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Sechs Jahrzehnte auf der Bühne

Zinnowitz Sechs Jahrzehnte auf der Bühne

Der Zinnowitzer Pensionär Siegfried Roick lebt für die Musik – solo und mit den Streckelbergern

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Historisch: Siggi Roick (l.) musiziert 1953 mit Schulfreund Helmut Heinze (M.) und Musiklehrer Kurt Mätzing.

Quelle: Foto: Privat

Zinnowitz. In seinem Haus am Waldwinkel probt Siegfried Roick täglich. „Jeden Vormittag zwischen 9 und 11 Uhr, das muss sein. Sonst bleibt man nicht in Form und kann seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden“, erläutert der 78-Jährige seinen disziplinierten Tagesablauf. Wenn er außerdem bemängelt, dass heutzutage gute Musiker in der Region kaum noch zu finden sind (etwa als Ersatz für eine Kapelle), dann steckt dahinter auch seine unbedingte Erwartung, Qualität auf die Bühne zu bringen. „Wir wollen doch den Urlaubern etwas bieten, das sie gut unterhält und in deren Erinnerung bleibt“, sagt Roick, der sein 60. Bühnenjubiläum gerade begangen hat.

 

OZ-Bild

Siggi Roick, wie ihn viele Usedomer und Gäste der Ferieninsel kennen. Seine Liebe gilt der Musik. Er singt und spielt leidenschaftlich alte Schlager, Evergreens, Seemannslieder und Operettenmelodien. „Die richtige Mischung macht’s“, hat er in sechs Jahrzehnten gelernt.

Quelle: Foto: Steffen Adler

Der aus der Niederlausitz stammende Mann ist eigentlich gelernter Schmied und Stahlbauschlosser. Sein beruflicher Weg sollte ihn daher ursprünglich auch in die Braunkohle führen. Doch schon als 15-Jähriger musizierte er in seiner ersten Jugendtanzkapelle. „La Paloma“ hieß sie, vielsagend, was Programm und Titelauswahl anbetraf. Nach dem Krieg war das Verlangen, sich endlich wieder zu amüsieren, zum Tanz zu gehen, eben riesengroß. Und Roick fand Gefallen daran, das Publikum in Stimmung zu versetzen, es mitschunkeln zu sehen und mitsingen zu hören. „Ich hatte von Anfang an großen Spaß daran, aufzuspielen“, erinnert er sich. Dafür habe er aber auch immer wieder fleißig geübt. Schon als Junge.

In den Norden kam er 1957, zum Probevorspiel nach Peenemünde, wo seinerzeit das Marineorchester der 1. Flottille besonders begabte Mitglieder suchte. Und dieses Talent wurde ihm auch bald attestiert. Gleichwohl musste er von der ursprünglich favorisierten Trompete auf die Klarinette umsatteln: „Eine andere Stelle war eben einfach nicht zu vergeben.“ Im Orchester spielte er bald außerdem das Alt-Saxophon und beim Marsch die große Trommel.

Mit der politischen Wende 1990 ging für ihn hier eine mehr als 33 Jahre dauernde Karriere zu Ende. Roick sattelte um, machte auf freischaffend, blieb der Musik aber nicht weniger eng verbunden. Heute spielt er entweder solo auf Feiern, in Reha-Kliniken und Restaurants. Oder er tritt weiter mit den Streckelbergern auf. Morgen ist wieder Probe in seiner Garage, denn für den 1. Mai stehen gleich zwei Konzerte an. Um 11 Uhr in Zinnowitz und um 15 Uhr in Bansin.

„Vor wenigen Tagen hab’ ich mit meinem langjährigen Freund Hartmut Haker zu einem 85-jährigen Geburtstag mehr als acht Stunden aufgespielt, die Stimmung war unglaublich“, berichtet er. Klarinette, Saxophon und Gesang sind heutzutage sein Metier. Und die Bandbreite der Titel reicht von Weltmusik, Evergreens über Volksmusik, Walzer und Seemannslied bis zu Swing und Blues. Er ist und bleibt ein Allrounder. Das weiß sein Publikum zu schätzen, denn immer wieder trifft er auf begeisterte Konzertbesucher, die ihn davor „warnen“, etwa schon aufhören zu wollen. Und weil er gesundheitlich weitestgehend fit ist, verschwendet er auch keinen Gedanken daran. Es sei denn, er registriert, dass aus manchen Kurverwaltungen gar keine Konzertanfrage mehr an ihn gerichtet wird, dann „bin ich traurig, weil damit ein Stück Geselligkeit, dass gerade viele Ältere so lieben, verloren geht.“

Seine hochwertigen Instrumente pflegt er übrigens wie andere ihre Hochglanz-Limousinen. So hat er im Vorjahr sein Tenor-Saxophon in Markneukirchen ausbeulen und komplett neu versilbern lassen.

„Silber klingt weicher als Goldlackinstrument“, erklärt er dem Laien. Seine Karin, mit der er 56 Jahre lang zusammen ist, mag seine Musik sehr. Im Winter spielt er für sie ganz allein auf, sie macht Handarbeit und er singt und bläst – Klarinette und Saxophon.

Steffen Adler

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