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„Sie haben mich aus dem Eis geholt“

Greifswald „Sie haben mich aus dem Eis geholt“

Klaus-Peter Reinholz (63) erfror fast im Bodden – Mit der OZ fand er seine Retter

Greifswald. Er war dem Tode nahe, musste um sein Leben fürchten. Den 14. Februar 2017 wird Klaus-Peter Reinholz nicht mehr vergessen.

Schlittschuhlaufen wollte der 63-Jährige, auf der zugefrorenen Dänischen Wiek. Dann brach er ein (die OZ berichtete). In dieser Woche nun suchte er nach seinen Rettern. Die OSTSEE-ZEITUNG sprang ihm bei und organisierte ein Wiedersehen! Gestern traf der Wackerower all jene, die „mich aus dem Eis holten“. Reinholz, der zum Zeitpunkt seiner Bergung auf dem Bodden total unterkühlt und alles andere als gesprächig war, nutzte die Begegnung, um sich aus tiefstem Herzen zu bedanken.

Bei Marita Dörfler (72) aus Eldena. Jene hatte ihn in seiner Not kläglich rufen hören und dann selbst laut um Hilfe geschrien, um andere auf ihn aufmerksam zu machen; schließlich alarmierte sie den Rettungsdienst. Bei Fred Nuelken (64) aus Eldena, der ohne viel Federlesen zur Einbruchstelle geeilt war und ihm Mut zusprach. Bei dem 30-jährigen Studenten Georg Bittner und seinem Freund Thomas Hoffmann (34), die Hunderte Meter entfernt in Ufernähe mit einem Rad und einem Schlitten das schöne Wetter genossen, als Reinholz um sein Leben bangte. Ihr Schlitten sollte sich als Mittel der Stunde erweisen.

Von Eldena rüber nach Ludwigsburg hatte Klaus-Peter Reinholz an dem für ihn schicksalhaften Tag laufen wollen. Die Sonne schien, die Dänische Wiek war eine Eisfläche. Andauernde Kälte hatte den Bodden hier bis zu 15 Zentimeter tief gefrieren lassen. Ideale Bedingungen, meinte der Wackerower. Schnallte sich Schlittschuhe an, setzte sich eine Sonnenbrille auf und fuhr los. „Ich war schon hunderte Meter vom Ufer weg, als der ,Boden’ unter meinen Füßen nachgab.“ Von einer Sekunde auf die nächste wurde Reinholz bitterkalt und nass. „Es war eine richtige Falle. Weil die Eisschicht dort nur noch zwei Zentimeter maß, gab sie nach, als ich versuchte herauszukommen.“ Was tun? Stehen konnte er nicht. Mühsam hielt er seinen wie durch ein Wunder trockengebliebenen Kopf über Wasser. „In der Ferne sah ich Menschen. Ich schrie um Hilfe.“ Fred Nuelken, selbst auf Schlittschuhen, lief sofort los, kam aber nicht richtig an die Unglückstelle heran, da das Eis zu dünn war. Aus wenigen Metern Entfernung habe er Klaus-Peter Reinholz Mut zugesprochen. Er möge ruhig bleiben, nicht in Panik verfallen, alles werde gut. Nur wie?

Georg Bittner hatte die Lösung. „Als ich mitbekam, dass da jemand Hilfe brauchte, habe ich mich aufs Fahrrad geschwungen und den Schlitten mitgenommen.“ Dass er selbst einbrechen könnte, sei ihm zunächst nicht in den Sinn gekommen. „Ich war da ja schon eine Weile auf dem Eis gewesen und es hatte gehalten.“ Dann aber, weit weg vom Ufer, schmolz sein Zutrauen dahin. 50 Meter vor der Unglücksstelle ließ Bittner sein Rad liegen. Vorsichtig ging er einen Schritt nach dem anderen auf das Loch zu, in dem Klaus-Peter Reinholz schwamm – den Schlitten hinter sich her ziehend.

Schließlich habe er sich auf den Bauch gelegt und sei bis auf etwa vier Meter an die Unglücksstelle herangerobbt. Sicherheitshalber habe Fred Nuelken seine Beine festgehalten. Bittner griff den Schlitten, an dem eine fünf Meter lange Schnur befestigt war, und schubste ihn zum Loch, wo Reinholz ihn zu fassen bekam. „Wir haben ihn dann herausgezogen.“ Zehn Minuten, vielleicht auch mehr, habe er im Wasserloch verbracht, schilderte Klaus-Peter Reinholz gestern. Lange genug, um zu unterkühlen. Mit einer Körpertemperatur von 33 Grad kam der Mann ins Klinikum. Dort erst überfiel ihn „das große Zittern“.

Sven Jeske

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