der Straße nördlich des Fährbeckens kratzten die Bagger eine besondere Bodenschicht an, bestehend aus hellem Sand, Kalk, Strandgeröll und etlichen Weichtiergehäusen, darunter verschiedene Nordsee-Muscheln. Laut Meinung des Archäologen handelt es sich hierbei um Ballastsand, den Segelschiffe etwa aus Skandinavien während der Zeit des florierenden Getreidehandels um 1860 in Wolgast entluden, um im nahen Stadthafen Korn zu laden.

Interessante Befunde barg auch der Bereich am Ende der Fährstraße, wo sich das Fährbecken befand, von dem aus Personen, Vieh und Wagen erst per Prahm und später per Dampffähre über den Peenestrom zur Insel Usedom transportiert wurden. „Zum einen fanden wir eine um 1860 aus Granitsteinen gemauerte Uferbefestigung aus der Zeit der Seilzugfähre“, berichtet Ansorge. „Zum anderen waren noch Teile der Metallklappe der Dampffähre ,Bogislav‘ im Gehwegbereich vorhanden, die massiv in Beton eingegossen waren.“ Diese Relikte aus der Vorzeit, die hätten erhalten werden können, wanderten allerdings auf den Schrott und sind somit für immer verloren.

Von Tom Schröter

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