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Proteststurm gegen Windparkplanung

Greifswald Proteststurm gegen Windparkplanung

Der Regionale Planungsverband will 44 neue Eignungsgebiete im Landkreis ausweisen

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Braut sich da etwas zusammen? 44 neue Eignungsgebiete für Windenergie will der Regionale Planungsverband im Kreis ausweisen.

Quelle: Foto: Ingo Wagner

Greifswald. Alle zwei Wochen das gleiche Bild: Trifft sich die Bürgerinitiative „Freie Friedländer Wiese“ (BI), ist der Gemeinderaum in Wilhelmsburg bei Ferdinandshof bis auf den letzten Platz gefüllt. Seit Landesplaner die Gegend hier zum Windeignungsgebiet erklärt haben, herrscht 60 Kilometer südöstlich von Greifswald Proteststimmung. Vor jedem dritten Haus prangt ein Banner, wird öffentlich gegen die Absicht zu Felde gezogen, über 200 Meter hohe Windräder in die Landschaft zu stellen.

„Leute, die sonst vor allem ihre Hühner fütterten und im Bauernstübchen saßen, gehen plötzlich auf die Straße“, schildert Angelika Janz (64). Die Schriftstellerin lebt in Aschersleben, einem Ortsteil der Nachbargemeinde Ferdinandshof. Wie viele andere Menschen hier ist sie nicht einverstanden mit dem energiepolitischen Kurs der Landesregierung. Janz gehört keiner Initiative an, sie selbst bezeichnet sich als Einzelkämpferin. Dass friedliche Bürger nun ihren Unmut bekunden, geht maßgeblich auf sie zurück. „Ich war die Erste, die darauf stieß, dass unsere Gegend – durch die Jahr um Jahr tausende Zugvögel fliegen – zum Windeignungsgebiet werden soll.“

Im Süden droht ein Mastenwald

44 neue Eignungsgebiete für Windenergieanlagen will der Regionale Planungsverband Vorpommern – eine per Landesgesetz verfügte Organisation zur räumlichen Entwicklung des Landstrichs – allein im Kreis Vorpommern-Greifswald ausweisen. Viermal mehr als im Nachbarkreis Vorpommern-Rügen. Besonders im Süden unseres Kreises könnte das Landschaftsbild massiv geschädigt werden, warnt nun die Kreisverwaltung. Im sogenannten Randowbruch zwischen Löcknitz und Penkun hat der Planungsverband gleich zehn Areale ausgemacht, die ihm für Windparks geeignet scheinen. Sollten sie in den kommenden Jahren tatsächlich mit Windrädern bestellt werden, wären Menschen hier am Ende schlimmstenfalls von riesigen Masten umzingelt. Eine vom Planungsverband beabsichtigte Neuregelung könnte diese Entwicklung forcieren. Ihr zufolge soll der zulässige Mindestabstand zwischen einzelnen Windparks von derzeit fünf Kilometern auf zweieinhalb verkürzt werden. Bei Windradhöhen von künftig bis zu 200 Metern hätte ein Abstand von nur 2,5 Kilometern zwischen Windparks optisch eine sehr nachteilige Wirkung, gibt die Kreisverwaltung zu bedenken. Dann nämlich könnte es so aussehen, als ginge ein Windpark nahtlos in den anderen über.

7400 Einwände und Bedenken

Kreissprecher Achim Froitzheim verweist auf mehr als 7400 Anregungen und Bedenken, die den Planungsverband Vorpommern zu den von ihm ausgewiesenen Windeignungsgebieten ereilten. „Bedenken gibt es vor allem im Hinblick auf die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Natur sowie wegen der Überfrachtung des Landschaftsbildes auf Jahrzehnte.“ Angesichts dieser Signale aus der Bevölkerung werde eine Positionierung des Kreistags und damit eine politische Entscheidung notwendig, um die Landrätin im Planungsverband mit einem entsprechenden Mandat auszustatten.

Ein erster Anlauf dazu ist gescheitert. Die zehn Mitglieder des Kreis-Umweltausschusses folgten dem Einwand der Kreisverwaltung zum geplanten Windpark-Mindestabstand mehrheitlich nicht. Sechs von ihnen lehnten es ab, die Landrätin zu beauftragen, sich im Planungsverband gegen die Reduzierung des Mindestabstands auf 2,5 Kilometer und für den Beibehalt der derzeit geltenden fünf-Kilometer-Distanz auszusprechen. Landwirt Marco Gemballa aus Zinzow etwa verwies auf die schwache Wirtschaft der Region. „In Anbetracht dieser würde ich es bedauern, wenn durch den Beibehalt eines größeren Mindestabstands einige der geplante Windeignungsgebiete wegfielen.“ Man wisse ja gar nicht, ob all die vom Planungsverband ausgewiesenen Gebiete tatsächlich zu Windparks werden. Die Akzeptanz von Windrädern in der Bevölkerung, glaubt Gemballa, hänge davon ab, dass Bürger oder ihre Kommune von den Anlagen profitieren. Rein rechtlich sei der Weg dazu geebnet: Ein vom Land beschlossenes Gesetz verpflichtet Projektträger, für neue Windparks eine haftungsbeschränkte Gesellschaft zu gründen und Anteile von mindestens 20 Prozent den unmittelbaren Nachbarn anzubieten.

Kaufberechtigt sind Anwohner, die seit mindestens drei Monaten ihren Wohnsitz im Umkreis von fünf Kilometern um eine Anlage haben, sowie die Sitzgemeinde und Nachbargemeinden innerhalb des Fünfkilometerradius um den Windpark. Sollten Kommunen keine Anteile erwerben wollen, sollen Projektträger ihnen eine jährliche Abgabe zahlen.

Sven Jeske

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