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Usedom „Parchim“ am Papendorfer Ausrüstungskai
Vorpommern Usedom „Parchim“ am Papendorfer Ausrüstungskai
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00:15 27.08.2014
Olaf-Günter Seehawer mit dem Standmodell (hinten) und dem neuen, technisch ausgeklügelten Nachbau, der 2015 fertig sein soll. Quelle: Tom Schröter

Seine Armeezeit ist Olaf-Günter Seehawer in guter Erinnerung geblieben. Der gebürtige Hallenser diente im Dienstgrad eines Obermaats bis 1985 in der 1. Flottille Markgrafenheide in Warnemünde. Als Besatzungsmitglied der U-Jagdkorvette „Parchim“ war er für die Bedienung der reaktiven Wasserbombenwerfer zuständig. Wenn ihm die Zeit an Bord des auf der Wolgaster Peene-Werft gebauten und 1981 in Dienst gestellten U-Boot-Abwehrschiffs zu lang wurde, bastelte Seehawer an einem Modell des Konvoischiffes „Wapen von Hamburg“.

„Den Bauplan hatte ich im gleichnamigen Buch gefunden, in dem auch Angaben zur Geschichte des Schiffes standen“, berichtet der gelernte Baufacharbeiter. Unter seinen geschickten Händen entstand in ungezählten Stunden ein 75 Zentimeter langes Modell, das an Bord wegen seiner Detailtreue und Sorgfalt für Aufsehen sorgte. „Später stand meine ,Wapen von Hamburg‘ sogar in der Offiziersmesse“, berichtet Seehawer.

Was der heute 52-Jährige damals nicht wusste: Der Nachbau des alten Schiffes sollte nicht seine letzte Arbeit auf diesem Gebiet bleiben. Durch Zufall erhielt Seehawer vor einigen Jahren wieder Kontakt zu einigen seiner Weggefährten während der Dienstzeit auf See. „2011 trafen wir uns erstmals wieder — in Parchim“, erzählt er. „Und es kam plötzlich die Anregung, dass ich doch ein Modell von der ,Parchim‘ anfertigen könnte.“

Der versierte Handwerker war nach seiner Zeit bei der Volksmarine an der Küste geblieben, hatte sich gemeinsam mit seiner Frau ein Häuschen in Papendorf nahe Lassan gekauft, wo die Familie bis heute wohnt. Hier machte er sich umgehend ans Werk und baute zunächst ein Standmodell des betreffenden U-Jagdschiffes, Projekt 133.1, das er beim Ehemaligentreffen 2012 in Greifswald vorstellte. Wieder stieß sein aufwändiger Nachbau auf großes Interesse. Und das, obwohl der Rumpf massiv aus Holz bestand und das Modell nicht schwimmfähig war.

Seit Oktober vorigen Jahres ist nun eine weitere Kopie in Arbeit — diesmal als Schwimmmodell im Maßstab 1:33. „Für den 2,20 Meter langen Rumpf stellte ich eine Negativform aus Multipor her, überspannte diese mit glasfaserverstärktem Kunststoff und entfernte das Multipor später“, erklärt Seehawer. Der schnittige Schiffskörper durchlief inzwischen den Wolgaster Lackierbetrieb Kieser &

Söhne, wo er ein originalgetreues Farbkleid erhielt. Um das Schiff zu trimmen, ließ der Bastler den Rumpf in einem gefluteten Autoanhänger zu Wasser.

Der Wolgaster Modellbauer Klaus-Dieter Rex stellte dem Papendorfer inzwischen Original- Bauzeichnungen des Projekts 133.1 zur Verfügung. „Immer wenn die Zeit es zulässt, arbeite ich an meinem Modell“, erzählt Seehawer. Aus Messing und Kupfer formte er die Mastaufbauten mit den diversen Funkantennen, Windmessern und Anlagen zur Freund- Feind-Erkennung nach — alles hartgelötet und maßstabsgetreu. Die Bewaffnung, u. a. Doppellafetten und Wasserbombenwerfer, sollen folgen. „Aber der kniffligste Teil kommt erst noch“, freut sich Seehawer. Die Drei-Wellen-Anlage soll mit mindestens zwei Motoren ausgerüstet und die Abgase durch einen im Kompressor und Rauchmodul erzeugten Luftstrom imitiert werden. Die Radarantenne und die Anlagen zur technischen Seeraumbeobachtung sollen sich ebenfalls mittels Motorantrieb drehen und auch die Tarn- und Innenbeleuchtung des Schiffes sowie die Positionslichter sollen funktionieren.

Olaf-Günter Seehawers Sternstunde schlägt in dem Moment, wenn seine „Parchim“, von einem Modell-Schlepper namens „Werder“ gezogen, vom Papendorfer Ausrüstungskai ablegt und auf dem neben dem Haus befindlichen, künstlich angelegten See erscheint. „Dies“, so ist er sich absolut sicher, „wäre für das Treffen der früheren Besatzung im nächsten Jahr doch bestimmt eine super Sache.“

Parchim-Klasse
Die U-Boot-Abwehrschiffe; Projekt 133 der Parchim-Klasse wurden auf der Wolgaster Peene-Werft für die DDR-Volksmarine und die sowjetische Marine entwickelt und in den 1980-er Jahren gebaut. Insgesamt liefen 28 Schiffe vom Stapel.



Die Schiffe waren jeweils 75,2 Meter lang und 9,80 Meter breit. Der Tiefgang betrug 2,73 Meter (Kiel). Die Besatzung zählte 59 Mann. Die Geschwindigkeit betrug 24,5 Knoten.



Das Schiff „Parchim“ wurde am 9. Ap- ril 1981 in Dienst und am 3. Oktober 1990 außer Dienst gestellt und später nach Indonesien verkauft, wo es unter dem Namen „Sutedi Senoputra“ fährt.



Tom Schröter

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