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Tischlerarbeit muss vererbbar sein

Zecherin/Usedom Tischlerarbeit muss vererbbar sein

Hans Witt hat seine Tischlerei zum Jahreswechsel an seinen Sohn Christian übergeben. „Er ist sehr gut ausgebildet und hat eine ähnliche Einstellung zu seinem Beruf wie ich“, sagt der 59-Jährige, weshalb er ganz entspannt in die zweite Reihe treten könne.

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Christian Witt bei der Arbeit, f�r die er fr�h begeistert wurde.

Quelle: ina

Zecherin. Er ist nun, wie auch seine Frau Petra, Angestellter des Familienbetriebes. Und mehr noch, Christians Partnerin Christina arbeitet sich nach und nach in die Geschäftsführung ein und wird über kurz oder lang ihre Schwiegermutter darin ablösen.

Dass die nächste Witt-Generation schon mit den Hufen scharrt, wäre zwar maßlos übertrieben, denn Charlotte ist erst acht und Johann fünf Jahre alt, aber die beiden fühlen sich in Papas Werkstatt schon wie zu Hause. Sie haben ihren eigenen Gehörschutz, sind mit allen Angestellten auf Du und Du und sitzen bei Betriebsfeiern immer mit am Tisch.

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Hans und Petra Witt wissen die Tischlerei bei der jungen Familie in guten H�nden.

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„Sie erleben, dass Arbeit anstrengend ist, aber auch, dass es Spaß macht, etwas Dauerhaftes zustande zu bringen“, erklärt der 38-jährige Familienvater. „Wir finden es nicht richtig, wenn Eltern sagen, dass ihre Kinder es später einmal besser haben sollen als sie. Damit redet man ihnen doch eigentlich ein, dass das, was wir tun, nicht gut für sie ist."

Auch als Christian und sein Bruder Sebastian, der ebenfalls Tischlermeister ist, klein waren, haben sie gerne arbeiten gelernt. Großvater Wilhelm hatte es ihnen vorgelebt. „Er war immer in Bewegung, hat aufgeräumt, geheizt, Kisten und Holzroste gebaut. Er hat mich sehr geprägt“, erinnert sich ein dankbarer Enkel.

Christian war zehn, als sein Vater sich mit der Tischlerei selbstständig gemacht hat. Hans Witt erinnert sich an die spannenden Anfangsjahre Mitte der 1980-er Jahre, die noch von Planwirtschaft geprägt waren. „Wir hatten damals nicht einmal ein Telefon. Ich bekam Material zugewiesen und Maschinen und Anlagen nur nach Freigabe durch den Kreis. Für die Anschaffung eines Transportfahrzeuges brauchte ich allein sieben Unterschriften“, nennt Witt senior ein Beispiel. „Man musste sehr fleißig sein und den Plan möglichst schnell übererfüllen, um sich Freiräume für das zu schaffen, was einem selbst wichtig war.“

Und das war maßgeblich die Denkmalpflege, vornehmlich in Kirchen. Das zu bewahren, was Jahrhunderte überdauert hat, ist für Hans Witt stets ein Zeichen von Wertschätzung gegenüber den Vorfahren gewesen. „Ich war jung, hatte Lust zur Arbeit und konnte mit meinen Aufträgen bald auch zwei Gesellen beschäftigen“, sagt er.

Und doch, als die Wende kam, hatte der Tischler das Gefühl, sein gut aufgestellter Betrieb sei technisch in der Steinzeit hängen geblieben. „Es gab für uns ganz neue Materialien. Die Kunden wollten plötzlich Fenster, die bereits gestrichen und verglast waren. Der Markt war auf einmal riesig. Wir bauten uns neue Geschäftsfelder wie den Fensterhandel auf, schauten uns im Westen um und kauften erst einmal gebrauchte Maschinen.“ Das ist eine gefühlte Ewigkeit her.

Inzwischen verfügt das Unternehmen selbstverständlich über modernste Anlagen und computergesteuerte Maschinen und, was nicht weniger wichtig ist, über 15 erfahrene und zum Teil hochqualifizierte Mitarbeiter. Die Tischlerei hat vielerorts Spuren hinterlassen. In Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Amtsgebäuden, in den Hörsälen der Greifswalder Uni; spektakuläres Beispiel war im vergangenen Jahr die ZDF-Bühne zur Fußball-EM. Die Auftragslage ist nach wie vor ausgesprochen gut. Bleibt zu erwähnen, dass Witts von Anfang an zuverlässige Lehrausbilder sind und es auch bleiben werden. Wer hier aufgepasst und arbeiten gelernt hat, wird überall zurecht kommen.

Was Hans Witt seinem Sohn mit auf den Weg gibt? „Er soll sich nicht beirren und auf keinen Preiskampf einlassen. Am Ende wird sich Qualität durchsetzen. Tischler schaffen Lebensräume und die muss man vererben können.“

Die Arbeit ist anstrengend, macht aber auch Spaß.“Hans Witt, Tischlermeister senior

Ingrid Nadler

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