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Seltener Bücherschatz wird erforscht

Loitz Seltener Bücherschatz wird erforscht

Wissenschaftlerin sucht in den Druckwerken nach Hinterlassenschaften früherer Leser

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Gar nicht so einfach zu lesen. In vielen Büchern der Kirchenbibliothek der Loitzer Marienkirche befinden sich Anmerkungen, die Hinweise auf die Nutzungsgeschichte geben.

Quelle: Foto: Britta-Juliane Kruse

Loitz. In der Marienkirche der Peenestadt wird ein echter Schatz verwahrt. „Alle Bücher haben noch die historischen Einbände, das ist sehr selten“, sagt Britta-Juliane Kruse. In Vorpommern gibt es sogar mehrere erhaltene Kirchenbibliotheken. Auch in Wolgast und Barth haben die Bücher noch die historischen Einbände. Auf deren Innenseite blieben Besitzvermerke und Namen ehemaliger Benutzer erhalten.

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Wissenschaftlerin sucht in den Druckwerken nach Hinterlassenschaften früherer Leser

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Britta-Juliane Kruse ist promovierte Mediävistin und Kunsthistorikerin und hat in den letzten Jahren für die berühmte Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel gearbeitet. Aktuell ist sie Gastwissenschaftlerin (Fellow) am Greifswalder Alfried-Krupp-Kolleg. Dort befasst sie sich ein Jahr mit der „Erforschung und Erschließung der Kirchenbibliothek von St. Marien zu Loitz“. Am Ende der Zeit in Greifswald soll ein Buch über die Büchersammlung entstanden sein. Außerdem wird sie in einem öffentlichen Vortrag (Fellow Lecture) ihre Arbeitsergebnisse vorstellen.

Dass die Loitzer Kirchenbibliothek durch Sophia Hedwig von Pommern-Wolgast (1561 bis 1631) gegründet wurde, sei ein Glücksfall, schätzt die Wissenschaftlerin ein. Sophia Hedwig, die Frau des Pommernherzogs Ernst Ludwig (1545 bis 1592), hatte ab 1611 ihren Witwensitz in Loitz. Sie übergab der dortigen evangelischen Kirchengemeinde und deren Propst Julius Colerus (1579 bis 1642) eine Lutherbibel, die der Wolfenbütteler Hofbuchbinder Lukas Weischner eingebunden hatte. Sie ist mit einem goldgeprägten Porträt ihres Vaters, Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg (1528 bis 1589), geschmückt. Andere Bücher gelangten mit Sophia Hedwigs Brautschatz vom Wolfenbütteler Hof nach Pommern. Vermutlich wurden sie später Teil der Bibliothek der Marienkirche, weitere Bücher kamen als Geschenke hinzu.

„Dank des Engagements der Herzogin weiß man viel über die Gründungszeit, über die Preise der Bücher, über die Bezüge zu Pastoren und historischen Persönlichkeiten“, erläutert Britta-Juliane Kruse.

Die Loitzer sammelten systematisch Bibeln und Schriften, die die Pastoren für die Erarbeitung ihrer Predigten benötigten.

„An der Zusammensetzung der Bibliothek lässt sich das gelehrte theologische Wissen der Zeit ablesen“, verdeutlicht Kruse. Die Bücher wurden ganz gezielt erworben. Britta-Juliane Kruse untersucht aktuell die Bücher des 16./17. Jahrhunderts. Etwa 200 erforscht sie. Der Gesamtbestand liegt bei etwa 600. In den Werken befinden sich besondere Schätze. Das sind Zettel, Lesezeichen, auch gepresste Pflanzen, Briefe, sogar Haare, Anmerkungen der Nutzer, Unterstreichungen – alles Hinweise auf die Nutzungsgeschichte. Auch die Veränderung inhaltlicher Schwerpunktsetzungen lässt sich ablesen.

„Es ist eine funktionierende Handbibliothek von Geistlichen“, fasst Kruse zusammen. Unter den Büchern befänden sich viele Schriften großer Reformatoren wie Martin Luther, Philipp Melanchthon und des „Doctor Pomeranus“, Johannes Bugenhagen. Veröffentlichungen für Greifswald wichtiger Theologen wie Johannes Knipstro (1497 bis 1556, seit 1531 in Greifswald, später Generalsuperintendent und Professor) und Jacob Runge (1529 bis 1597) habe sie noch nicht gefunden. Runge war der Nachfolger Knipstros als Generalsuperintendent. Auf ihn geht die neue pommersche Kirchenordnung von 1563 zurück.

Für ihre Forschung fährt Britta-Juliane Kruse übrigens mit dem Bus nach Loitz. Die schöne Lage der Stadt gefällt ihr. Greifswald sei schön. „Ich habe mich schnell eingelebt“, sagt sie. „Man findet hier aufgeschlossene Kooperationspartner, und im Krupp-Kolleg werde ich sehr gut betreut.“ Dass sie nach Greifswald kam, habe nicht nur mit der eingangs erwähnten Verbindung Wolfenbüttel/Pommern zu tun. Britta-Juliane Kruse war schon bei einer großen Tagung zu Fürstinnen im Krupp-Kolleg und hat gute Beziehungen zum hiesigen Mittelalterzentrum. „Mit Monika Schneikart forsche ich zum Briefwechsel von Fürstinnen“, erzählt sie. Auch für die Lehre der Universität Greifswald ist sie aktiv und bietet in Zusammenarbeit mit Prof. Monika Unzeitig Seminare an.

Eckhard Oberdörfer

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