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Usedom Sie ackern für das süße Leben
Vorpommern Usedom Sie ackern für das süße Leben
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03:37 11.09.2013
Erika Klinkenberg (60) steht an der Filterstrecke und misst den Zuckergehalt. Sie ist bereits seit 43 Jahren im Betrieb.

Über Anklam liegt wieder ein süßlicher Duft. Die Zuckerrüben sind da. Knapp 12 000 Tonnen sollen nun bis Mitte Januar an sechs Tagen in der Woche in der Anklamer Fabrik zu Weißzucker, Futter, Düngemittel und Biokraftstoff verarbeitet werden. „Das ist eine enorme logistische Herausforderung“, sagte gestern Fabrik-Geschäftsführer Matthias Sauer beim Startschuss.

Um 8 Uhr rollte der erste Lastwagen durchs Werktor in Anklam — Martin Beil (35) aus Boldekow saß am Steuer. Täglich werden es nun um die 500 Lkw sein, die aus den Anbaugebieten in Mecklenburg-Vorpommern und Nord-Brandenburg nach Anklam rollen. Zehn Speditionen sorgen dafür, dass der Abladeplatz der zur niederländischen Suiker Unie gehörenden Zuckerfabrik immer mit frischen Rüben gefüllt ist.

Frisch und süß sollen sie sein. „Bei den ersten Proben lag der Zuckeranteil der Rüben zwischen 16 und 18 Prozent. Wir rechnen insgesamt mit 17,9 Prozent“, sagte Produktionsleiter Torsten Tzschoppe.

Der 44-Jährige schraubte die Erwartungen hoch: „Die Bauern erwarten diesmal eine Superernte. Vielleicht packen wir ja bei der Rübenmenge die 1,4-Millionen-Tonnen-Marke. Das wäre ein neuer Rekord.“

Trotz des guten Starts mit „überdurchschnittlichen Werten“, so Raik Wrobel, Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung, stößt den Zuckerwerkern das Auslaufen der Zuckermarktordnung der EU in vier Jahren sauer auf. 2017 endet eine Marktordnung, die seit 1968 in ihren Grundelementen Quotenregelung und Rübenmindestpreis beinhaltete. „Der Wettbewerb wird dann stärker, damit auch der Druck von den europäischen Wettbewerbern. Mit einem Ausbauprogramm wollen wir darauf aber reagieren“, kündigte der Geschäftsführer gestern an.

Dahinter stehen Investitionen von rund 50 Millionen Euro. Die Rübenverarbeitung soll dann von jetzt knapp 12 000 auf 15 000 Tonnen steigen. Dazu muss in neue Maschinen investiert werden. „Und das bei gleichem Energieverbrauch. Das Positive ist aber, dass mit dem Wegfall des Quotenregimes die Fesseln gelöst sind“, so Sauer, der mit den neuen Bedingungen noch stärker auf das zweite Standbein der Fabrik setzt — auf Bioethanol. In der Zuckerproduktion anfallende Reste von Rüben werden in Anklam in Bioenergie umgewandelt. Eine Biomethananlage produziert Biogas aus den Reststoffen des Bioethanolwerkes.

Die Rübenkampagne

148 Mitarbeiter sind derzeit in der Anklamer Zuckerfabrik beschäftigt. Hinzu kommen 23 Auszubildende. Während der Kampagne werden 25 Saisonkräfte beschäftigt.
380 Zuckerrübenanbauer beliefern den Betrieb in Anklam in diesen Wochen. Insgesamt werden auf 22 000 Hektar Rüben angebaut.

112 000 Tonnen Zuckerquote — damit rechnen die Anklamer bei dieser Kampagne. Dazu kommen für Futtermittel 20 000 Tonnen Melasse, 105 000 Tonnen Pressschnitzel zum Trocknen.

19. Oktober — an diesem Tag lädt die Zuckerfabrik von 9 — 11 Uhr zum Tag der offenen Tür ein.

Henrik Nitzsche

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