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Usedom ist und bleibt sein Sehnsuchtsort

Bansin Usedom ist und bleibt sein Sehnsuchtsort

Jahr für Jahr kehrt Georg Karbowski (89) nach Bansin zurück / Seine schönsten Erinnerungen gelten den Tanzvergnügen

Bansin. „Eine Insel aus Träumen geboren“. Diesen Titel trägt ein Film, den der gebürtige Heringsdorfer Georg Karbowski vor zehn Jahren zusammengeschnitten hat. Er enthält historische Aufnahmen aus den Kaiserbädern, Familienfotos und selbstgedrehte Filmdokumente, die nach der Wende bis etwa 2006 entstanden sind. Eingeleitet wird das humorvolle Filmchen mit Impressionen von einer Südseeinsel mit braungebrannten Schönheiten am Strand, bevor der Schwenk zur Ostsee erfolgt. Denn hier liegt die Trauminsel des Hobby-Filmemachers.

Karbowski, mittlerweile 89 Jahre alt, lebt seit 1961 im Westen. In Gehrden bei Hannover ist seither sein Zuhause. Doch die Heimat hat er nie aus den Augen verloren. Zu viele schöne Kindheits- und Jugenderinnerungen sind mit Heringsdorf und Usedom verbunden. Doch der Reihe nach.

Hauserwerb in Heringsdorf

Karbowskis Vater, der in der Ukraine geboren wurde und in Odessa Koch gelernt hatte, verschlug es nach Berufsstationen in der Türkei, auf hoher See und in Paris nach Berlin. Als Spitzenkoch arbeitete er in den angesehensten Hotels. Und aus Paris hatte er ein Preisgeld mitgebracht, das er in Zeiten der Inflation in eine Immobilie eintauschen wollte. So kam es, dass Karbowskis Vater in den Jahren der Weimarer Republik ein Haus in der Heringsdorfer Liehrstraße erwarb.

„Eines Tages ging mein Vater über die Delbrückstraße und kam zur Villa Lepke. Da hat er meine Mutter kennengelernt“, erzählt Georg Karbowski. Dort, in der Villa Lepke, die heute Villa Arcadia heißt, erblickte er 1927 das Licht der Welt. Aufgewachsen ist er in Berlin und Heringsdorf, denn sein Vater arbeitete in Berlin in einem Theaterrestaurant und in den Sommermonaten im Kempinski-Hotel Kaiserhof Atlantic in Heringsdorf.

Für die Russen gekocht

Die letzten Jahre vor dem Kriegsende blieben die Karbowskis ganz auf Usedom. Danach kochte sein Vater in Swinemünde „für die Russen“. Er selbst erlernte vor 70 Jahren den Beruf des Radiotechnikers in Heringsdorf. 1948 lernte er seine Frau Liselotte, die aus Neuhof stammte, kennen. In Greifswald holte er an der Arbeiter- und Bauernfakultät das Abitur nach, um anschließend bis 1956 an der TH Dresden Elektrotechnik zu studieren.

Heringsdorf war bis dahin der Lebensmittelpunkt. Einen besonderen Bezug hatte Georg Karbowski zur Kirche: „Hier wurde ich getauft, konfirmiert und getraut, und unsere Kinder wurden hier aus der Taufe gehoben.“ Über das Vogtland, wo er am Institut für Musikinstrumentenbau arbeitete, kam er dann wieder an die Küste zurück. Jedoch hatte er kein Vertrauen mehr in den Staat: „Die DDR war ein neo-feudalistisches System“. So nutzte er im März 1961 die Rückfahrt von der Leipziger Messe, um mit Frau und Kindern nach West-Berlin zu gelangen.

Von dort ging es per Flugzeug in den Westen, wo er in Hannover bei Telefunken eine Anstellung bekam, die er bis zur Rente ausübte. In die Heimat durfte er als Bundesbürger ab 1974 einreisen, um seine Mutter im Stella Maris Heringsdorf zu besuchen. Nach der Wende kam er mit seiner Frau regelmäßig und meist für mehrere Wochen nach Bansin, wo sie bei Lilli Haefke in der Goethestraße wohnten. Seit dem Tod seiner geliebten Liselotte vor fünf Jahren hat der weißhaarige Senior nunmehr im Hotel Buchenpark, quasi ums Eck, sein neues Feriendomizil gefunden.

Für fünf Wochen war er jetzt in seiner alten Heimat. „Die Sehnsucht bringt mich immer wieder zurück an die Ostsee“, sagt der gebürtige Pommer. In seiner Erinnerung ist die unbeschwerte Jugendzeit noch ganz lebendig, wie die Tanzabende im Bansiner Meeresstrand. „Für mich war das unser gesellschaftlicher Mittelpunkt. Ich habe selten so einen schönen Tanzsaal gesehen. Der ’Meeresstrand’ hatte das beste Parkett. Es wurde kein Tanzabend ausgelassen“, schwärmt Georg Karbowski noch heute von diesem bei vielen Bansinern unvergesslichen Veranstaltungsort, an dessen Stelle nun das neue Beachhotel steht.

Treffen der Exil-Bansiner

Eine Meerestrand-Geschichte hat der frühere Elektroingenieur sogar als Hördokument festgehalten. Vorgetragen hatte er sie Mitte der 1980er Jahre bei einem der so genannten „Bansiner Treffen“ in Hessen, die regelmäßig die Exil-Bansiner im Westen zusammenführte. „Hans Werner Richter war auch immer dabei“, erinnert sich Karbowski, um dann seiner Erinnerung freien Lauf zu lassen. „Tanzlehrer Richter hielt 1946 den ersten Tanzkurs nach dem Krieg ab. Unvergessen ist der große Sommernachtsball. Begleitet von Ruthchen Labahn auf dem Akkordeon durfte ich zur Eröffnung singen“, klingt es vom Tonträger des Musikers und Filmers, den es auch im nächsten Jahr wieder für fünf Wochen auf seine „Trauminsel“ ziehen wird, so die Gesundheit mitspielt.

Dietmar Pühler

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